Maislabyrinth

Verwirrspiel im Pflanzenmeer

In Langwedel gibt es jetzt ein Maislabyrinth. Rund 4000 Quadratmeter ist es groß. Einen Ausweg aus dem Pflanzenmeer zu finden, ist gar nicht so einfach.
06.09.2017, 17:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Gaby Engelsberger
Verwirrspiel im Pflanzenmeer

Obwohl Frauke Stegemann das Maislabyrinth mit aufgebaut hat, verläuft sie sich hin und wieder auch selbst. Verloren gegangen, sagt sie, ist in dem Pflanzenmeer aber noch niemand.

Björn Hake

Der Mais wächst einem mit drei Metern Höhe hier buchstäblich über den Kopf. Den Blick nach vorne gerichtet, entlang der grünen Schneise, gilt es, den richtigen Weg einzuschlagen. „Hier waren wir doch schon“, ruft in der Nähe eine Kinderstimme. „Komm hier entlang“, antwortet eine andere. Im dichten Pflanzenmeer fehlt jegliche Orientierung. Also gilt für die Besucher, sich irgendwie wieder den Weg aus dem Irrgarten zu suchen.

Frauke Stegemann heißt die Schöpferin des kurzweiligen Verwirrspiels in der grünen Idylle. In der Straße Am Kanal 9 direkt am Deich in Langwedel lädt ein farbenfrohes Schild vorbeikommende Ausflügler und Touristen zu einem Rundgang durch das 4000 Quadratmeter messende Maislabyrinth ein – dem einzigen im Landkreis. „Es war zunächst nur für Freunde und Familie gedacht, nun haben wir es auch für die Öffentlichkeit freigegeben“, berichtet die Langwedelerin. „Genutzt werden kann es jedoch nur auf eigene Gefahr“, fügt sie hinzu.

„Da steckt viel Liebe, Arbeit und auch Idealismus drin”, erzählt Frauke Stegemann, die eigentlich studierte Wirtschaftsinformatikerin ist, über die Entstehung ihres Irrgartens. „2016 haben wir unser Wohngrundstück um das angrenzende Gelände erweitert und uns bald dazu entschlossen, verschiedene Maissorten zu säen.“ Ein Ökoprojekt sollte es werden: „Der Mais wird heutzutage oft nur noch in Monokulturen angebaut. Das finde ich traurig. Es schadet der ökologischen Vielfalt und damit auch der Insekten- und Vogelwelt.“

Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und ihrem Cousin, einem gelernten Landwirt, spuckten sie in die Hände und beackerten das Feld. „Da waren gleich vier Trecker im Einsatz. Heute wachsen hier neben dem Futtermais und Zuckermais beispielsweise auch Buntmais oder der blaue Hopi“, zeigt sie sich glücklich, dass ihr Projekt nun sichtbare Früchte trägt.

„Wir möchten, dass diese Sorten nicht irgendwann verloren gehen.“ Der Mais soll nicht geerntet werden, sondern den Wildtieren als Schutz und Futterquelle dienen. Und wie ist daraus ein Labyrinth entstanden? „Das war ein Kindheitstraum. Mich haben Irrgärten schon immer fasziniert. Schlösser und Herrschaftshäuser hatten alle ein angegliedertes eigenes Labyrinth – und ich wollte halt auch gerne ein eigenes haben“, sagt sie und lacht dabei. Am heimischen Küchentisch entstanden die ersten Skizzen und Zeichnungen.

„Ich habe die Betreiber des Maislabyrinths in Ganderkesee angerufen. Sie waren auskunftsfreudig und konnten mir gute Tipps geben, worauf man so achten muss“, blickt die Langwedelerin zurück. Im Frühjahr machte sie sich mit ihrem Lebensgefährten schließlich mit Heckenscheren ans Werk, um erste Wege für das Labyrinth entstehen zu lassen: „Wir haben geschnitten und geschnitten, zwei ganze Tage lang.“

Anders als bei den professionell beworbenen Irrgärten sind die Wege bewusst nicht breit ausgebaut. „Es gibt nur schmale Pfade, damit ein Dschungelcharakter entsteht und man mit den Pflanzen auch mal auf Tuchfühlung gehen kann“, findet Frauke Stegemann. „Wir wollten den Aufwand auch möglichst gering halten und haben deshalb keine Quiz- oder Stempelstationen eingebaut.“ Ein kleines und kurzes Sommervergnügen im Freien zu schaffen, das sei ihr erklärtes Ziel gewesen.

Und, hat sie schon einmal erlebt, dass jemand den Weg gar nicht mehr herausgefunden hat? „In der Abenddämmerung kann es schon mal unheimlich werden. Auch ich verlaufe mich noch hin und wieder, aber verloren gegangen ist hier noch niemand“, versichert sie jedem, der sich einmal auf den Spaß einlassen möchte.

Das Maislabyrinth kann so lange besucht werden, wie der Mais noch nicht einknickt. Dies ist laut Frauke Stegemann bis etwa Ende September/Mitte Oktober der Fall. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Besucher können einfach vorbei kommen.

Weitere Kontaktdaten gibt es auf der Homepage.

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