Spiel meines Lebens

Faruk Senci hat mit dem TB Uphusen eine Achterbahn der Gefühle erlebt

Der TB Uphusen ging im Viertelfinale des Presse-Supercups 2004 gegen den SC Weyhe als klarer Außenseiter in die Partie. Uphusens Stürmer Faruk Senci erinnert sich an ein außergewöhnliches Spiel zurück.
22.04.2021, 05:00
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Von Dennis Glock
Faruk Senci hat mit dem TB Uphusen eine Achterbahn der Gefühle erlebt

Noch heute kickt Faruk Senci im Alter von 38 Jahren für den 1. FC Rot-Weiß Achim.

Björn Hake

Faruk Senci hat in seiner langen Fußballlaufbahn schon fast alles erlebt. Den Landesliga-Aufstieg mit dem TB Uphusen, unzählige Derbys mit dem 1. FC Rot-Weiß Achim, ein kurzweiliges Trainerengagement beim FSV Langwedel-Völkersen und eine knapp zehn Jahre andauernde Knieverletzung, die fast das Ende seiner Laufbahn besiegelte. Und doch muss der heute 38-jährige Achimer Bezirksliga-Kicker nicht lange überlegen, wenn er nach seinem Spiel des Lebens gefragt wird. „Ich entscheide mich ganz klar für das Viertelfinale des Presse-Supercups des WESER-KURIER mit dem TB Uphusen gegen den SC Weyhe im Jahr 2004“, erklärt Senci wie aus der Pistole geschossen. Zwar ging es im Mai vor 17 Jahren nicht um einen Aufstieg oder eine Meisterschaft, doch es gibt gute Gründe, weshalb das Viertelfinale des Turniers so fest im Herzen des Stürmers verankert ist: Auf einen frühen 0:3-Rückstand folgte eine wilde Aufholjagd, die in einem fulminanten Elfmeterschießen endete.

Die Saison 2003/04 hätte für die Arenkampkicker gar nicht besser laufen können. Mit 59 Punkten stieg das Team von Trainer Cord Clausen souverän als Bezirksliga-Tabellenführer in die Landesliga Lüneburg auf. Den wohl größten Erfolg neben dem Aufstieg verbuchten die Uphuser beim Presse-Supercup des WESER-KURIER. Mit hohen Ambitionen angetreten, wollten sie das Turnier gewinnen und am Ende den lukrativen Preis entgegennehmen: ein Testspiel gegen den frisch gebackenen Deutschen Meister SV Werder Bremen. „Das wäre das absolute Highlight gewesen. Wer träumt schließlich nicht davon, mit Profis wie Johan Micoud, Ivan Klasnic oder Ailton gemeinsam auf dem Rasen zu stehen?“, schwärmt Faruk Senci.

Um diesem Traum ein Stück weit näher zu kommen, musste im Viertelfinale aber erst einmal der Oberligist SC Weyhe geschlagen werden. Anders als beim 4:1-Achtelfinalsieg gegen den VfL Stenum ging das Team gegen Weyhe aber als klarer Außenseiter in die Partie. „Wir wussten, dass es alles andere als leicht werden würde. Um gegen so einen starken Gegner bestehen zu können, muss man eine Topleistung abrufen und von Anfang an bei der Sache sein“, erklärt Senci.

Klassenunterschied von Beginn an

Die Realität sah allerdings ganz anders aus. Der TB Uphusen zog sich von Beginn an in die eigene Hälfte zurück und überließ den Gästen das komplette Spielgeschehen. Besonders im Mittelfeld wirkte die Clausen-Elf mehr als überfordert. Auch das taktische Konzept ging überhaupt nicht auf. Denn nach einem Fehler von Abwehrspieler Christian Schmid traf Lars Behrens unhaltbar zum 1:0 für den SC Weyhe. Nur wenige Minuten später erhöhte der Ex-Rotenburger Mircea Cosac auf 2:0. Von Uphusen selbst kam bis zu diesem Zeitpunkt nur wenig. Bis zur Pause schossen lediglich Sven Langhans und Abit Kaldirici die Kugel vergeblich auf das Tor der völlig überlegenen Gäste.

Als nur vier Minuten nach dem Seitenwechsel Lars Behrens den SC Weyhe mit einer abgefälschten Flanke mit 3:0 in Front brachte, schien die Begegnung gelaufen. Nicht einmal eingefleischte Anhänger des TBU hätten noch gedacht, dass ihr Verein diesen Rückstand noch einmal hätte drehen können. „Wir waren komplett überfordert. Weyhe hat uns bis zu diesem Zeitpunkt an die Wand gespielt. Das muss man so klar sagen. Aber wir haben nicht aufgegeben und haben uns dann eindrucksvoll zurückgemeldet“, beschreibt Senci.

