Landkreis Verden Tagesmütter sind Landesspitze

Achim/Verden. Beim Thema Kindertagespflege in Niedersachsen ist der Landkreis Verden Spitze: "Wir sind führend, wenn es darum geht, Professionalität anzubieten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin und Vorsitzende des Vereins Tagesmütter und -väter Bianka Reichardt.
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Tagesmütter sind Landesspitze
Von Antje Stürmann

Achim ·Verden. Beim Thema Kindertagespflege in Niedersachsen ist der Landkreis Verden Spitze: 'Wir sind führend, wenn es darum geht, Professionalität anzubieten', sagt die Oytener Erziehungswissenschaftlerin und Vorsitzende des Vereins Tagesmütter und -väter Bianka Reichardt.

Aus diesem Grund hat sie im Auftrag des Niedersächsischen Sozialministeriums ein Konzept für die Arbeit und Vernetzung von Tagespflegepersonen erstellt. Ziel ist es, die Kindertagespflege weiter zu professionalisieren. Nach Reichardts Modell können Tagesmütter und -väter lernen, wie sie Beratungsgruppen unter Kollegen aufbauen, um sich untereinander auszutauschen, sich zu unterstützen und zu beraten.

Laut Bianca Reichardt ist genau das wichtig: die Arbeit der Tagesmütter und -väter miteinander zu verknüpfen. 'Tagespflegepersonen arbeiten oft allein und bei sich zuhause', sagt sie, 'sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen ist eher selten.' Das bestätigt Gabriele Kruse vom kreisverdener Familien- und Kinderservicebüro: 'Während sich Erzieherinnen in Kindertagesstätten bei Dienstbesprechungen und Supervision über die tägliche Arbeit austauschen und Fragen klären können, fehlt dieser professionelle Austausch für Tagesmütter und -väter oftmals.' Die Begleitung durch Experten in der kollegialen Beratungsgruppe und damit die Qualifizierung vor Ort sei deshalb besonders wichtig.

Im Landkreis Verden profitiert davon das Gros der 220 Tagesmütter und -väter. 'Hier haben wir das Konzept schon umgesetzt', betont Bianka Reichardt, 'und sind damit Vorreiter in Niedersachsen.' Kollegiale Beratungsgruppen gibt es inzwischen in allen größeren Orten - in Oyten, Verden, Langwedel, Achim und in Thedinghausen. Anderswo versuchen die Verantwortlichen jetzt nachzuziehen - in Bad Münder etwa, in Rotenburg oder auch in Cuxhaven. Das jedenfalls hat Bianca Reichardt bei gemeinsamen Treffen von Verantwortlichen aus dem Bereich Tagespflege gehört. Bei diesen Gelegenheiten wird sie häufig nach ihren Erfahrungen mit dem Kollegialen Beratungsmodell gefragt, und sie muss Fragen zur Umsetzung in der Praxis beantworten.

Detaillierte Antworten liefert ihr Konzept. Auf gut einhundert DIN-A-4-Seiten gibt sie einen Überblick über das Modell Kollegiale Beratung, sie schreibt über die Entstehungsgeschichte, die Ziele und umreißt Einsatzbereiche. Bianca Reichardt stellt Grundlagen der Kommunikation vor und fügt ihrer Ausarbeitung im Anhang praktische Arbeitshilfen bei, wie Entwürfe für Anschreiben und Einladungen zu Treffen. Hintergrund ihrer Arbeit ist das Millionen-Förderprogramm des Landes: Die niedersächsische Regierung stellt den Kommunen in den Jahren 2007 bis 2011 im Rahmen des Projekts 'Familien mit Zukunft - Kinder bilden und betreuen' 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Damit soll der Auftrag der Bundesregierung, die Tagesbetreuungsangebote für Kinder qualitätsorientiert und bedarfsgerecht auszubauen, umgesetzt werden. Das Niedersächsische Sozialministerium sowie das Kultusministerium fördern mit diesem Geld nicht nur den Ausbau der Kindertagespflege und den Auf- und Ausbau der Familien- und Servicebüros, sondern auch die Entwicklung neuer Konzepte zur Professionalisierung der Tagespflegepersonen in den niedersächsischen Kommunen.

Nicht nur von Berufs wegen, sondern auch 'als Mutter zweier Kinder liegt mir die Professionalisierung von Tagespflegepersonen sehr am Herzen', sagt Bianka Reichardt. 'Ich möchte, dass Tagesmütter und -väter wissen, dass es es diese Form der Unterstützung gibt', sagt die Mitarbeiterin der Tagesmutterbörse und des FamilienKinder-Service-Büros in Achim. Tagtäglich stellen sie sich den Anforderungen der Betreuung von Kleinkindern. Diese wiederum, so wünscht es sich Bianka Reichardt, sollen von 'motivierten, engagierten und zufriedenen Fachfrauen und -männern betreut werden'. Den Ratgeber 'Kollegiale Beratung' gibt es als Download-Broschüre im Internet auf der Seite www.familien-mit-zukunft.de am Ende des Pfads 'Aktuelles', 'Kindertagespflege' und 'Praxismaterialien'.

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