Geschäftsbericht über Radio Suchanek in Achim Traditionsgeschäft im Wandel

Seit über 60 Jahren gibt es das Fachgeschäft für Funk- und Fernsehtechnik in Achim. Inhaber Robert Suchanek setzt seinen Fokus heute auf Reparaturen, um sich gegen den Internethandel zu behaupten.
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Von Gisela Enders

Nur vom Handel könne er schon lange nicht mehr leben, bedauert Robert Suchanek. „Damit stehe ich nicht allein in der Branche“, erklärt der 58-Jährige und verweist auf den Berufsstand des Radio- und Fernsehtechnikers, in dem mittlerweile nicht mehr ausgebildet werde. Das Internet, die Einkaufszentren in der näheren Umgebung und das oft mangelnde Bewusstsein der Kunden für Qualität und Nachhaltigkeit hätten dazu geführt, dass kleinere Läden heutzutage kaum noch überlebensfähig seien. Schade, aber nicht zu ändern, habe er sich gesagt, die Ärmel hochgekrempelt und seinen Fokus auf Reparaturen und Installationen gelegt.

Das immer noch existierende Fachgeschäft für Funk- und Fernsehtechnik hatte Josef Suchanek, der Vater des heutigen Inhabers, 1955 gegründet. In den Kriegswirren sei dieser, schwer verwundet, wieder an den Ort seiner Jugend zurückgekehrt, informiert der älteste Sohn. Zunächst mit einem Berufsverbot belegt, sei er bei den Eltern untergeschlüpft, habe auf Festen Musik gemacht und nebenbei seinem Vater auf die Finger geschaut, der ihn als Elektro-Ingenieur an seinem Wissen und an seiner Leidenschaft für die Radio-Bastelei teilhaben ließ. Später gelang dem Autodidakten Josef Suchanek schließlich der Sprung in die Selbstständigkeit.

Auskömmliches Geschäft

Coole Kofferradios zum Beispiel des Bremer Herstellers Nordmende und die ersten Fernseher Mitte bis Ende der Fünfzigerjahre sorgten an der Verdener Straße lange Zeit für ein auskömmliches Geschäft „Nachdem meine Mutter, das muss 1961 gewesen sein, mit ihrer zugewandten Art die Bereiche Verkauf und Kundenbetreuung für sich in Anspruch genommen hatte, lief alles wie am Schnürchen“, beschreibt Sohn Robert die Zeit des Aufschwungs. Der Vater habe sich auf den technischen Part verlegt, die Großmutter die Betreuung der inzwischen zwei Kinder übernommen.

Der relativ frühe Tod des Vaters habe seine Mutter nicht davon abgehalten, aktiv am Fortbestand der kleinen Firma teilzuhaben, erinnert sich Robert Suchanek. Im sich schon damals abzeichnenden Wandel habe sie sich bis 2006 unermüdlich in Vertrieb und Buchhaltung engagiert und ihm, dessen Ausbildung zum Fachmann schon lange zurücklag, die stetige Weiterbildung ermöglicht. Erst nach ihrem Rückzug in den Ruhestand im Alter von 66 Jahren sei er dann ganz auf sich allein gestellt gewesen, habe es nach dem Weggang des einen oder anderen Mitarbeiters zeitweilig genossen, für sich allein entscheiden zu können, andererseits aber auch die negativen Folgen des Alleinseins gespürt.

Reparaturen als Lösung

„Schon lange Zeit tut sich bei den Kleineren, was den Verkauf angeht, nicht mehr viel“, sieht Robert Suchanek ein Sterben der Fachhändler voraus. Zum Glück habe er eine Lösung gefunden, die ihm und seiner Familie das Überleben sichere. Während er an den Vormittagen Kundenaufträge vor Ort erledige, halte er am Nachmittag seinen Laden geöffnet. Gelegentlich besinne sich mal jemand auf den guten Ruf des Hauses, kaufe oder bestelle etwas, im Großen und Ganzen arbeite er aber auch dort Reparaturen ab, die zum Glück wieder häufiger nachgefragt würden. Ein wenig Nostalgie mache sich breit, ist sich der Vater eines Sohnes sicher, Plattenspieler und Co. würden immer öfter vom Dachboden geholt und ihm zum Überholen gebracht.

Der bei einigen wieder erwachte Hang zum Bewährten täusche jedoch leider auch nicht darüber hinweg, dass die meisten Menschen heutzutage nur noch selten bereit seien, in Qualität zu investieren. „So manches Fernsehgerät ist bereits vom Hersteller darauf ausgelegt, die Garantiefrist nur knapp zu überleben“, bedauert der Fachmann. So lande das eine oder andere Teil – von der Industrie gewollt und vom Kunden akzeptiert – häufig bereits nach viel zu kurzer Zeit schon auf dem Müll.

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