Wegen Brückensprengung in Sottrum werden Fernzüge um Bremen herumgeleitet / "Reisendenlenker" kümmert sich um die Fahrgäste Verden ist noch bis morgen ICE-Bahnhof

Landkreis Verden. Von Verden mit dem Zug ohne Umsteigen bis nach Westerland oder gar nach Passau? Seit gestern macht?s die Bahn möglich - allerdings eher unfreiwillig. Aufgrund von Brückenarbeiten an der Autobahn 1 zwischen Ottersberg und Sottrum ist derzeit ein Teil der Bahnstrecke zwischen Bremen und Hamburg gesperrt. Fernreisezüge werden daher nach Verden umleitet. Ab Donnerstag, 12 Uhr, soll aber wieder der reguläre Fahrplan gelten, hofft man bei der Bahn.
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Von Johannes Heeg und Uwe Dammann

Landkreis Verden. Von Verden mit dem Zug ohne Umsteigen bis nach Westerland oder gar nach Passau? Seit gestern macht?s die Bahn möglich - allerdings eher unfreiwillig. Aufgrund von Brückenarbeiten an der Autobahn 1 zwischen Ottersberg und Sottrum ist derzeit ein Teil der Bahnstrecke zwischen Bremen und Hamburg gesperrt. Fernreisezüge werden daher nach Verden umleitet. Ab Donnerstag, 12 Uhr, soll aber wieder der reguläre Fahrplan gelten, hofft man bei der Bahn.

Wer per IC oder ICE nach Bremen will, muss seit gestern in Verden aussteigen, um die Hansestadt von dort aus per Regionalzug anzusteuern. Reisende aus Richtung Osnabrück werden über Minden und Nienburg nach Verden gebracht, wo sie den Zug wechseln müssen. Dass es im Verdener Bahnhof geordnet zugeht, wie sich gestern Mittag bei einer kleinen Stichprobe zeigte, ist zum großen Teil Hermann Bollmann zu verdanken. Der Bremer Bahnhofsmanager betätigt sich dort als "Reisendenlenker". Im Zweischicht-Betrieb sorgt er mit Kollegen dafür, dass alle Reisenden in die richtigen Züge steigen.

Geduldig und stets freundlich beantwortet Bollmann typische Fragen nach Verspätungen, nach dem richtigen Bahnsteig und nach Anschlüssen. Und er erklärt, warum Verden für zweieinhalb Tage zu einer regionalen Verkehrsdrehscheibe geworden ist: "Bei Stuckenborstel wird eine Autobahnbrücke gesprengt." Er wartet auch nicht lange, bis er angesprochen wird, sondern geht auf ratlos wirkende Kunden zu und bietet seine Hilfe an. Die Kundschaft reagiere "relativ gelassen" auf die Situation, sagt Bollmann, "es funktioniert ja." Für besondere Notlagen hält er kleine Trostpflaster bereit. So durften gestern einige Reisende, die mit dem Niedersachsenticket unterwegs waren, ausnahmsweise den IC benutzen.

Zurzeit fährt nämlich kein Regionalzug von Verden nach Rotenburg, weil die eingleisige Strecke durch die vielen Fernzüge ausgelastet ist. Der Bus, der ersatzweise zwischen den Kreisstädten pendelt, war aber zeitweise so voll, dass zahlreiche Reisende eine Stunde hätten warten müssen, um den nächsten zu nehmen. Also verteilte Bollmann Berechtigungsscheine für den IC. Davon profitierte gestern unter anderem ein Pärchen aus Bremen, das in Hamburg einen Flieger nach Stuttgart erreichen musste und es ziemlich eilig hatte: "Wir wollen dort Verwandte besuchen."

"Das machen wir wirklich nur im Ausnahmefall", so Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst auf Anfrage. Keinesfalls dürfe man sich mit dem Niedersachsenticket einfach in einen IC setzen. Die Reisenden bittet sie: "Unbedingt vorher ans Personal wenden."

Nicht unbedingt etwas mit der Brückensprengung zu tun haben drei Zugausfälle, die Bahnkunden am Montagabend in Verden ziemlich unvermittelt getroffen haben: Weil dem Dieseltriebwagen der Sprit ausgegangen war, sind ab 17.30 Uhr drei Regionalbahnen von Verden nach Rotenburg schlichtweg entfallen. Für die Passagiere bedeutete das einen Umweg über Bremen mit einer Fahrzeit von anderthalb Stunden anstelle der üblichen 18 Minuten.

