Bestseller-Autorin Totes Genre? Von wegen!

Für Autorin Petra Mattfeldt läuft es bestens: Vor allem mit ihren historischen Romanen ist sie sehr erfolgreich. Nun ist die Langwedelerin zudem unter die Verleger gegangen.
29.05.2018, 17:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Totes Genre? Von wegen!
Von Marius Merle

Langwedel. Langeweile, das ist für die Autorin Petra Mattfeldt wahrlich ein Fremdwort. "Ich schreibe gerne, ich schreibe schnell und ich habe dennoch mehr Ideen, als ich umsetzen kann", macht die Langwedelerin deutlich, dass sie stets gut ausgelastet ist. Momentan erscheinen aus ihrer Feder jährlich rund fünf Bücher – jedoch unter drei verschiedenen Namen. Denn die 46-Jährige schreibt auch unter den Pseudonymen Caren Benedikt und Ellin Carsta – was die Verkaufszahlen angeht, sogar erfolgreicher als unter dem eigenen Namen. Zahlreiche ihrer Werke sind inzwischen Bestseller und das nicht nur in Deutschland.

Der große Durchbruch war ihr 2013 mit dem im Großverlag Droemer Knaur erschienenen historischen Roman "Die Duftnäherin" gelungen, der gleichzeitig der erste gewesen ist, den sie unter dem Autorennamen Caren Benedikt veröffentlicht hatte. Rund zwei Jahre später erschien das erste Buch unter dem Namen Ellin Carsta. Hatte sie das erste Alter Ego noch für ein Art Abgrenzung erschaffen, da sie mit den historischen Romanen eine neue Richtung für sich entdeckt hatte, war die Ursache dieses Mal anderer Natur gewesen. Denn auch unter Ellin Carsta schreibt Mattfeldt historische Romane, jedoch für einen anderen Verlag.

2015 war Amazon mit einem Angebot zur Zusammenarbeit an sie herangetreten. "Es wäre respektlos gegenüber dem Verlag Droemer Knaur gewesen, wenn ich dort unter dem gleichen Namen veröffentlicht hätte", erklärt die 46-Jährige, wieso sie sich gezielt ein weiteres Pseudonym zugelegt hatte. "Es lief davor schon wirklich gut, aber dann kam der richtige Hype", erinnert sich die Autorin zurück. Denn das erste Werk unter neuem Namen, "Die heimliche Heilerin", verkaufte sich sensationell gut. Nach drei Monaten waren die ersten 100 000 Exemplare über die Ladentheke gegangen. Die Geschichte, die im Mittelalter spielt, sollte auch Mattfeldts erster Bestseller werden. Einen Status, den laut der Autorin bisher jedes Buch unter dem Namen Ellin Carsta erreichen sollte. Von "Die heimliche Heilerin" sind inzwischen bereits drei weitere Teile erschienen.

Eine Reihe, die auch jenseits des Atlantiks allem Anschein nach sehr gerne gelesen wird. Denn auf dem amerikanischen Markt finden die Bücher – natürlich ins Englische übersetzt – ebenso reißenden Absatz. "Auch dort sind es nun schon zwei Bestseller", erzählt Petra Mattfeldt. Der erste Teil sei inzwischen auch in der englischen Ausgabe weit mehr als 250 000 Mal verkauft worden. Die Millionen-Marke an verkauften Büchern hat die Langwedelerin insgesamt längst geknackt, vor allem aufgrund der historischen Romane.

"Es hieß schon vor Jahren, dieses Genre ist tot", berichtet Mattfeldt und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. Denn schließlich verkaufen sich ihre historischen Romane bestens und um ein Vielfaches mehr als die Krimis, Thriller und Fantasy-Geschichten, die sie unter ihrem bürgerlichen Namen veröffentlicht hat. Ob sie es schade findet, dass die Bücher, auf denen gar nicht ihr richtiger Name steht, deutlich erfolgreicher sind? "Nein, das ärgert mich überhaupt nicht", betont sie. Bei den "Mattfeldt"-Werken handele es sich dafür mehr um "Leidenschaftsprojekte" – eins dieser Bücher hat sie etwa auch gemeinsam mit einem ihrer Söhne geschrieben.

Mattfeldt selbst legt beim Schreiben ein ordentliches Tempo an den Start. "Die reine Schreibzeit für ein Buch beträgt keinen Monat. Wenn ich mich dransetze, machen das die Finger quasi von selbst", erzählt die 46-Jährige, die dann vor allem auch gerne nachts die Tasten glühen lässt. Deutlich längere dauere immer die Recherche im Vorfeld. Schließlich müssten alle noch so kleinen Details bei den historisch geprägten Abhandlungen stimmen. Dabei gehe nichts über historische Bücher oder Gespräche mit Experten. Früher habe sie noch an mehreren Werken gleichzeitig gearbeitet, doch inzwischen balle sie alle Konzentration lieber nur noch auf eine Handlung. "Ich weiß vor dem Schreibbeginn den Anfang und das Ende, was dazwischen passiert, ist auch für mich eine Überraschung", berichtet Mattfeldt von ihrer Arbeitsweise. Also sei die Entwicklung der Handlung und der Figuren auch für sie selbst noch spannend.

Ohnehin ist ihrer Ansicht nach wichtig, dass die Figuren die Geschichte erzählen. "Viele junge Autoren machen den Fehler, dass sie sich selbst in der Geschichte wiedersehen wollen", befindet Mattfeldt und weiß durchaus, wovon sie spricht. Denn seit dem vergangenen Jahre leitet sie zusammen mit Burkhard P. Bierschenck den Bookspot-Verlag. "Ich habe ihn schon länger unterstützt und im September 2017 haben wir die Zusammenarbeit dann auch offiziell in trockene Tücher gebracht", erzählt die Langwedelerin.

Der Plan sei es, dass sie den aktuell kleinen bis mittelgroßen Verlag irgendwann komplett übernimmt. Etwa 15 neue Bücher bringe der Verlag derzeit im Jahr heraus – Manuskripte von Autoren bekomme man aber deutlich mehr. "Am Tag sind es zehn bis 15", berichtet Mattfeldt und fügt an, dass sie in jedes zumindest reinlese. Natürlich sei das viel Arbeit, "aber ich habe große Lust, dem Nachwuchs in die Erfolgsspur zu verhelfen".

Mattfeldt selbst wird in diesem Jahr aller Voraussicht nach noch zwei weitere Bücher veröffentlichen. Für 2019 ist dann auch der fünfte Teil der "Heimlichen Heilerin" geplant. Und dann gibt es da noch ein Werk, dessen Handlung in Berlin und auf Rügen im Jahr 1924 spielen soll, welches ebenfalls im kommenden Jahr auf den Markt kommen wird – wiederum bei einem neuen Verlag. Deswegen könne es auch durchaus sein, dass sich die Langwedelerin dafür sogar noch ein drittes Pseudonym zulegen wird. "Das kann ich aber noch nicht sagen." Was Petra Mattfeldt aber sagen kann, ist, dass sie für diese noch gar nicht veröffentlichte Geschichte bereits die Filmrechte vergeben hat. "Eine Verfilmung meines Buches ist also in Planung", blickt sie voraus. Und das wäre dann sogar für die erfolgreiche Autorin noch eine Premiere.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+