Konzert

Über drei Stunden Rockgeschichte

Die vor allem in den 1970er-und 1980er-Jahren bekannte Band Grobschnitt ist nun in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums aufgetreten.
19.01.2020, 15:39
Lesedauer: 2 Min
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Von Wilfried Adelmann
Über drei Stunden Rockgeschichte

Die Kultband Grobschnitt spielte nicht nur Musik, sondern hatte auch die eine oder andere Geschichte parat.

Björn Hake

Die Krautrock-Gruppe Grobschnitt aus Hagen hat sich 1969 gegründet, feierte enorme Erfolge mit über 1300 Konzerten und war wegweisend in der Musikszene der 1970er- und 1980er-Jahre in Deutschland. Mit dem Live-Album „Solar Music“ wurde die Band vom Musikmagazin „eclipsed“ in die Liste der 150 wichtigsten Progressive-Rock-Alben aufgenommen. 1989 war es dann vorbei – die Band löste sich auf. Mittlerweile sind die Musiker aber wieder aktiv. Nun gab die Band ein Gastspiel in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums in Achim.

Ihr grundsätzliches Comeback liegt allerdings schon einige Jahre zurück. Bereits 2006 stachelte der Nachwuchs einiger ehemaliger Bandmitglieder seine Väter soweit an, dass es eine Neuauflage dieser Kultband gab. Und im Geheimen wurde das heutige Aufführungsformat „Grobschnitt Acoustic Party“ geplant: Keine wabernden Keyboard-Sounds, kein treibendes Schlagzeug und keine Pyrotechnik bestimmen die Atmosphäre der Auftritte. Akustikgitarren, Lichteffekte, ein kleines Percussionsset und ab und zu eine elektronische Bassdrum, die an das Wummern der Lautsprechertürme in den alten Zeiten erinnert, formen den neuen Sound der Band. Keine ausverkauften Stadthallen-Säle, sondern kleine bis mittelgroße Spielstätten vermitteln nun ein „Feeling zum Anfassen“.

Wuchtige Rockmusik

Die Aula des Achimer Cato-Gymnasiums war am Sonnabend sehr gut gefüllt. Das „mittelalte“ Publikum wartete gespannt auf die Akteure seiner Jugend. Pünktlich um 20 Uhr traten dann auch zwei blank polierte Köpfe von Vater (Willi Wildschwein) und Sohn (Nuki) auf. Die Sologitarren-Legende Lupo hatte sich ihre Gitarre geschnappt und schon ging es los. Etwas zu laut und schrill für den Saal und den Charakter der akustischen Instrumente, aber es sollte wohl an die Wucht der Rockmusik der frühen Jahre angeknüpft werden.

Willi und Lupo begrüßten die Gäste und wechselten sich im Laufe des Gastspiels mit der Moderation ab. Kleine Anekdoten und Hinweise auf die Entstehungszahlen des Dargebotenen bestimmten den Ritt durch die Rockgeschichte der Grobschnittler. Wobei sich Sohn Nuki zurückhielt und den Altvorderen die Hauptpräsenz auf der Bühne überließ. Rampensau ist heute wie früher Willi Wildschwein und mit dezent, wildem Konzert-Gitarren-Spiel brachte er die Gäste in der Aula in Stimmung. Mal leise, mal laut, mal leicht grölend wurden von ihm die „Hits“ aus ihrem Musikerleben gesanglich dargestellt.

30-minütige Tracks

Sohn Nuki steuerte mit seinem Gitarrenspiel wesentlich zum Klangerlebnis des Abends bei und bediente sensibel die verschiedenen Percussioninsstrumente. Da kam auch ein Triangel zum Einsatz oder ein Bongoklopfen unterstützte eine Ballade in ihrer Eindringlichkeit. Höhepunkte des Abends war aber die Musik der Alben „Rockpommel’s Land“ und „Solar Music“. Die rund 30-minütigen Longtracks sind immer dabei und es gab jede Menge Nebel auf der Bühne. Im Hintergrund wurde ein bunter Vogel beleuchtet. Und wenn die Musiker aus dem Dunst traten und ihre berühmten Gitarrenthemen spielten, wenn die schnellen Finger von Lupo über die Saiten flogen und auch Nuki mit seinen Akkorden die Euphorie einer alten Zeit neu entfachte, dann standen die Gäste auf, klatschten und der Saal brodelte.

Über drei Stunden erzählte die neue Grobschnitt-Band Geschichten, brachte die Aula des Gymnasiums zum Beben und brachte bei stillen Musikstücken auch so manche Träne ins Rollen. Es war ein erlebnisreicher Abend mit Holzgitarren, Triangel, Licht- und Nebeleffekten und der Gewissheit, dass die Idee von Konzeptmusik nicht gestorben ist, sondern in ihren epischen Dimensionen der musikalischen Erzählkunst weiterhin Begeisterung erzeugen kann.

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