Nach der Katastrophe in Japan Viele Niedersachsen steigen auf Ökostrom um

Landkreis Verden·Rotenburg. Angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan steigt bei Verbrauchern das Interesse an Ökostrom. Dabei offerieren die Stadtwerke aus Achim, Verden und Rotenburg sowie das Elektrizitätswerk Ottersberg etliche Angebote.
30.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Viele Niedersachsen steigen auf Ökostrom um
Von Uwe Dammann

Landkreis Verden·Rotenburg. Angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan will nicht nur die Politik umsteigen, auch bei den Verbrauchern steigt das Interesse an Ökostrom. Der Boom fängt erst richtig an. Immer mehr Kunden verlangen nach der Atomkatastrophe in Fukushima nach Ökostrom, der aus regenerativen Energien erzeugt wird. Dabei offerieren die Stadtwerke aus Achim, Verden und Rotenburg sowie das Elektrizitätswerk Ottersberg etliche Angebote.

In Achim offerieren die Stadtwerke - genau wie in Rotenburg - ihren Kunden SR-NaturWatt". SR-NaturWatt bietet einen Strommix aus Wasser- und Windkraft zu je circa 40 Prozent, der Rest ist Sonnenkraft sowie EEG-Anteil und SR-Ökostrom, ein Produkt der Naturstrom AG, bestehend aus 71,5 Prozent Wasserkraft und 28,5 Prozent Windkraft. Bei beiden Produkten wird auf Atomkraft und Strom aus Kohle oder Erdgas verzichtet. "Zunächst war das Interesse schleppend, aber jetzt - rund drei Wochen nach der Reaktorkatastrophe in Japan ist die Nachfrage nach unseren NaturWatt-Angeboten enorm angestiegen", sagt Stadtwerke-Chef Sven Feht.

Die Achimer Stadtwerke produzieren einen Teil des Ökostroms selbst: Mit einem Anteil von acht Millionen Kilowattstunden sind die Achimer am geplanten Meeres-Windpark Bard Offshore 1 beteiligt. Der dort erzeugte Ökostrom reiche für 2300 der 16000 Haushalte, die die Stadtwerke Achim versorgen. Das eigene, 1991 auf der Kläranlage errichtete Windrad erzeugt 110000 Kilowattstunden im Jahr, die für 31 Haushalte gut seien. Zwei eigene Photovoltaikanlagen betreiben die Stadtwerke: eins auf dem Dach ihres Lagergebäudes und eins auf dem Rathausdach. Die Gesamtleistung von 28500 Kilowattstunden im Jahr reicht für acht Haushalte.

"Aktives Handeln ist gefordert"

In Verden bieten die Stadtwerke ihren Kunden den Ökostromtarif "VerNatur". In Kooperation mit der Greenpeace Energy eG beziehen die Stadtwerke ihren Ökostrom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien wie Wasser, Wind, Sonne und Biomasse. "Mit der Umstellung auf Ökostrom kann somit jeder Kunde der Stadtwerke Verden aktiv zum Klimaschutz und zum Ausbau regenerativer Anlagen beitragen", sagt der Verdener Stadtwerke-Chef Joachim Weiland. Derzeit werden deutlich mehr Ökostromtarife abgeschlossen, als noch vor wenigen Wochen. Weiland betont, dass sich Klimaschutz nicht allein auf theoretische Diskussionen beschränken dürfe, aktives Handeln sei gefordert. "Die erneuerbaren Energien müssen tendenziell verstärkt genutzt werden", ist Weiland überzeugt.

Ähnlich die Antwort aus Rotenburg: Hier hat man sich obendrein noch ein Bonbon für die Ökostromkunden ausgedacht. 90 Bäume stehen bereits auf den beiden Streuobstwiesen im Ahlsdorfer Moor. Jeder Baum hat ein eigenes Namensschild und steht für einen Ökostromkunden der Stadtwerke Rotenburg, denn seit 2009 wird für jeden Ökostromvertrag ein Apfelbaum gepflanzt. Auch in Rotenburg wächst die Erkenntnis, dass jeder Verbraucher etwas dafür tun kann, das Risiko der Atomkraftnutzung zu minimieren.

"An manchen Tagen fast zu 100 Prozent Ökostrom"

Die Geschäftsleitung der Stadtwerke Rotenburg hat seit mehreren Jahren zwei hochwertige und zertifizierte Ökostrom-Produkte in ihrem Angebot. "Auch viele unserer Mitarbeiter entscheiden sich jetzt für Ökostrom", so Geschäftsführer Reinhard David."In unseren Leitungen fließt heute schon an manchen Tagen fast zu 100 Prozent Ökostrom", sagt Hajo Buthmann, Vertriebsleiter des Elektrizitätswerks Ottersberg (EWO), das außer Posthausen alle Orte der Gemeinde mit Strom versorgt. Zurzeit fragt jeden Tag mindestens ein Kunde nach dem Ökostromtarif des E-Werks. Den sauberen Strom erzeugen die Ottersberger mit einem eigenen modernisierten Blockheizkraftwerk am Schwimmbad, einem 1994 installierten eigenen Windrad und einer 15-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach des Fischerhuder Feuerwehrhauses zu einem kleinen Teil selbst. Der weitaus größte Teil des Ökostroms stammt aus privaten Windenergieanlagen im Gemeindegebiet. Derzeit betrage deren Gesamtleistung vier

Megawatt, und in Kürze kommen weitere 1,6 Megawatt hinzu. Die Anlagen stünden zwar im benachbarten Buchholz, der Strom werde aber ins Netz des EWO eingespeist. Auch die Biogasanlage am Ortsrand produziert Ökostrom. "In Ottersberg ist der vollständige Umstieg auf erneuerbare Energien politisch gewollt", sagt Buthmann. Um auch Privatleuten Anreize zu geben, in die Erzeugung erneuerbarer Energien einzusteigen, gibt es in Ottersberg schon seit 2001 ein Förderprogramm. Jeder Ökostromkunde bezahlt einen Aufschlag von einen Cent pro Kilowattstunde in diesen Topf: Mit diesem Geld wird die regenerative Energieproduktion vor Ort gefördert. "Im Laufe der Jahre haben wir 85000 Euro an Fördergeld ausgegeben", sagt Buthmann. Allein 2009 und 2010 seien so 20 Anlagen - Photovoltaikmodule, Solarkollektoren für Heizung und Warmwasser sowie Wärmepumpen - bezuschusst worden. Mittlerweile gäbe es auf Ottersberger Dächern private Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von einem Megawatt. Und die Nachfrage halte an.

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