Achims Absage des Corona-Modellprojekts

Zwischen Verständnis und Kritik

Die Reaktionen auf die Absage Achims für das Corona-Modellprojekt aufgrund fehlender Testkapazitäten sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Auch nicht jeder ist traurig über die verpasste Chance.
09.04.2021, 17:31
Lesedauer: 3 Min
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Zwischen Verständnis und Kritik
Von Marius Merle
Zwischen Verständnis und Kritik

Die erhoffte Belebung für die Achimer Innenstadt wird es durch die Absage des Modellprojekts nicht geben.

Björn Hake

Nach der Bekanntgabe von Bürgermeister Rainer Ditzfeld am Donnerstagnachmittag, dass Achim die Teilnahme am Corona-Modellprojekt aufgrund fehlender Testkapazitäten nun doch abgesagt hat (wir berichteten), ließen die Reaktionen erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. In den sozialen Medien brachten zahlreiche Menschen in überwiegend negativen Kommentaren ihren Frust über das gescheiterte Projekt zum Ausdruck. Rudi Knapp von der Unternehmergemeinschaft Achim (Uga) befand hingegen: „Es ist schade, aber verständlich.“ Und auch politische Vertreter aus Achim meldeten sich mit Stellungnahmen zu Wort. „In einer so wichtigen, weil aufgrund der sehr langen Dauer zermürbenden Situation falsche Hoffnung zu verbreiten, ist ein fatales Signal und erhöht den ohnehin vorhandenen Frustfaktor erheblich“, kritisierte Martin Puls, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes.

Mit „peinlich“ beschrieb er das Vorgehen der Stadt Achim. Erst hätten sich nach der erfolgreichen Bewerbung die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth und Bürgermeister Ditzfeld „im medialen Lichte gesonnt“, um dann doch eingestehen zu müssen, die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllen zu können. „Schlimm, dass ausgerechnet Testkapazitäten fehlen. Denn diese benötigt man ohnehin und auch ohne den Zuschlag zur Modellkommune wären sie für Achim sehr wichtig gewesen“, sagte Puls außerdem.

Fehlende Diskussion im Vorfeld

Auch die FDP-Ratsfraktion meldete sich tags darauf zu Wort und nahm die Mitarbeiter im Rathaus erst einmal in Schutz: „Dass in der Kürze der Zeit die umfangreichen Voraussetzungen zur Nachverfolgbarkeit oder die Komplexität der Teststrategie nicht organisiert werden konnten, liegt nicht an den Bemühungen der Verwaltung, deren Mitarbeiter auch an den Osterfeiertagen quasi rund um die Uhr an der Organisation gearbeitet haben.“ Kritik gab es aber dennoch. Denn in den Augen der Liberalen hätte die grundsätzliche Frage einer Bewerbung vorher breiter diskutiert werden müssen. „Bis zum heutigen Tage konnte der Bürgermeister nicht für ausreichend Transparenz rund um das Modellprojekt sorgen und im Vorfeld der Entscheidung pro Bewerbung wurden noch nicht einmal die Vorsitzenden der Fraktionen im Achimer Stadtrat informiert“, hieß es von der FDP. Hätte es im Vorfeld eine Diskussion gegeben, wäre man bezüglich der Machbarkeit vielleicht schon früher zum jetzigen Ergebnis gekommen.

Für Christian Detert, Inhaber der Alten Feuerwache, war es ohnehin „der richtige Gedanke zur falschen Zeit“. Nur „zähneknirschend“ hätte sich sein Restaurant in der Innenstadt überhaupt an dem Modellprojekt mit den Lockerungen beteiligt. Denn auch wenn er darauf brenne, endlich wieder Gäste bewirten zu dürfen, so sei ein reiner Betrieb der Außengastronomie beim derzeit sehr wechselhaften Wetter wirtschaftlich nicht lukrativ. Zudem habe es viele rechtliche Fragen zu klären gegeben, etwa was die Kurzarbeitsregelungen seiner Mitarbeiter angeht oder was ein dreiwöchiger Teilbetrieb für die Überbrückungshilfen bedeutet hätte. „Ich weine der Situation daher nicht hinterher“, sagte Detert zur Absage des Projekts. Und auch wenn er kritisiert, dass er als Gastronom im Vorfeld gar nicht gefragt worden sei, ob er teilnehmen möchte, so wolle er nicht auf Bürgermeister Ditzfeld und Co. draufhauen – wie er es im Internet vielfach gesehen habe. „Das ist mir zu einfach.“ Denn der Grundgedanke sei ja alles andere als verkehrt gewesen.

Ein „mutiger“ Versuch

Auch Davide Caso, Inhaber des Eiscafés Capri in der Innenstadt, möchte sich nicht an der teils populistischen Kritik beteiligen. „Ich habe Verständnis und fand es mutig, dass es überhaupt in Angriff genommen wurde.“ Dennoch sei die Lage für sein Café durch die Absage natürlich weiter „eine Katastrophe“. Im Gegensatz zu Detert hatte er große Hoffnungen in die Öffnung der Außengastronomie gesetzt. Denn anders als beim klassischen Restaurantbetrieb kommen seine Gäste vor allem dann, wenn sie auch draußen sitzen können. „Wenn es geklappt hätte, wären auch viele Leute von außerhalb gekommen“, ist Caso überzeugt, dass die Plätze bei ihm gut belegt gewesen wären. So aber bleibt für ihn weiterhin nur der Außer-Haus-Verkauf über den Tresen.

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