Bis Donnerstag, 30. Dezember, 12.30 Uhr, werden die Metronom-Züge zwischen Sagehorn und Rotenburg durch Busse ersetzt. Für Reisende ab Bremen heißt das laut Bahn: Die Züge fahren zwischen 43 und 52 Minuten früher los, in Sagehorn müssen die Passagiere in den Bus umsteigen, bis Rotenburg, und von dort aus geht es per Zug weiter nach Hamburg. Auch in der Gegenrichtung Rotenburg-Sagehorn verkehren Busse. Ab Sagehorn fahren die Züge 46 bis 48 Minuten später als planmäßig Richtung Bremen.

Heute und morgen werden zudem jeweils vier Metronom-Züge über Verden umgeleitet: Die ME 82001 und 82003 (planmäßig 5.28 Uhr und 6.26 Uhr ab Bremen) fahren 32 bis 37 Minuten früher ab, machen einen Schlenker über Verden und verkehren ab Rotenburg in den planmäßigen Zeiten weiter Richtung Hamburg. Auch die ME 82030 und 82032 (planmäßige Ankunft in Bremen 21.24 und 22.23 Uhr) werden über Verden geleitet und verspäten sich dadurch um bis zu 27 Minuten, so die Bahn.

Auch im Fernverkehr kommt es zu Umleitungen: Züge zwischen Hamburg und Osnabrück halten heute und morgen, 12 Uhr, nicht in Bremen und Diepholz, dafür aber in Verden. Von dort es geht es mit Bummelzügen nach Bremen. Die Bahn rechnet mit Verspätungen von bis zu 65 Minuten.

Verden ist kurzzeitig auch ICE-Bahnhof: Der ICE 515 nach München (planmäßig 5.27 Uhr ab Hamburg-Altona) fährt acht Minuten früher ab und wird von Hamburg-Harburg bis Dortmund umgeleitet. Der Zug hält nicht in Bremen, Osnabrück und Münster, dafür aber in Verden (6.24 Uhr). Auch der ICE 514 von München (planmäßige Ankunft 0.31 Uhr in Altona) wird von Osnabrück bis Hamburg-Harburg umgeleitet und hält nicht in Bremen, sondern zusätzlich in Verden, allerdings mit einer bis zu 60-minütigen Verspätung. Der ICE, der um 7.17 Uhr von Bremen nach Hamburg fährt, fällt am heutigen Mittwoch und morgen komplett aus.

Mächtig was los ist auch am sonst eher beschaulichen Sagehorner Bahnhof. Wegen der Arbeiten an der Eisenbahnbrücke mussten die Reisenden hier aus dem Metronom aus- und in die bereitstehenden Busse einsteigen. Die waren gut gefüllt und fuhren die Pendler über Ottersberg, Sottrum nach Rotenburg oder in Richtung Bremen. Auch im Bremer Hauptbahnhof gibt es zahlreiche Hinweise, die auf Umleitungen aufmerksam machen. Zettel neben den Fahrplänen fassen alle umgeleiteten und ausgefallenen Züge zusammen, auf der Anzeigetafel laufen Hinweise auf den Schienenersatzverkehr zwischen Sagehorn und Rotenburg. Der Schienenersatzverkehr betrifft alle Metronomzüge, die von Bremen nach Hamburg fahren.

Ein besonderes Hindernis bildete für die Pendler in Sagehorn die nicht behindertengerechte Fußgängerbrücke über die Gleise. Um von einem Bahnsteig zum anderen zu gelangen, mussten die Reisenden die stählerne Brücke überqueren und die schweren Koffer die Treppe hinaufwuchten. Vor allem für viele ältere Menschen war das ein großes Problem - sie mussten Mitreisende um Hilfe bitten. Bis zum 30. Dezember, 12.30 Uhr, müssen die Pendler noch mit diesen Unannehmlichkeiten leben. Erst dann sollen - so die Mitteilung der Bahn - die Züge wieder ohne Unterbrechung fahren.

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