Senioren als Opfer von Kriminellen Trickbetrüger nutzen Gutmütigkeit aus

Oyten. Wenn Polizeihauptkommissar Jürgen Moje vom 'Goldenen Herbst' spricht, dann meint er Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind. Senioren, so erklärt er, werden nicht aufgrund ihres Alters zu Opfern von Kriminalität, sondern weil sie zuhause leichter zu erreichen sind.
14.05.2010, 10:15
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Von Anne-Christin Klare

Oyten. Wenn Polizeihauptkommissar Jürgen Moje vom 'Goldenen Herbst' spricht, dann meint er Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind. Senioren, so erklärt er, werden nicht aufgrund ihres Alters zu Opfern von Kriminalität, sondern weil sie zuhause leichter zu erreichen sind. Wie ältere Menschen sich vor Dieben und Betrügern schützen können, erklärte er am Mittwoch im Hubertus Hof in Oyten.

'Senioren sind keine typischen Opfer von Straftaten', sagt Jürgen Moje. 'Nur etwa sechs Prozent aller Opfer sind über 60 Jahre alt.' Das liege daran, dass ältere Menschen aufgrund ihrer Lebenserfahrung deutlich vorsichtiger seien. Und dennoch: Immer wieder fallen Senioren auf Trickbetrüger und Handtaschendiebe herein. 'Davor kann man sich schützen, wenn man weiß, wie Täter vorgehen', ist Moje überzeugt. Die bekannteste Masche von Betrügern ist der Enkeltrick. Obwohl immer wieder vor ihm gewarnt wird, gibt es zahlreiche Menschen, die Opfer dieses Betrugs werden. 'Beim Enkeltrick verlieren Senioren meist hohe Summen Geld', weiß Moje. Zudem sehen sich die Betroffenen häufig auch den Vorwürfen und dem Unverständnis ihrer Verwandten ausgesetzt.

Täter nutzen Gutmütigkeit aus

Der Täter setzt sich vor der Tat telefonisch mit dem Opfer in Verbindung. 'Meist handelt es sich bei den Opfern um alleinstehende Frauen, die vorher gezielt ausgesucht werden', sagt der Polizeihauptkommissar. Der Täter gibt sich mit den Worten 'Rate mal, wer hier spricht', oder anderen Formulierungen als Enkel aus und gibt an, dringend eine höhere Summe Geld zu brauchen. Sobald das Opfer zustimmt, wird der Täter einen 'Freund' vorbeischicken, der das Geld für ihn abholen soll. Nach Angaben der Polizei wurden in der Vergangenheit mit diesem Trick schon über 20000 Euro erbeutet. Moje rät dazu, resolut zu sein, aufzulegen, nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen bei Familienangehörigen Rücksprache zu halten und die Polizei zu verständigen.

'Täter nutzen häufig die Gutmütigkeit älterer Menschen aus', sagt Moje. Auch beim Glas-Wasser-Trick setzen sie auf das Mitgefühl der Senioren: Eine augenscheinlich hochschwangere Frau klingelt an der Tür und bittet um ein Glas Wasser, da sie sich nicht wohl fühle. Während das Opfer in die Küche geht, schickt die Frau einenKomplizen in die Wohnung, der diese systematisch nach Geld und Schmuck durchsucht.

Auch hier rät Moje dazu, der Frau nicht zu helfen, schließlich könne sie auch an einer Tankstelle, Bank oder an einem Kiosk um Hilfe bitten. Wer trotzdem helfen will, der sollte die Haustür schließen, während er das Wasser aus der Küche holt. Generell rät Moje dazu, sich bei allen Amtspersonen, den Dienstausweis zeigen zu lassen und bei Zweifeln über dessen Richtigkeit gegebenenfalls bei der Firma anzurufen.

Ältere Menschen werden häufig auch Opfer von Handtaschendieben. Täter versuchen Senioren durch Sprüche oder Anrempeln abzulenken. 'Ich bin ein Handtaschenhasser', sagt Moje. Häufig reiche es doch aus, nur das Portemonnaie mitzunehmen. 'Die Damenmode von heute hat doch auch viele Innentaschen', sagt er. Denn auch bei den Taschendieben gilt wie bei vielen Straftaten: Gelegenheit macht Diebe. Generell rät der Polizeihauptkommissar dazu, die Handtasche im Notfall loszulassen, und sie nicht mit vollem Körpereinsatz zu verteidigen. 'Die Gesundheit ist doch wichtiger, als der Verlust der Tasche.' Im Notfall sollte man, Mitmenschen ansprechen und sie um Mithilfe bitten. Es sei zudem wichtig, sich Tätermerkmale einzuprägen. Nach dem Anruf bei der Polizei, sollten schnell alle Kreditkarten unter der Telefonnummer 116 116 gesperrt werden.

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