Volleyball 2. Bundesliga

Der große Stress ist für den TV Baden weg

Der TV Baden ist nach dem Aussetzen des Abstiegs auf eine gewisse Weise erleichtert. Die Saison will das Team nun aber keineswegs locker ausklingen lassen.
15.03.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Der große Stress ist für den TV Baden weg
Von Florian Cordes

Lähmende Anspannung, Angst, Nerven aus Stahl – diese Begriffe gehören zum Abstiegskampf. Der TV Baden musste im Laufe der aktuellen Saison durchaus um den Verbleib in der 2. Bundesliga bibbern. Nachdem sich der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) jedoch dazu entschlossen hatte, den Spielbetrieb in der 3. Liga nicht mehr fortzusetzen und es keine Aufsteiger ins Unterhaus geben soll, deutete sich an, dass es keine Absteiger aus Liga zwei geben wird. Seit einigen Tagen ist dies nun Gewissheit. Der Regelabstieg wird in diesem Jahr ausgesetzt (wir berichteten). Als die große Befreiung wollte TVB-Trainer Werner Kernebeck den Entschluss der Volleyball-Bundesliga (VBL) nicht bezeichnen. Nicht verhehlen wollte er aber, dass es innerhalb des Teams doch eine gewisse Entspannung gegeben habe.

„Erleichtert sind wir in dem Sinne, dass wir uns mit dem ganz großen Stress nicht mehr auseinandersetzen müssen“, sagt Kernebeck. Nachdem die VBL ihre Entscheidung am Freitag publik gemacht hatte, sei das Thema auch während der Fahrt zum Auswärtsspiel gegen den TuB Bocholt rege diskutiert worden. „Ich denke, die Lösung ist die richtige. Zumal aus der dritten Liga keine Absteiger hochkommen sollen“, beurteilt der Badener Coach die Situation. „Allerdings hatte ich damit gerechnet, dass sich die VBL erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheidet.“

Die Tendenz, dass der Abstieg ausgesetzt wird, hatte sich jedoch bereits vor einigen Monaten abgezeichnet – und zwar mit Beginn des Lockdowns. Seitdem sind Badens Konkurrenten im Abstiegskampf – der VV Humann Essen und der USC Braunschweig – nicht mehr zu ihren Partien angetreten. Essen vertrat die Meinung, dass Spiele während des Lockdowns unverantwortlich seien, Braunschweig wurde das Training aufgrund behördlicher Anordnung untersagt. Diese Situation habe einen doch ein wenig madig gemacht, weil sein Team nicht so recht wusste, wie es mit den Konkurrenten im Abstiegskampf weitergeht, meint Kernebeck.

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Essen nahm im Januar schließlich das Angebot der VBL an, sich straffrei aus dem Spielbetrieb der 2. Liga zu verabschieden. Die Partien der Braunschweiger werden hingegen noch immer wegen der behördlichen Anordnung abgesagt. „Daher hätten wir es auch als ungerecht empfunden, wenn wir hätten runtergehen müssen und andere durch eine Hintertür in der Liga geblieben wären“, beschreibt Werner Kernebeck die Gefühlslage innerhalb des Teams. Bereits Ende Januar hatte Badens Diagonalspieler Ole Seuberlich nach dem Heimspiel gegen Bitterfeld-Wolfen im Livestream des TVB gesagt, dass es sich „komisch“ anfühle, weil die Konkurrenten im Abstiegskampf gar nicht spielen.

„Phasenweise war das in dieser Saison für uns Abstiegskampf pur. Zudem sind wir durch die vielen Verletzungen zurückgeworfen worden. Doch wir haben uns dieser Herausforderung gestellt“, sagt Kernebeck und vertritt die Meinung, dass seine Mannschaft in dieser Saison den sportlichen Erweis gebracht hat, zu Recht ins vierte Zweitliga-Jahr gehen zu dürfen. Genauso findet Kernebeck, dass der Klassenerhalt auch dann gelungen wäre, wenn die Saison 2020/2021 „normal“ verlaufen wäre. „Ins Mittelfeld der Tabelle wären wir vielleicht nicht mehr gekommen. Doch auch mit Regelabsteigern hätten wir es geschafft, in der Liga zu bleiben. Denn wir haben zuletzt regelmäßig gepunktet“, sagt der Badener Coach.

Dass nun Gewissheit in Sachen Abstieg herrscht, sei aber eben nicht nur für ihn und die Mannschaft von großer Bedeutung, sondern auch für TVB-Manager Peter-Michael Sagajewski, findet der Coach. „Für Peter ist es sehr wichtig, dass er jetzt die nächsten Schritte und Themen wie die Sponsorengespräche ganz normal angehen kann“, macht Werner Kernebeck deutlich, dass beim TV Baden nun nicht zweigleisig – also für Liga zwei und drei – geplant werden muss.

Er selbst verschwendet an die Saison 2021/2022 noch kaum einen Gedanken. Werner Kernebecks Konzentration liegt darauf, die aktuelle Spielzeit mit guten Resultaten zu Ende zu bringen. Drei Partien stehen für den TVB noch an, sofern die beiden Spiele gegen den USC Braunschweig nicht nachgeholt werden. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die etlichen Nachholpartien des USC nach dem Aussetzen des Abstiegs von der VBL noch einmal neu terminiert werden. Der Coach des TVB verspricht für die verbliebenen Partien, dass es innerhalb seines Teams nun nicht zum großen Spannungsabfall kommen wird: „Das wird auf keinen Fall passieren. Das wäre auch schlimm und kein gutes Zeichen.“

Dass Werner Kernebeck mit seinen Worten keineswegs falsch liegt, zeigte sich bereits am Sonnabend in Bocholt. Mit dem Wissen angereist, dass es in diesem Jahr keine Absteiger gibt, holten die Badener bei der knappen 2:3-Niederlage immerhin einen Punkt und verpassten den zweiten nur hauchzart.

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Zur Sache

Virus verhindert das Topspiel

Während die Abstiegsfrage in dieser Saison geklärt ist, da die Volleyball-Bundesliga den Abstieg ausgesetzt hat, gestaltet sich das Rennen um die Meisterschaft in der 2. Bundesliga Nord Männer durchaus noch spannend. Wenige Spieltage vor dem Ende der Serie führt der SV Lindow-Gransee die Tabelle mit 42 Punkten an. Drei Zähler weniger auf dem Konto hat der Tabellenzweite Moerser SC. Nun hätte der MSC den Rückstand verkürzen können. Denn Moers sollte am Sonnabend in Lindow zum Topspiel antreten.

Doch als die Partie beginnen sollten, verkündeten die Moerser auf ihrer Facebookseite, dass die Begegnung ausfallen musste. Ein Spieler des Spitzenreiters wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Pikant dabei: Der MSC war bereits in Lindow angekommen. Erst eine Dreiviertelstunde vor dem geplanten Anpfiff wurde das Spiel abgesagt. Der Tross aus Moers durfte sich zurück auf die rund 600 Kilometer lange Rückfahrt machen, ohne auch nur einen Ball mit dem Tabellenführer gewechselt zu haben.

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