Nach dem 3:0 trauten die Zuschauer allerdings ihren Augen nicht. Denn der SC Weyhe stellte das Fußballspielen komplett ein. Dabei folgte ein Fehler auf den nächsten. Das wusste der TB Uphusen gekonnt auszunutzen. So bekamen die Arenkampkicker plötzlich das Spiel durch ihre Mittelfeldreihe mit Urban, Spitzer und Sengül besser in den Griff. Dies machte sich bezahlt, denn die Gastgeber erzielten innerhalb von zwei Minuten durch Abit Kaldirici nach sehenswertem Doppelpass mit dem zur Pause eingewechselten Robert Smerczek und Patrick Spitzer den 2:3-Anschlusstreffer.

Pure Emotionen

Danach kam der SC Weyhe im Uphuser Sechzehner noch mal durch Lars Behrens gefährlich frei zum Schuss, doch der Ball flatterte haarscharf am Tor vorbei. Als in der 86. Spielminute Uphusens Robert Smerczek das runde Leder nach einer Ecke volley zum 3:3 ins Weyher Tor schoss, gab es bei den Blau-Weißen kein Halten mehr. „Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass der Ball auf einmal im Tor lag und das ganze Trainerteam zusammen mit den Ersatzspielern auf den Platz rannte. Einfach unglaublich, dass wir das Spiel drehen konnten“, erzählt Senci.

Die Verlängerung brachte auf beiden Seiten nichts Nennenswertes ein. Der Sieger musste also im Elfmeterschießen ermittelt werden. Hier besaß der TB Uphusen das Glück des Tüchtigen. Während bei den Gastgebern zunächst Patrick Spitzer am Pfosten scheiterte, versagten beim SC Weyhe mit Lars Behrens und René Hanke gleich zwei Spielern die Nerven. Damit gewann der TB Uphusen ein schon früh verloren geglaubtes Spiel mit viel Herzblut doch noch verdient mit 7:6 im Elfmeterschießen. „Es war einfach phänomenal und einmalig. Ich glaube, jeder kann sich vorstellen, wie wild wir danach gefeiert haben“, sagt Senci mit einem Lächeln.

Der Erfolg über Weyhe und der Gewinn der Bezirksliga-Meisterschaft haben dem TBU und seinem Trainer Cord Clausen jede Menge Selbstvertrauen gegeben. Nachdem im nächsten Spiel auch der TSV Osterholz-Tenever mit 3:1 besiegt worden ist, marschierten die Arenkampkicker gemeinsam mit dem BSV Rehden, dem SV BW Bornreihe und dem SV Lilienthal-Falkenberg in die Endrunde des Presse-Supercups ein. Gegen den Niedersachsenligisten BSV Rehden unterlag der TB Uphusen allerdings unglücklich mit 0:2 und musste seine Hoffnung auf ein Testspiel gegen den SV Werder Bremen ad acta legen.

Comeback nach Knieverletzung

Die darauf folgenden Jahre gestalteten sich für Faruk Senci mehr als schwierig. Eine diagnostizierte Knieverletzung zwang den Vollblutstürmer zu einer zehnjährigen Pause. Somit verließ Senci das Uphuser Team und zog sich aus dem Fußball zurück. „Eine insgesamt nicht einfache Phase für mich. Ich liebe den Fußball, bin mit dem Sport aufgewachsen. Das war schon niederschmetternd.“

In der Saison 2012/13 feierte Senci sein Comeback auf dem grünen Rasen. Allerdings nicht für den TB Uphusen, sondern für den 1. FC Rot-Weiß Achim. Hier fand er zu alter Stärke zurück und führte die Mannschaft als Spielertrainer auf und neben dem Platz nach zwei erfolgreichen Spielzeiten von der Kreis- in die Bezirksliga. Insgesamt glänzte er in den fünf Jahren bei Rot-Weiß Achim mit 58 Treffern als erfolgreichster Torschütze des Klubs. Es folgte 2017 der Wechsel zum FSV Langwedel-Völkersen, wo er ebenfalls nicht nur auf dem Platz, sondern auch an der Seitenlinie zwei erfolgreiche Jahre verbrachte.

Seit 2019 ist er zurück bei Rot-Weiß Achim. Trotz seiner mittlerweile 38 Jahre denkt Senci noch lange nicht ans Aufhören. Auch deshalb, weil eines seiner prominenten Vorbilder in einem ähnlichen Alter noch große Erfolge gefeiert hat. „Ich denke da beispielsweise an einen gewissen Xabi Alonso, der im Alter von 36 noch Champions League mit dem FC Bayern München gespielt hat. Wenn Profis das können, kann ich das auch. Dafür muss mein Knie aber weiterhin so gut halten“, hofft Senci. Nach seiner Laufbahn als Spieler will er wieder auf die Trainerbank zurückkehren und damit dem Fußball erhalten bleiben.

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