Tennis

Eine kontinuierliche Entwicklung

Das Talent Nike Tümmers aus Dauelsen befindet sich durch hartes Training auf dem Weg nach oben.
28.07.2020, 05:20
Lesedauer: 5 Min
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Von Florian Kastens
Eine kontinuierliche Entwicklung

Arbeiten erfolgreich zusammen: Nike Tümmers (r.) und Oliver Mutert.

Kastens

Immer wieder gelingt es Sportlern aus der Region, den Landkreis Verden über seine Grenzen hinweg bekannt zu machen. Im Tennis steht nun das nächste vielversprechende Talent in den Startlöchern: Nike Tümmers. Die 14-Jährige aus Dauelsen hat bereits in jungen Jahren einige Erfolge verbucht. Im zarten Alter von fünf Jahren sammelte die Rechtshänderin erste Erfahrungen im Umgang mit der gelben Filzkugel. „Ein Jahr später ging es dann mit dem regelmäßigen Training los“, sagt die Schülerin des Domgymnasiums Verden zu ihrem Einstieg in den Tennissport.

Über ihren drei Jahre älteren Bruder Finn und ihre Mutter war der Weg auf den Tennisplatz im Prinzip vorgezeichnet. In den ersten Jahren wurde sie im TC Verden von Trainer Axel Andrä angeleitet. Doch schon früh – zu Zeiten des Kleinfeldes – traf sie auf Oliver Mutert, mit dem Nike Tümmers noch heute zusammenarbeitet. Ihr Talent war unverkennbar, sodass sie frühzeitig ins Fördertraining der Region aufgenommen wurde. Erste Erfolge erzielte sie in den Turnierserien des Orange Cups (Altersklasse U9) und des Green Cups (U10). Spätestens zu dieser Zeit entwickelte Nike Tümmers auch selbst Antrieb und Ehrgeiz, um erfolgreich Tennis zu spielen. „Spaß am Tennis hatte ich natürlich von Anfang an. Aber im Midcourt habe ich dann schon bemerkt, dass alles ziemlich gut läuft und ich etwas erreichen kann“, sagt die Neuntklässlerin.

So wurde nach und nach das Training intensiviert, Stärken aus- und Schwächen abgebaut. Kontinuierlich entwickelte sich Nike Tümmers weiter und erzielte vor allem in den vergangenen Jahren beachtliche Erfolge: 2017 wurde sie Vize-Landesmeisterin und hatte großen Anteil am Gewinn des Talentcups in Essen für den Verband Niedersachsen. Ein Jahr später gab es zweite weitere Vizemeisterschaften auf Landesebene in der Altersklasse der U12. Im Vorjahr nahm Nike Tümmers erstmals an der deutschen Meisterschaft teil. Zwar war schon in der ersten Runde Schluss, aber allein die Teilnahme war ein großer Erfolg und macht Lust auf mehr. „Klar möchte ich da wieder hin und mich mit den anderen starken Mädels messen. Mich bringen diese Wettkämpfe auf jeden Fall voran“, ist sich Nike Tümmers sicher, die 2019 auch erste Erfahrungen im Damen-Bereich sammelte.

Daher wurde die Planung der Turnierteilnahmen, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter erstellt und mit Trainer Oliver Mutert verfeinert, in diesem Jahr mit einem klaren Ziel aufgelegt: „Wir haben uns vor diesem Jahr ganz offen über die nächsten Ziele unterhalten und waren uns einig, dass Nike die Top 500 in der deutschen Rangliste der Damen angreifen sollte“, erklärt Oliver Mutert. In der Mitte Juni veröffentlichten Rangliste war es dann soweit. „Ich wurde genau auf Position 500 gelistet“, sagt Nike Tümmers nicht ohne Stolz und ergänzt, „dass es nun kurzfristig darum geht, unter den Top 500 zu bleiben. Das wäre gleichbedeutend mit einer Einstufung in die Leistungsklasse 1.“

Solch einen Erfolg bekommt man nicht geschenkt. Hinter allem steckt viel Arbeit. So besteht eine normale Trainingswoche aus zwei Trainingstagen mit den Verbandstrainern der Region. Am Mittwoch folgt ein langer Trainingstag im Club zur Vahr, zu dem Nike Tümmers im Vorjahr wechselte, um in diesem Jahr für die Damenmannschaft in der Landesliga aufzuschlagen. Nach einem trainingsfreien Donnerstag schließt am Freitag ein Einzeltraining mit Oliver Mutert auf der Tennisanlage des Nindorfer TC die Woche ab. Am Wochenende stehen dann meist Turniere oder Punktspiele an. Doch auch darüber hinaus macht Nike Tümmers viel: „Ich bin einfach unheimlich gerne sportlich aktiv. Zum Training nach Nindorf fahre ich aus Dauelsen mit dem Fahrrad. Ich jogge gerne oder setze mich zu Hause auf das Rudergerät. Wenn dann noch Zeit bleibt, treffe ich mich mit Freundinnen.“

