Basar-Angebote in der Helene-Grulke-Schule Stiftung Waldheim öffnet die Türen

Langwedel-Cluvenhagen. Die Basar-Angeboteder Stiftung Waldheim sollen die Besucher auf die kommende Adventszeit einstimmen. Es sind viele Besucher in die Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Cluvenhagen gekommen.
14.11.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Inka Sommerfeld

Langwedel-Cluvenhagen. Es war wieder viel los beim Tag der offenen Tür, den die Stiftung Waldheim gestern veranstaltet hatte: Unzählige Besucher kamen in die Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Cluvenhagen und verlebten mit Angehörigen, Freunden und Verwandten einen angenehmen Tag. Das kalte, aber sonnige Wetter lockte regelrecht zu einem Ausflug.

Schon kurz nach Beginn hatte sich eine Menschentraube vor dem Eingang des Empfangs gebildet - hungrige Gäste warteten darauf, Essenmarken für das beliebte Mittagessen zu ergattern: Kohl und Pinkel. Da stand der Losverkäufer gerade richtig, denn viele der Wartenden griffen in den blauen Eimer. Insgesamt gab es sieben wandernde Verkaufsstellen für Lose: Mitglieder des Rotary Clubs Achim spazierten auf dem Gelände umher - und sie alle waren von zahlreichen Besuchern umlagert. Klar, dass die Eimer gegen Mittag leer waren.

Vor allem Kinder wollten sofort ihren Gewinn abholen und steuerten zielstrebig auf die Helene-Grulke-Schule zu: In der Mehrzweckhalle waren die mehr als 1000 Gewinne aufgebaut. Die Stiftung-Waldheim-Mitarbeiterinnen Saskia Schirmacher und Inge Behrmann sowie einige Kolleginnen hatten alle Hände voll zu tun, um die Gewinne auszuhändigen, darunter ein Fahrrad, Fernseher und Stereoanlage.

Brechend voll war es in der Schule, gab es doch auf dem Flohmarkt viele schöne Dinge zu kaufen: Unmengen an Büchern, Spielen, Kleidung, Spielzeug, Dekoartikel und vielem mehr. In zwei Klassenräumen gab es Informationen über die Koop-Klassen in Völkersen, Langwedel, Achim und Oyten, dazu leckere Waffeln, Badesalz, Weihnachtskarten, Geschenkpapier und Selbstgebasteltes.

Neu in diesem Jahr: die Sicht-Bar. Der Name irritierte, denn dort drin war es schummrig. Vor dem Raum stand eine fröhliche Nathalie Lachnit, die Besuchern den Sinn und Zweck der Sicht-Bar erklärte: "Wir wollen unsere Beratungsstelle ?Anders sehen' bekannter machen." Dazu setzten sie und Mitarbeiterin Saskia Schirmacher auf Erfahrungen, die die Gäste machen sollten: zu erleben, wie Blinde und Sehbehinderte die Welt wahrnehmen.

Experiment mit Augenbinde

Vier Kinder waren vom Experiment angetan: Drei wählten Augenbinden aus, die kein Licht durchließen, ein Mädchen entschied sich für eine Brille, die das Gesichtsfeld einschränkte. "Ihr seid sehr mutig", lobte Lachnit. Die Mitarbeiterin führte jeden an seinen Platz im Café, und ihre Kollegin Jacqueline Janusch servierte den Gästen Hawaiitoast und Saft. "Ganz schön schwierig, das mit Messer und Gabel zu essen", kommentierten die "Blinden". Lachnit schmunzelte, als zwei der Kinder schummelten: Sie legten ihr Besteck beiseite und griffen mit den Händen zu. Auch das Trinken mit dem Strohhalm erwies sich als alles andere als einfach: Tasten war gefordert.

Wer mit dem Essen fertig war, erfühlte mit den Händen die Umgebung, soweit die Arme reichten: Stuhl, Tisch und Sofa nebenan. Aufzustehen und umherzugehen traute sich keiner. Musik machte das Essen noch schwieriger: "Es ist anstrengend, sich bei Musik zu konzentrieren", sagte Lachnit. So verbrachten die vier Kinder eine längere Zeit mit Essen als sie gedacht hatten. Und waren froh, als sie endlich wieder in die Sonne blinzeln durften. Immerhin brauchten sie als "Blinde" und "Sehbehinderte" nicht zu bezahlen: Das hatte ihre Mutter zuvor erledigt.

Ebenfalls neu: Kohl und Pinkel zum Mitnehmen. Das gut verpackte Gericht gab es in der Fahrradscheune und es war sehr begehrt. Weitere Aktionen: Gegen Mittag führte die Theatergruppe Szenen aus dem Stück "Hexe Lakritze" auf und erntete viel Applaus. Musik schallte über das Gelände: Bewohner fanden sich zur Session im Musikraum ein. In einem weiteren Raum tobten Kinder im eigens für sie aufgebauten Parcours. Im Snoezelraum ruhten Besucher nach dem Mittagessen aus, bevor sie weitergingen. Nebenan gab es Adventskränze und -gestecke. In der Nähere bemalten Kinder Teelichthalter, und Mitarbeiterinnen verkauften selbstgenähte Stücke: beispielsweise Taschen, Platzdeckchen, Topflappen und Nikolausstiefel.

Der Basar in den Räumen der Tagesförderstätte am Kuckucksweg stimmte auf die Adventszeit ein: Es wurden unter anderem Holzarbeiten - Krippen, Schalen, Spiele, Mobiles, Dekokerzen, Tabletts und Vogelhäuschen -, Kleidung, Taschen und weihnachtliche Dekoartikel angeboten. Die Aktion "Lebkuchenherzen zum Selbstverzieren" lockte vor allem Familien an: Die Kinder befestigten Süßigkeiten mit Zuckerguss auf den Herzen, und die Eltern assistierten.

Bereits am Sonnabend stand im Etelser Schloss "Musik & Kohl" an. Dabei ließen die Kölner Künstlerinnen Gisela Marx und Dorrit Baurecker die Geschichte der Frauenbewegung in Sketchen, Liedern, Schlagern und Chansons Revue passieren. Anschließend wurde Kohl und Pinkel serviert. Außerdem waren Bilder verschiedener Künstler der Stiftung zu bewundern.

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