Leinenzwang zur Brut- und Setzzeit Unter Kontrolle

Mit der am 1. April beginnenden Brut- und Setzzeit gilt auch der Leinenzwang für Hunde, die in freier Landschaft mit ihren Besitzern unterwegs sind.
26.03.2019, 16:15
Lesedauer: 3 Min
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Unter Kontrolle
Von Kai Purschke

Mit dem 1. April beginnt am kommenden Montag die Brut- und Setzzeit in Niedersachsen und mit ihr der Leinenzwang für Hunde in der freien Landschaft. Beides gilt bis zum 15. Juli und bereits jetzt sind soziale Netzwerke wie Facebook wieder voll mit Erfahrungsberichten zu Aufeinandertreffen von Hundebesitzern und Jägern. Von einem „Kleinkrieg“ ist darin die Rede, von Konfrontationen in Wäldern und auf Wiesen, von gegenseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen sowie Belehrungen, die sogar schon vor dem Stichtag geschehen seien.

Bis zum 15. Juli sind Hunde also in der freien Landschaft an der Leine zu führen. „Die freie Landschaft besteht aus den Flächen des Waldes und der übrigen freien Landschaft, auch wenn die Flächen innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile liegen. Bestandteile dieser Flächen sind auch die zugehörigen Wege und Gewässer“, heißt es vom Land Niedersachsen dazu.

Nicht zur freien Landschaft gehören dagegen Straßen und Wege, die für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind: Kreis-, Gemeinde-, Orts- und Gemeindeverbindungsstraßen sowie offizielle Parkplätze, Rad- und Gehwege. Ebenso Gebäude, Hofflächen und Gärten sowie Parkanlagen, die laut Waldgesetz „im räumlichen Zusammenhang zu baulichen Anlagen stehen, die zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind“. Das trifft etwa auf den Achimer Rathauspark zu. „Nach dem Landesgesetz besteht demnach in diesen Anlagen kein Leinenzwang“, heißt es vom Land explizit. Allerdings hat es die Bitte an die Hundehalter formuliert, in derartigen Parkanlagen die Vierbeiner dennoch anzuleinen.

Warum Hunde angeleint sein müssen, obwohl andere Störungen für die Tierarten entstehen, zum Beispiel durch die Landwirtschaft, beantwortet das Ministerium so: „Die Störungen durch freilaufende Hunde sind, im Gegensatz zu anderen Störungen, vermeidbar. Ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft sind gesetzlich grundsätzlich ganzjährig erlaubt. Im Rahmen des Möglichen nehmen aber auch sie auf die Tierwelt Rücksicht.“

Für den Achimer Stadtwald gilt das ganze Jahr über ein Leinenzwang für Hunde, jedenfalls in der Zeit von 9 bis 16 Uhr, das hat die Stadt in einer eigenen Verordnung so festgelegt. Mit einer Ausnahme, die zumindest außerhalb der Brut- und Setzzeit gilt: Auf der Hundeauslaufzone zwischen der Verdener Straße und der Straße Am Oertel dürfen die Vierbeiner ganztags frei laufen.

In den Wäldern obliegt die Kontrolle den Jägern. Im Niedersächsischen Jagdgesetz heißt es, dass Jäger in ihrem Jagdbezirk befugt sind, „wildernde Hunde zu töten, die sich nicht innerhalb der Einwirkung einer für sie verantwortlichen Person befinden und nicht als Jagd-, Rettungs-, Hirten-, Blinden-, Polizei- oder sonstige Diensthunde erkennbar sind, und wildernde Hauskatzen, die sich mehr als 300 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt befinden sowie verwilderte Frettchen zu töten.“

Einen Hund zu erschießen, das sei, wie Kreisjägermeister Hilmer Kruse unserer Redaktion mal sagte, „das letzte Mittel“ und von den Jägern auch gar nicht gewollt. Mit dem Begriff wildern sei auch nicht das bloße Stöbern eines Hundes im Unterholz gemeint, sondern, dass er außerhalb des Einflussbereichs – indem er sich etwa nicht verlässlich abrufen lässt – seines Halters Wild aufsucht, verfolgt oder gar reißt.

Verstöße gegen die Anleinpflicht können als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden. Auch ein Verwarn- oder Bußgeld kann erhoben werden. Wie das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium dazu mitgeteilt hat, kann die Geldbuße bis zu 5000 Euro betragen. Grundlage für deren Höhe seien die Bedeutung der Ordnungswidrigkeit und der Vorwurf, der den Täter trifft. Bei geringfügigen Ordnungswidrigkeiten blieben Ahndungen jedoch in der Regel unberücksichtigt.

Info

Zur Sache

Brut- und Setzzeit

Im Frühling wird die freie Landschaft zu einer immer größer anwachsenden Kinderstube. Einige Tierarten, wie zum Beispiel der Hase oder das Schwarzwild haben nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums bereits Nachwuchs, bei anderen Arten seien die weiblichen Tiere hochtragend. „In diesem Zustand sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit stark eingeschränkt.“ Auch die am Boden brütenden Vogelarten wie Ente, Gans, Rebhuhn, Fasan, Kiebitz und Lerche beginnen jetzt ihr Brutgeschäft.

Daher habe das Niedersächsische Waldgesetz (NWaldLG) die allgemeine Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit für den Zeitraum vom 1. April bis zum 15. Juli festgelegt. In dieser Zeit könnten streunende, wildernde oder auch nur stöbernde Hunde nach Angaben des Ministeriums eine tödliche Gefahr insbesondere für Jungtiere werden, „denn im Falle einer empfindlichen Störung stellen wildlebende Tiere vielfach die Versorgung ihres Nachwuchses ein“.

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