Günter Treichel Türöffner für die Hünenburg

Er wollte stets, dass sich das Haus Hünenburg für die Achimer Bevölkerung öffnet und hat dieses Ziel als Vorsitzender des Vereins erreicht. Nun hat Günter Treichel seinen Posten weitergegeben.
07.03.2018, 18:02
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Türöffner für die Hünenburg
Von Kai Purschke

Ein Zeitungsartikel reicht nicht. Menschen, die in ihrer Kindheit Unvergessenes erlebt haben, eine steile Berufskarriere hingelegt haben, viel in der Welt herum gekommen sind und sich seit vielen Jahren ehrenamtlich engagieren, haben sehr viel Interessantes zu erzählen. Günter Treichel bildet da keine Ausnahme. "Ich habe da noch eine Story", sagt er immer wieder und beginnt zu erzählen. Gerne, ausschweifend und jederzeit unterhaltsam. Kein Wunder, der Mann wird im Mai 75 Jahre alt und weiß längst um die Wirkung seiner "Stories". Die kommen nicht überall gut an, ebenso wie seine Ansichten – auch das weiß Treichel genau. Aber es stört ihn nicht im Geringsten. "Ich war schon immer frech", sagt der Achimer, der seit Dienstagabend kein Vorsitzender des Vereins Haus Hünenburg mehr ist.

Er piekst, polarisiert und provoziert gerne und hat es auf diese Weise auch schon geschafft, dass Gäste des alljährlichen Frühjahrsempfangs die Hünenburg zornentbrannt vorzeitig verlassen haben. Aber Treichel ist mit sich im Reinen. "Ich weiß, dass ich dem einen oder anderen mit meinen Sprüchen auf die Füße getreten habe, aber ich habe immer versucht, einen Funken Wahrheit einzuflechten", hatte er daher am Dienstagabend auf der Jahreshauptversammlung vor rund 40 Mitgliedern gesagt. Da stand längst fest, dass er und sein Vorstandskollege Adolf Brockmann dem neuen Vorstand nicht mehr angehören werden.

Persönliche Ziele erreicht

Treichel hat, wie er so ist, seinen Ausstieg von langer Hand vorbereitet. Aber es wurde auch Zeit zu gehen, denn er hat eigene Ziele verfolgt. "Bis 75 wollte ich raus sein und bis dahin eine Mannschaft aufgebaut haben, außerdem wollte ich, dass der Verein bis dahin schuldenfrei ist", erzählt er. Beides hat er geschafft, insgesamt 120 000 Euro Schulden wurden in den vergangenen 16 Jahren abgebaut, Treichel war seit 2002 Vorsitzender des Vereins. Dass sich die Regeln im Haus Hünenburg gelockert haben, dass es sich von einem Casino für ehemalige Offiziere hin zu einem traumhaft schönen Ort für Hochzeiten, Feiern und Tagungen entwickelt und sich für die breite Achimer Bevölkerung geöffnet hat – das hatte sich Türöffner Treichel auf die Fahnen geschrieben und erreicht. "Wir sind lockerer geworden." Und nur so konnten letztlich die notwendigen Einnahmen erzielt werden.

Auch weil Verein und Haus einen guten Namen haben, allein die Liste der sehr prominenten Fest- und Gastredner, die in der Hünenburg waren, zeugt davon. "Das haben insbesondere unsere Sponsoren wie die Kreissparkasse und Bremische Volksbank möglich gemacht, aber auch unsere umfangreichen Kontakte", erzählt Treichel. Insbesondere er kennt viele Menschen, viele Menschen kennen ihn. "Das ist für mich das Schönste, Menschen zu erleben oder mit ihnen zu arbeiten." Das war so beim TSV Bierden, wo er Karnevalspräsident war, während der zehn Jahre im Vorstand des Achimer Golfclubs oder in seine Berufszeit bei Vitakraft, wo er bis zum Ausstieg mit 57 Jahren zwölf Jahre lang Geschäftsführer mit Konzernverantwortung war.

"Ich habe eine kleine Tellerwäsche-Karriere hinter mir" sagt Treichel und schiebt die dazugehörige Story hinterher. Irgendwann hatte er genug vom Berufsstress – und Angst, wegen des Jobs umzukippen. Gesundheitliche Probleme traten auf, denn fast hätte er seine Stimme verloren. "Durch die Brüllerei beim Karneval habe ich sie mir versaut, dann wurde bei der OP ein Stimmband beschädigt", schildert er. Da "Geist, Körper und Finanzen" gestimmt hätten, stieg er im Jahr 2000 aus, nur um sich ab 2002 als Rentner der Hünenburg zu widmen. Seit 1957 lebt Treichel in Achim, mit seiner Familie war er 1945 über die Weichsel nach Deutschland geflohen. Sein Vater war nicht dabei, den lernte er erst mit fünf Jahren kennen. "Uns wurde damals in Deutschland wie den Flüchtlingen heute mit Abneigung begegnet", erinnert er sich. Und erzählt, wie sein Bruder und er "bei den Russen" clever "ein paar Piepen verdient haben". Aber das ist eine andere Treichel-Story... .

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