Genau diese Hingabe schätzt Oliver Mutert an seinem Schützling: „Nike ist unheimlich fleißig. Teilweise muss man sie bremsen und erklären, dass auch Erholungsphasen zum Trainingsprogramm gehören. Toll ist, dass sie sich auch von kleineren Rückschlägen, die einfach zu einer Entwicklung dazu gehören, nicht von ihrem Weg abbringen lässt.“ Exemplarisch für seine Aussage nennt Mutert die Zeit vor der Corona-Pause: „Da hatte Nike eine kleine Leistungsdelle. Die Ergebnisse blieben aus und auch im Training fehlte ihr die Sicherheit. Da haben wir in den Einheiten eigentlich mehr geredet, analysiert und Aufbauarbeit geleistet, als Tennis zu spielen. Nike ist ein Kopfmensch und macht sich viele Gedanken. Ihr hat die Corona-Pause im Prinzip gutgetan. Danach ging es wieder steil bergauf“, lobt Mutert den Einsatz.

Die rund sechswöchige Tennis-Zwangspause während des Lockdowns war für Nike Tümmers „irgendwie auch eine angenehme Zeit. Ich habe trotzdem immer Sport betrieben, war joggen, rudern oder habe das Fitnessprogramm unserer Regionstrainer durchgezogen. Häufig hat es mich auch an die Ballwand beim TC Verden gezogen. Als das Training Anfang Mai dann wieder erlaubt war, haben wir schnell viele Tenniseinheiten nachgeholt. Da ich ja noch nicht wieder zur Schule musste, konnte ich teilweise sogar vor- und nachmittags auf den Platz.“

Mittlerweile läuft im Tennissport wieder vieles fast normal, sodass Nike Tümmers ihren Fahrplan für das Jahr 2020 klar benennen kann. „Ich möchte mich über weitere Turniere unbedingt in den Top 500 der Damenrangliste halten. Im Jugendbereich möchte ich gerne wieder an den deutschen Meisterschaften teilnehmen, die Anfang September in Ludwigshafen stattfinden. Gerne darf es dann über die erste Runde hinaus gehen“, sagt sie schmunzelnd. Angesprochen auf ihre langfristigeren Ziele gibt sich Nike Tümmers für eine 14-jährige bereits sehr reflektiert und bescheiden: „Ich mache mir da ehrlich gesagt keinen großen Kopf. Natürlich möchte ich mich weiter verbessern, aber ich schätze alles sehr realistisch ein und setze mir kleine, kurzfristige Ziele. Jetzt schon zu sagen, dass ich unbedingt Profi werden möchte, erscheint mir etwas zu früh.“

Deutlich konkreter wird da schon ihr Trainer, der natürlich aus seiner langjährigen Erfahrung schöpft und Vergleiche ziehen kann: „Viele Mädchen in Nikes Alter haben eine steile Entwicklung und hören dann irgendwann auf. Nike entwickelt sich beständig, immer auch mal mit kleineren Rückschlägen, die auch wichtig sind. Sie ist gleichmäßig sehr stabil auf Vor- und Rückhand. Probleme hat sie manchmal nur zu Beginn eines Matches, da sie noch mit ihrer Nervosität kämpft. Aber auch das kann man lernen. Sie ist jetzt die deutsche Nummer 17 in ihrer Altersklasse, die 500 bei den Damen. Warum sollte ihr es nicht irgendwann gelingen, die Top 20 bei den deutschen Damen zu erreichen? Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Nike gesund bleibt und sich ihre große Lust auf Tennis erhält.“

Unterstützung für seine Prognose erhält Oliver Mutert höchst aktuell: Im Hauptfeld der 2. Westercelle Open setzte Nike Tümmers im Hauptfeld der Damen schon in der zweiten Runde ein kleines Ausrufezeichen, als sie die aktuelle Nummer 391 der Damenrangliste klar mit 6:3 und 6:2 bezwang. Zwar folgte im Achtelfinale gegen die favorisierte Tiziana-Marie Schomburg (Nummer 108) nicht unerwartet das Aus, aber mit ihrer Leistung im Turnier kann Nike Tümmers zufrieden sein und nahm weitere Erfahrungen mit auf ihrem Entwicklungsweg nach oben.

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