Ausstieg aus Altersgründen

Traditionsgeschäft „Mode Ewert“ vor dem Aus

Nach 40 Jahren, in denen Sigi und Manfred Ewert in ihrem Geschäft „Mode Ewert“ in der Achimer Fußgängerzone Damenmode verkauft haben, soll nun Schluss sein. Das Inhaberpaar zieht sich aus Altersgründen zurück.
15.01.2020, 20:30
Lesedauer: 3 Min
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Traditionsgeschäft „Mode Ewert“ vor dem Aus
Von Kai Purschke
Traditionsgeschäft „Mode Ewert“ vor dem Aus

Siggi Ewert (links) und Inge Carstens haben den Räumungsverkauf im Traditionsgeschäft Mode Ewert eingeläutet.

Björn Hake

Schließt nach Schreibwaren Schröder und dem Tee-Haus Hashagen schon Ende Februar mit „Mode Ewert“ das nächste Traditionsgeschäft in der Achimer Fußgängerzone für immer? Bisher sieht es so aus, denn, dass für das Inhaberehepaar Sigi und Manfred Ewert aus Altersgründen Schluss ist, steht fest. Der Räumungsverkauf ist bereits eingeläutet.

Und doch hat zumindest Sigi Ewert noch einen Funken Hoffnung, dass das Damenmodegeschäft unter neuer Führung auch weiterhin Bestand haben könnte. „Jemand aus der Branche möchte sich das überlegen“, erzählt sie und sie würde je nach Kurzfristigkeit natürlich auch für einen nahtlosen Übergang sorgen und dabei mit anpacken.

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„Es wäre jedenfalls sehr schön für unsere zahlreichen Stammkunden, wenn es weitergehen würde“, findet sie. Denn da im kleinen Modegeschäft, das nun nach genau 40 Jahren unter der Führung der Ewerts schließt, alles sehr übers Persönliche läuft, hätten auch die drei Mitarbeiterinnen Inge Carstens, Elke Wassersleben und Monika Schreyer eventuell die Chance, über den Februar hinaus an der Obernstraße 57 für die Kunden da sein zu können.

„Das wäre für neue Pächter natürlich von Vorteil“, überlegt Sigi Ewert laut. Sie und ihr Mann, der sich in erster Linie um die Verwaltung und das Büro des Geschäfts gekümmert hat, während sie mit Inge Carstens den Einkauf bewerkstelligt hat, hätten jedenfalls das „Rentenalter schon lange hinter sich gelassen“. Und daher sei es an der Zeit aufzuhören. „Andere in unserem Alter arbeiten schon seit 20 Jahren nicht mehr“, betont Sigi Ewert, die eigentlich Sieghilde heißt. „Aber alle kennen mich als Sigi.“

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Dank an die treuen Kunden

Sie ist ihren Kunden sehr dankbar für deren Treue und geht fest davon aus, dass sich bis zu ihrem Ausstieg noch so einige bei ihr im Laden verabschieden werden. „Die haben ihr Kommen schon angekündigt“, erzählt sie. Und auch jetzt schon sei ordentlich was los bei Mode Ewert. So sehr, dass die Chefin auch an diesem Mittwoch wegen des Wochenmarktes mithilft – und so zu unverhofften Bekanntschaften kommt.

„Ich bin ganz oft mittwochs hier, immer wenn ich nebenan zur Bank muss, komme ich gucken, aber ich habe Sie bisher noch nicht kennengelernt“, sagt eine verzückte Kundin, für die Sigi Ewert gerne noch schnell Makeup-Rückstände von einem Oberteil entfernt, das die Kundin sehr gerne kaufen würde. „Das ist einer anderen Dame wohl vorher beim Anprobieren passiert“, mutmaßt die Chefin und erledigt den kleinen Reinigungsservice im Handumdrehen.

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Solche Leistungen im Einzelhandel sind aus ihrer Sicht das A und O und die Mode-Ewert-Kunden, die Jüngsten sind laut Sigi Ewert mittleren Alters, wüssten dies zu schätzen. „Sie wollen fachmännisch beraten werden, wollen Teile zum Anprobieren mit nach Hause nehmen dürfen oder möchten Kleidung geändert haben.“ Das sei im Internet oder bei Modeketten in Einkaufszentren so nicht zu bekommen und daher glaubt Sigi Ewert auch fest an eine Zukunft des Geschäfts, sollte es mit diesem Konzept doch weitergehen.

Dabei gab es an dem Standort nicht immer Textilmode zu kaufen, denn vor 50 Jahren begannen die Ewerts dort mit Lederbekleidung. „Der Umstieg auf Textil war ein Sprung ins kalte Wasser, aber wir hatten ja Vorerfahrungen mit dem Leder“, blickt Sigi Ewert zurück, die eigentlich eine mit Staatsexamen ausgebildete Erzieherin ist, wie sie erzählt.

Trauriger Blick auf die Achimer Geschäftswelt

Wie es für sie und ihren Mann Ende Februar sein wird, wenn sie den Laden hinter sich gelassen haben, weiß die Noch-Geschäftsfrau nicht. „Ich kann dann andere Dinge machen, auf die ich bisher immer verzichten musste“, überlegt sie. Außerdem gelte es weiterhin, ein Haus und einen großen Garten zu pflegen und den Körper beim Golf sowie den Kopf beim Bridge fit zu halten.

Mit einem traurigen Auge blickt Sigi Ewert allerdings auf die Entwicklung der Achimer Geschäftswelt, aus der sich auch immer mehr inhabergeführte Geschäfte verabschieden – aber sie weiß, dass sich die Zeiten ändern. So wie damals vor ihrer Ladentür noch Autos vorbeifuhren oder das „Modestübchen Ewert“ bereits vor vielen Jahren aus Gründen der Modernität das „Stübchen“ aus dem Geschäftsnamen getilgt hat.

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