Erlebnisbad Verwell Freibad im Standby-Modus

Die Mitarbeiter im Verdener Erlebnisbad bereiten zwar die Freibadsaison vor, wissen aber nicht, ob im Endeffekt nicht alles für die Katz war. Die Gesellschaft für das Badewesen fordert Klarheit von der Politik.
01.05.2020, 13:49
Lesedauer: 3 Min
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Freibad im Standby-Modus
Von Jörn Dirk Zweibrock

In 3,80 Metern Tiefe können Klaus Jürries und Arne Lindhorst eine ganz andere Perspektive auf die aktuelle Situation im Verdener Erlebnisbad Verwell einnehmen. Der Betriebsleiter und sein Stellvertreter haben das Wasser im Hallenbad bereits vor einigen Wochen vorsorglich abgelassen, weil sie wussten, dass sich die pandemiebedingte Schließung der Badeanstalt länger hinziehen würde. Das Schwimmbad-Team lebt derzeit in völliger Ungewissheit – wann und ob die Freibadsaison in diesem Jahr überhaupt starten kann, steht völlig in den Sternen. „Wir bereiten die Saison zwar schon seit Mitte März vor, wissen aber nicht, ob das nicht im Endeffekt alles für die Katz war und wir gleich wieder einwintern müssen“, erzählen die beiden.

Beheizt wird noch nicht

Das Sportbecken haben sie schon befüllt, auch das Springerbecken ist schon fast mit Wasser vollgelaufen. Auf dem Sprungturm kärchern die Mitarbeiter noch, befreien die Bretter vom Grünbelag, der sich dort in den vergangenen Monaten angesammelt hat. Abstand halten und Mundschutz tragen – im Verwell geht es in diesen Tagen genauso zu wie anderswo auch. Die Fachangestellten für Bäderbetriebe arbeiten so wie in coronafreien Zeiten, bloß eines tun sie noch nicht – die Außenbecken heizen. Sollte es grünes Licht von oben geben, könnte das Freibad binnen einer Woche betriebsbereit sein. „Die Stadtwerke Verden setzen die Vorgaben des Bundes und des Landes für das Verwell um“, betont Lindhorst.

Die einzige Richtschnur, die sein Kollege und er momentan haben, ist der Pandemie-Plan der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Lindhorst zitiert daraus, dass beispielsweise beim Aufguss in der Sauna nicht mit dem Tuch gewedelt werden darf, und ein Badegast jeweils 4,5 Quadratmeter Platz pro Becken benötigt.

Mit einem Schreiben an die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder fordert die Gesellschaft mehr Klarheit für die öffentlichen Schwimmbäder und dabei – angesichts der steigenden Temperaturen – vor allem eine klare Ansage für die Freibäder. „Für unsere Mitglieder wäre es außerordentlich wichtig, kurzfristig zu wissen, ob die Freibäder unter das generelle Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 fallen. Die Möglichkeit, Freibäder zu eröffnen, müsste spätestens Ende Juni, also mit Beginn der Sommerferien, geschaffen werden, um überhaupt noch Akzeptanz bei Betreibern und Badegästen zu finden“, heißt es in dem Schriftstück.

Klaus Jürries sorgt sich derweil vor allem um die Sicherheit: „Sollte es wirklich – so wie prognostiziert – ein guter Sommer werden und wir nicht öffnen dürfen, befürchte ich, dass die Menschen dann zum Baden an die Flüsse und Seen ausweichen. Dort ist die Ertrinkungsgefahr wesentlich höher.“ Seit Mitte März sind unzählige Kurse im Erlebnisbad am Verdener Saumurplatz ausgefallen – vom Babyschwimmen bis zum Schwimmunterricht der Schulen. Dass immer weniger Mädchen und Jungen schwimmen können und es heutzutage im Kindesalter nicht mehr üblich ist, sich das Seepferdchen- oder Freischwimmer-Abzeichen an die Badehose nähen zu lassen, hat er schon länger beobachtet.

Namenssuche für die neue Rutsche

Wie bundesweit in anderen Bädern auch, werden auch im Verwell die Revisionsarbeiten, die sonst während der Domweihwoche verrichtet werden, vorgezogen. Trotz aller Ungewissheit steht eines bereits fest: Sollte das Freibad öffnen, dann lediglich in abgespeckter Form. Von einer Rekord-Saison wie vor zwei Jahren können die Verdener nur träumen. Normalerweise sollte die Freibad-Saison im Verwell Mitte Mai mit einem Glas Sekt eingeläutet werden.

Aber auch im Innenbereich wartet bald eine neue Attraktion – die neue Riesenrutsche. Die alte Röhrenrutsche wird in diesen Tagen abgerissen, die neue – ebenfalls 85 Meter lang – in den kommenden Wochen montiert. Die neue Rutsche weist einige technische Raffinessen auf: Zeitmesser, einfallendes Tageslicht und sogenannte Running Lights. „Die alte hat nach 20 Jahren ihren Dienst getan“, sagt Lindhorst.

„Die Namenssuche läuft noch“, ruft er alle Wasserratten dazu auf, ihren Namensvorschlag für die neue Röhrenrutsche bis zum 5. Juni per E-Mail an die Adresse rutsche@verwell.de zu senden. „Wir haben schon einige Namensvorschläge erhalten“, freut sich der Vize-Betriebsleiter. Zu gewinnen gibt es eine Wertkarte in Höhe von 200 Euro.

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