Achimer IGS

Traummensa statt „Albtraum“

In der Mensa der ohnehin zu kleinen IGS Achim wollen gerade mal zwei Drittel der Schüler ihre Mittagsmahlzeit einnehmen. Und diese Tendenz ist fallend, worauf jetzt bei einem Thementag hingewiesen wurde.
13.09.2019, 18:17
Lesedauer: 3 Min
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Traummensa statt „Albtraum“
Von Kai Purschke
Traummensa statt „Albtraum“

Die Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) haben ein Modell entworfen, das ihre Traummensa zeigt. Auch diese konnten sich die Besucher an den Ständen anschauen.

Sebi Berens

Vorsichtig, ganz bedächtig, nähert sich der Sechstklässler Mehmet Tepe den Erwachsenen. „Möchten Sie vielleicht ein Rezept?“, fragt der IGS-Schüler und streckt ihnen einen kleinen Zettel entgegen. Dieser zeigt einen gemalten Eistee und auf der Rückseite findet sich das passende Rezept dazu. „Wir haben versucht, nichts Ungesundes da mit rein zu nehmen“, erklärt der kleine Mann und zieht von dannen. Wie seine Mitschüler hat er sich Gedanken über gesunde Ernährung gemacht und was die Schüler bereits vor den Sommerferien alles erarbeitet haben, präsentierten sie nun am Freitag vor der IGS bei strahlendem Sonnenschein ihren Mitschülern, Eltern, Politikern und anderen Gästen. Der Achimer Verein „Besser Essen“ hatte die Schüler ebenso unterstützt, wie das Naturkost-Kontor Bremen oder die Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Niedersachsen, von denen jeweils Vertreter vor Ort waren.

Viel wichtiger aber war, und das betonte der Besser-Essen-Vorsitzende Paul Brandt in seiner Begrüßungsrede, dass auch einige Ratsleute und Vertreter des Schulträgers Stadt Achim der Einladung gefolgt waren. Denn die Integrierte Gesamtschule wünscht sich offenbar nichts sehnlicher als eine neue Mensa und die Kosten dafür müssten von der Politik in den Haushalt eingestellt werden. Wie Schulleiterin Kerstin Albes-Bielenberg erzählte, platze die jetzige Mensa nicht nur aus allen Nähten – es musste bereits ein weiterer Raum hinzugenommen werden –, sie sei auch weder zweckmäßig noch schön. Und: Von den 370 Schülern essen mittlerweile nur noch 270 in der IGS-Mensa, Tendenz fallend, da auch das Essen qualitativ vielen nicht gut genug sei.

Film zeigt Situation

Daher wurde den Besuchern nun nicht nur ein Film gezeigt, der die tagtägliche Situation in der Mensa ungeschönt darstellte, sondern Sechstklässler haben sich auch mit ihrer Wunschmensa beschäftigt und davon ein Modell gebastelt, das gleich am ersten Infostand die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich zog. „Davon war ich schwer begeistert, als ich es zum ersten Mal gesehen habe“, schwärmte Vereinsvorsitzender Brandt, der sich insgesamt bei allen Schülern und Lehrern, die das Thema „Gesunde Ernährung“ so engagiert angegangen sind, bedankte. „Eine tolle Leistung, Hut ab“, lobte Brandt, der es wichtig findet, dass das Thema Essen offensichtlich niemanden an der IGS Achim kalt gelassen hatte.

Diesen Eindruck bestätigten die Ideen und Angebote, die sich Schüler und Lehrer überlegt hatten. Da gab es Pesto zum Probieren, einen kleinen Kräutergarten, Eistee, Smoothies und ein Koch zauberte zudem Speisen. Gemüse und Obst dominierten und wer darüber hinaus Lust hatte, fernab des Themas Ernährung aktiv zu werden, konnte am Stand des Vereins SoFa Schallplatten besprühen.

Für Kerstin Albes-Bielenberg, das sagte sie auch den anwesenden Eltern und Kindern im Forum der Schule so, gehe es beim Essen nicht nur ums bloße Aufnehmen von Nahrung. Denn das gemeinsame Mittagessen im Klassenverband biete auch die Gelegenheit zum Gespräch und zur sozialen Verantwortung. Daher müsse eine Schule mit einer Mensa dies bestmöglich leisten. Paul Brandt wusste mit Blick auf die „Albtraum-Mensa der IGS“ zu berichten, dass an anderen Schulen die Akzeptanz einer Mensa ungleich höher ist. „Da essen bis zu 93 Prozent der Schüler vor Ort“, erzählte er, der als SPD-Ratsherr aber auch sehr gut über die finanzielle Lage der Stadt Bescheid weiß.

Neue Mensa ist Thema im Schulausschuss

Dennoch will der immer noch junge Verein seinen Teil dazu beitragen, das Thema Mensaneubau aktuell zu halten, zumal „immer mehr Kinder in unserer Stadt ihre Mittagsmahlzeit nicht mehr zu Hause einnehmen“, wie Brandt weiß. Daher sei es nicht nur eine Frage der Gesundheit der Kinder, sondern auch eine der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die durch eine Verpflegung in der Schule gefördert werde. Und es passt, dass die „bauliche Umsetzung einer Mensa“ für die IGS Thema im nächsten Schulausschuss am 23. September ist.

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