Lätare-Spende in Verden

Über Verden ins Bremer Rathaus

Bei der Tradionsveranstaltung auf dem Verdener Rathausplatz haben Spitzenpolitiker aus Bund und Land wieder Heringe und Brote unter das Volk gebracht. Das Benefiz-Event geht auf Störtebekers Vermächtnis zurück.
01.04.2019, 17:25
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Über Verden ins Bremer Rathaus
Von Jörn Dirk Zweibrock

Ein Seeräuber als Gründungsvater der Sozialdemokratie? Waren das nicht August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Ferdinand Lassalle? Jedenfalls nicht, wenn es nach Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) geht. Der nahm sich bei der Lätare-Spende Klaus Störtebeker und seine Gleichteiler (Likedeeler) zum Vorbild. Nicht Gewinne wurden bei der Traditionsveranstaltung auf dem Verdener Rathausplatz verteilt, sondern vielmehr Brot und Heringe unters Volk gebracht. Dass Spitzenpolitiker durchaus hemdsärmelig sein können, bewiesen Birgit Honé (SPD), Carsten Sieling und Hendrik Hoppenstedt (CDU) am Montagvormittag mit ihren hellen Schürzen und langen Handschuhen. Sie scheuten jedenfalls nicht den Griff ins Heringsfass, was für manch einen ihrer Couleur bestimmt schon eine kleine Dschungel-Prüfung gewesen wäre.

Seit Beginn der Großen Koalition (Groko) in Berlin segelt Hoppenstedt nun schon als Staatsminister unter dem Kommando von Kapitänin Angela Merkel. Mit an Bord sind nach seinen Worten „Smutje Julia Klöckner und der ehrgeizige Schiffsarzt Jens Spahn“. Seine Aufgabe als Bootsmann im Bundeskanzleramt sei es, die Flotte der 16 Länderschiffe auf Bundeskurs zu halten, erklärte der ehemalige Bürgermeister von Burgwedel den Verdenern. Dabei hätten es die Länder vor allen Dingen auf eines abgesehen, nämlich „den Goldschatz der Kogge Bundesregierung zu plündern“.

Ob sich das für den Bremer Regierungschef auszahlt, wird sich am Sonntag, 26. Mai, zeigen. Denn dann ist in Bremen wie in Verden bekanntlich Zahltag, pardon Wahltag. 73 Jahre lang herrschen die Roten nun schon ununterbrochen über das kleinste deutsche Bundesland. Und Sieling will natürlich, dass es auch künftig so bleibt. „Mein Weg nach Bremen hat mich immer über Verden geführt“, hob der gebürtige Kreisnienburger die engen Verbindungen zwischen der Hansestadt und der Domstadt hervor. „Die Weser hat nur soviel Wasser, weil die Aller immer wieder etwas hineintreibt“, sagte er und kam auf den 200. Geburtstag der Bremer Stadtmusikanten zu sprechen, die ja damals angeblich im Kreis Verden gestrandet sein sollen.

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Obwohl die Welfen lange auf dem britischen Thron saßen, ließ Birgit Honé, niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, kein gutes Haar am Brexit. „Wer die Rosinen haben will, muss mit am Tisch sitzen bleiben“, wetterte sie und appellierte dafür, statt der Piratenflagge doch lieber die Europaflagge zu hissen.

Neben Störtebeker, gespielt von Bernd Maas, und seinem mittelalterlichen Gefolge sorgten der Shanty-Chor und die Big Band des Domgymnasiums für Kurzweil. Für die Bewachung der Heringsfässer waren die Feuerwehr-Senioren zuständig.

Beim Benefiz-Essen in der Stadthalle sammelten die Gäste diesmal für die Kinderfeuerwehren der Stadt Verden, den Imkerverein und die Frauenberatung. Auch das Gemeinde- und Begegnungszentrums St. Nikolai, der Verein für psychosomatische Entwicklungsförderung sowie das Frauenhaus wurden mit Spenden bedacht.

Dass sich die Hansestädte Bremen und Hamburg nicht allzu grün sind, ist ja kein Geheimnis. Eines jedoch kann Carsten Sieling den Hamburgern allerdings nie verzeihen, und zwar, dass sie Störtebeker der Legende nach im Jahre 1401 einfach hingerichtet haben sollen. „Dafür haben wir aber im vergangenen Jahr den Hamburger Sport-Verein aus der ersten Bundesliga verbannt“, erinnerte sich Sieling mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

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