Volleyball 2. Bundesliga TV Baden: Die Gier siegt

Der TV Baden beschert seinem Publikum am Doppel-Heimspieltag zwei 3:1-Siege gegen den VC Bitterfeld-Wolfen sowie den VCO Berlin und springt damit auf Rang fünf der Tabelle.
19.01.2020, 20:45
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TV Baden: Die Gier siegt
Von Patrick Hilmes

Körpersprache ist doch eine schöne Sprache. Sie ist in den meisten Fällen leicht zu deuten und von jedem zu verstehen. An ihr kann man Ereignisse bestens ableiten. Das gilt auch für die von Werner Kernebeck, dem Coach des Volleyball-Zweitligisten TV Baden. Nervöses Kratzen mit der Handfläche am Bart, stoisches Verschränken der Hände hinter dem Rücken, zähneknirschendes Raufen der Haare – das alles waren Indizien für einen negativen Verlauf. Doch anhand dieser Körpersprache waren die Spielverläufe beim Doppel-Heimspieltag der Badener gegen den VC Bitterfeld-Wolfen und den VCO Berlin nicht gänzlich abzuleiten, das galt für lediglich einen Satz pro Spiel. In sechs Sätzen überwogen hingegen beim TVB-Trainer Bewegungen wie das anerkennende Nicken, das Pumpen mit der Faust, oder das Hochreißen der Arme. Der Grund: Der TV Baden gewann sowohl gegen Bitterfeld-Wolfen (25:21, 25:20, 22:25, 25:21) als auch gegen die Berliner (23:25, 27:25, 25:22, 25:22) mit 3:1.

In Spiel eins traf die Kernebeck-Truppe auf den VC Bitterfeld-Wolfen und im Anschluss war der Coach zu 75 Prozent zufrieden, aber eben nicht zu 100 Prozent. „Das ärgert mich, denn ein 3:0 wäre möglich gewesen. Der Satzverlust war unnötig“, haderte er. Zum kleinen Makel kam es, weil die Badener nicht exakt das umgesetzt hatten, was sie umsetzen sollten. „Wir spielen zwei klasse Sätze, dann kommt zehn Minuten Pause und wir verändern nichts. Aber es passiert das, was so oft in solchen Situationen passiert: Wir sind die ein oder andere Aktion nicht mehr mit der nötigen Energie angegangen“, schilderte Werner Kernebeck. Das Resultat war der kleine Schönheitsfleck in der Statistik.

Mehr aber auch nicht. Ansonsten sah Badens Trainer seine Spieler seine Vorstellungen umsetzen. Im Vorfeld hatte Kernebeck noch betont, dass Bitterfeld-Wolfen Probleme habe, eine eingespielte Formation auf das Feld zu schicken und dass insbesondere der Diagonal- sowie Mittelangreifer zu beachten seien. Seine Mannen nahmen sich diese Worte zu Herzen, hielten die gefährlichen Akteure in Schach und erspielten sich in souveräner Art und Weise die Sätze eins und zwei. „Das war genau der Volleyball, den ich mir vorstelle.“

Und der wurde auch in Satz vier wieder gespielt. „Gleich vom ersten Punkt an waren wir wieder da.“ Entsprechend sei dem Trainer auch zu keinem Zeitpunkt der Gedanke in den Kopf gekommen, Bitterfeld-Wolfen könne die Partie noch drehen. „Der dritte Satz war der passende Weckruf. Meine Spieler haben erkannt, dass sie so nicht weitermachen können. Sie waren sofort wieder im Flow. Und wenn eine Mannschaft im Flow ist, dann ist es auch nicht schlimm, wenn ein, zwei Sachen nicht funktionieren, die können einfach kompensiert werden.“ So hätten die Badener auch beim Aufschlag die richtige Balance zwischen Risiko und Sicherheit wiedergefunden, die ihnen in Durchgang drei abhandengekommen war.

Im Vorfeld des Doppelspieltages war dem TVB vor heimischem Publikum erst ein Sieg geglückt. Gegen Bitterfeld-Wolfen gelang Nummer zwei, gegen den VCO Berlin sollte dann einen Tag später Nummer drei folgen. Doch danach sah es zunächst nicht aus. Der erste Satz gehörte von Beginn an den Berlinern. Erst gegen Ende kam der TVB zum 22:22, musste den Durchgang aber dennoch abgeben. „Das war ein Katastrophen-Satz“, haderte Kernebeck, bei dem die negative Körpersprache entsprechend Überhand gewonnen hatte.

Zwar änderte sich zunächst am Spielverlauf in Satz zwei wenig, die Gastgeber lagen zwischenzeitlich mit 4:11 zurück, Kernebecks Körpersprache hatte sich aber zum Positiven gewandelt. „Ich hatte eher das Gefühl, dass wir den Übergang schaffen. Es wurde von Minute zu Minute immer kontrollierter. Wir haben das Zuspiel auf das Hinterfeld umgestellt, damit unser Spiel schneller wird und wir nicht immer einen Doppelblock vor der Nase haben. Zudem hat Berlin eine irre Angriffsmacht. Was die an Abschlagshöhe mitbringen, ist unglaublich. Da reichen nicht nur taktische Maßnahmen, da braucht es auch Herz und das haben meine Jungs gezeigt.“ Vor dem Doppelspieltag hatte Kernebeck Gier von seiner Truppe gefordert und diese Gier entwickelte sie nach und nach. Baden holte in Satz zwei auf, ging beim 17:16 erstmals in Front und schnappte sich den Durchgang mit 27:25. In Satz drei legten dann die Badener vor. Werner Kernebecks Körpersprache wurde ruhiger und immer positiver, dominierte sein TVB doch nun und stellte auf 2:1 nach Sätzen. Der vierte Durchgang war dann bis zum Schluss ein ausgeglichener. Erst gegen Ende konnte sich Baden etwas absetzen und bescherte seinen Anhängern den zweiten Heimsieg binnen zwei Tagen.

Alles endete dann mit einer letzten Geste von Werner Kernebeck. Der Coach streckte freudestrahlend alle fünf Finger in die Luft Richtung des Publikums. Die Bedeutung dahinter: Der TV Baden schob sich mit diesen sechs ergatterten Punkten auf Platz fünf in der Tabelle.

TV Baden: Jan-Henrik Radeke, Nick Sörensen, Jannik Haats, Nils Mallon, Ole Seuberlich, Simon Bischoff, Max Kernebeck, Balint Bencsik, Ole Sagajewski, Lewin Probst, Björn Hagestedt, Artem Tscherwinski.

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