Digitalisierung im Rathaus

Vernetzte Verwaltung

Die Stadt Achim bietet einige ihrer Dienstleistungen auch online an. Um einen besserern Überblick zu bekommen, soll es bald ein eigenes Portal für all diese Dienstleistungen geben.
18.08.2020, 16:09
Lesedauer: 3 Min
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Vernetzte Verwaltung
Von Elina Hoepken
Vernetzte Verwaltung

Holger Kruse ist der EDV-Leiter im Achimer Rathaus und kümmert sich auch darum, dass immer mehr Prozesse digitalisiert werden.

Björn Hake

Gut zwei Monate war das Achimer Rathaus wegen der Corona-Pandemie für Bürger komplett geschlossen. Seit dem 11. Mai gilt ein eingeschränkter Zugang. In solchen Zeiten rückt natürlich auch das Thema Digitalisierung und das Angebot von Online-Dienstleistungen für die Bürger in den Verwaltungshäusern wieder etwas mehr in den Fokus. Und nicht nur durch diese Ausnahmesituation, sondern auch durch das sogenannte Online-Zugangsgesetz (OZG), das der Bund bereits vor einigen Jahren beschlossen hat, werden Städte und Gemeinden diesbezüglich ziemlich unter Druck gesetzt. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass Bund, Länder und Gemeinden bis 2022 insgesamt 575 Leistungen online zur Verfügung stellen sollen.

"Natürlich betreffen uns in Achim nicht alle 575 Leistungen, weil wir gar nicht alles anbieten", erklärt Holger Kruse, EDV-Leiter bei der Stadt Achim. So gebe es hier vor Ort beispielsweise keine Kfz-Zulassungsstelle. "Aber auch wenn nur eine Teilmenge auf uns zutrifft, so ist der Zeitplan bis 2022 doch sehr optimistisch", gibt er zu. Zumal das Land Niedersachsen, anders als andere Bundesländer, keinerlei Hilfestellung gebe. "Im Grunde muss also jeder das Rad neu erfinden." Um das zu umgehen, habe man sich im Landkreis Verden darauf geeinigt, eine gemeinsame Portallösung zu entwickeln, die dann von allen verwendet werden kann." So solle es zum einen ein Portal geben, das jede Stadt und Gemeinde für sich auf ihrer Internetseite einbindet, und zum anderen auch ein übergeordnetes Portal für den gesamten Landkreis.

Prioritätenliste abarbeiten

„Da in Achim die Online-Dienstleitungen Schritt für Schritt gewachsen sind, sind sie aktuell noch überall verstreut auf der Internetseite zu finden“, sagt Kruse. „Die Bürger müssen also schon genau wissen, was sie brauchen, um fündig zu werden.“ Zukünftig soll es dann aber mit der Portallösung nur noch eine Anlaufstelle geben, wo all diese Dienstleistungen gebündelt werden. „Diese gilt es nun mit Leben zu füllen und parallel zu schauen, welche Dienstleistungen wir zukünftig noch online anbieten können.“ Dafür gebe es eine entsprechende Prioritätenliste im Haus. Ganz oben stehe auf dieser beispielsweise die Möglichkeit, bei der Anforderungen von Urkunden, wie beispielsweise Geburtsurkunden, diese auch online zu erhalten und zu bezahlen. „Aktuell werden sie noch ausgedruckt und dann per Post verschickt“, sagt Kruse.

Vorrangig sollen nach Angaben von Kruse natürlich Prozesse von Dienstleistungen digitalisiert werden, die häufig genutzt werden. „Außerdem ist es für uns nur sinnvoll, jene Leistungen zu digitalisieren, die dann auch von uns im Rathaus digital bearbeitet werden können.“ Es müsse also eine Schnittstelle zu den entsprechenden Fachverfahren geben. „Ist die nicht vorhanden, würden wir uns mehr Arbeit machen als vorher und das ist natürlich nicht Sinn und Zweck der Digitalisierung.“

Kommunikation über Online-Konto

Rund Zweidrittel ihrer Online-Dienstleistungen habe die Stadt bereits für das neue Portal erfasst. Die restlichen sollen zeitnah folgen, sodass das Portal zügig starten kann. Die Bürger sollen darüber ein Onlinekonto bekommen, über das sie – wie bei einem E-Mail-Postfach – dann mit der Stadt kommunizieren können. „Eigentlich sollte das Onlinekonto vom Land betrieben werden, aber da von dieser Stelle bisher noch nichts passiert ist, behelfen wir uns jetzt erst einmal mit einem eigenen Konto.“ Das könne dann später in das Onlinekonto des Landes überführt werden, sobald dieses vorliege.

Auch wegen solcher organisatorischer Unstimmigkeiten hält Holger Kruse es für kaum realistisch, dass die zeitliche Frist, die das OZG bis 2022 setzt, eingehalten werden kann. „Ich finde es allerdings auch fraglich, ob es überhaupt sinnvoll ist, alle Dienstleistungen auch online anzubieten“, sagt er. Manche würden so selten angefragt, dass es sich kaum lohne. „Wir müssen uns stattdessen auf die Routineanfragen konzentrieren.“

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