Themenabend in Achim

Unkontrollierter Gülle-Einsatz

Die Nährstoffversorgung heimischer Böden lautete das Thema einer Veranstaltung mit Experten in Achim. Vor allem der Einsatz von Gülle kam immer wieder zur Sprache.
03.12.2018, 12:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Gisela Enders
Unkontrollierter Gülle-Einsatz

Ein Landwirt bringt Gülle aus – genau kontrolliert wird er dabei nicht (Symbolbild).

Carsten Rehder/dpa

Gleich mehrere Experten hatten sich am Donnerstagabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „AnsprechBar“ des Themas Nährstoffversorgung heimischer Böden angenommen. Auf Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth und des SPD-Ortsvereins Achim referierten sie vor etwa 30 Bürgern und beantworteten Fragen aus dem Publikum. „Ich hoffe auf interessante Gespräche und auf eine Erhellung der Problempunkte“, führte Liebetruth in die Veranstaltung ein.

Ludwig Theuvsen, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ergriff als Erster das Wort und wies auf das Nährstoff-Management als Topthema in der Landwirtschaft hin. Auch die Wasserwirtschaft, die Umweltverbände und engagierte Bürger hätten vitales Interesse an einer sinnvollen Versorgung der Äcker in der Region.

Gute Wasserqualität

22 Prozent der Rinder, ein Drittel aller Schweine und zwei Drittel der Masthühner werden hier gezogen und machen mit ihren nährstoffreichen Ausscheidungen ein effektives Management unerlässlich. Von großer Bedeutung sei es in diesem Zusammenhang, die Gülle in Gebiete zu verbringen, in denen Äcker und Grünflächen das Bild der Landschaft prägen. Die Region Vechta/Cloppenburg zum Beispiel sei aufgrund ihres hohen Nutztieraufkommens kein Abnehmer, denn „die Nährstoffe müssen dahin gebracht werden, wo sie fehlen“. Viele Punkte seien bereits im neuen Düngerecht verankert, das 2017 in Kraft getreten ist. Bedauerlicherweise bestünden jedoch Anpassungsschwierigkeiten in den Reihen der Landwirte.

Deutschland habe insgesamt Zeit vertan, um Schlüsse aus der neuen Verordnung zu ziehen, erklärte Harald Hesse, Samtgemeindebürgermeister von Thedinghausen und Vorsitzender des Trinkwasserverbandes Verden. Trotzdem sei die Wasserqualität im Landkreis hoch, die Kooperation mit den Landwirten gut. „Kritische Werte sind bisher nicht gemessen worden“, zeigte sich Hesse zufrieden. „Das heißt jedoch nicht, dass das für immer so bleibt."

„Eine marktfähige Ware“

Rolf Göbbert, zweiter Vorsitzender des Nabu-Kreisverbands Verden, machte in seinen Ausführungen auf die Sensibilität mancher Böden aufmerksam. „Magerrasen und Moorgebiete reagieren anders auf Nährstoffeinträge als intensiv genutzte Flächen“, gab er zu bedenken und forderte, Landwirte zur Rechenschaft zu ziehen, denen unsachgemäße Düngung nachgewiesen werden könne.

Gülle sei eine marktfähige Ware, beschrieb Kreislandwirt Jörn Ehlers die wertvollen Ausscheidungen von Rind, Schwein und Federvieh. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Regeln für die sachgemäße Verwendung der „Vollwertkost“ unerlässlich seien. Eine genaue Kontrolle, nach der sich Dörte Liebetruth erkundigte, fände nicht statt, sagte Ehlers. Die Dokumentationen der Bauern lieferten jedoch Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Menge des ausgebrachten Düngers. „Vieles ist gut hier bei uns. 15 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser sind bei einer Grenze von 50 Milligramm ein durchaus akzeptables Ergebnis."

Naturfreund Uli Ringe beklagte einen Mangel an Umsicht bei der Belegung von Äckern mit organischem Dünger. Unmengen von Plastikteilchen habe er unlängst als Bestandteil ausmachen können, beschrieb das Nabu-Mitglied den umweltfeindlichen Fund beim Spaziergang am Ackerrand.

Dabei handele es sich möglicherweise um einen Einzelfall, beschwichtigte Ludwig Theuvsen, man könne nicht bei jeder Aufbringung daneben stehen. Ein Bierdener indes fühlte sich von Gülletransporten durch den Ortsteil gestört, während sich ein anderer um das Vordringen von Medikamenten in das Grundwasser und die damit verbundenen Auswirkungen von multiresistenten Keimen sorgt.

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