Volleyball 2. Bundesliga TV Baden findet die passende Mischung

Im Auswärtsspiel gegen die Juniors Frankfurt war der TV Baden nach langer Zeit wieder einmal erfolgreich. Ein Grund für den Sieg: In kniffligen Situationen hat das Team die Ruhe behalten.
07.12.2020, 17:00
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TV Baden findet die passende Mischung
Von Florian Cordes

Rund 450 Autobahn-Kilometer war Werner Kernebeck am Sonntagabend von der Heimat entfernt. Dennoch machte er sich seine Gedanken darüber, was wohl gerade zu Hause so los ist. „Ich denke, auch unsere Fans sind jetzt alle glücklich“, sagte der Trainer der TV Baden schließlich nach kurzem Nachdenken. Mit seiner Einschätzung dürfte der Coach des Volleyball-Zweitligisten komplett richtig gelegen haben. Denn sein Team weilte am Sonntag in Frankfurt. In der Bankenmetropole traf der TVB auf die Juniors Frankfurt und gewann das Spiel deutlich mit 3:0 (wir berichteten).

Die Fans des TV Baden waren zwar viele Kilometer von ihrem Team entfernt, aber dennoch nahe dran. Kurzfristig wurde die Begegnung – ein Kellerduell der 2. Bundesliga Nord – live im Internet übertragen. Die Badener standen in Frankfurt unter Druck. Schließlich war es den jungen Gegnern aus dem Frankfurter Volleyball-Internat vor der Partie nicht vergönnt, ein Spiel zu gewinnen. Der TVB ist seit dem ersten Spieltag aber ebenfalls nicht mehr als Gewinner vom Feld gegangen. Sieben Niederlagen in Folge standen seitdem zu Buche.

Die Badener wollten keinesfalls das erste Team sein, das gegen Frankfurt verliert. Andererseits ging es auch darum, die eigene Negativserie zu beenden. Ein Druck, an dem so manche Mannschaft zerbrechen könnte. Die Badener hielten ihm jedoch stand. Den Spielern war es gelungen, die vom Trainer gewünschte Mischung zu finden. Zuletzt hatte Kernebeck mehrfach darauf hingewiesen, dass sein Team die nötige Anspannung haben müsse, ohne diese gewisse Lockerheit zu verlieren. Das war in den vergangenen Spielen nicht der Fall – weshalb sich Niederlage an Niederlage reihte. Zuletzt verloren die Badener sogar fünfmal in Folge mit 0:3.

Doch diese Kette an Negativ-Erlebnissen ist nun durchbrochen worden. Dies gelang auch deshalb, weil die Ansagen des Trainers umgesetzt worden sind. Kernebeck: „Ich hab den Jungs gesagt, dass es ganz entscheidend sein wird, in den einzelnen Sätzen jeweils die ersten zehn Minuten gut zu überstehen.“ In Satz eins gelang die Umsetzung diese Vorgabe mit Bravour. Die Badener setzten sich schnell ab und entschieden den Auftaktsatz klar für sich. In diesem Moment war die Erleichterung bei Spielern und Trainer zu erkennen. „Der Gewinn des ersten Satzes war natürlich wichtig. Doch noch wichtiger war der zweite“, unterstrich Werner Kernebeck.

Vor allem wegen des Verlaufs, den der zweite Durchgang nehmen sollte, kam der Coach zu dieser Einschätzung. Die Badener dominierten in den ersten Minuten erneut und lagen auf Kurs Satzgewinn (14:7). Doch plötzlich stimmte die Mischung aus Lockerheit und Anspannung nicht mehr: Frankfurt pirschte sich immer näher heran, bis sie zum 21:21 ausglichen.

Danach kam es zu einer Situation, die einen spielentscheidenden Charakter besaß. Viele Mannschaften, die seit Wochen auf ein Erfolgserlebnis warten, lassen sich durch solch einen Rückschlag komplett aus der Bahn werfen. Das sollte dem TV Baden aber nicht passieren. Das Spiel kippte nicht. „Die Jungs haben sich daran erinnert, wie gut sie vorher gespielt hatten“, beschrieb Kernebeck die Situation. Besonders in diesem Moment sei es darum gegangen, das richtige Mittel aus Ausspannung und Ruhe zu finden. „Das war schon heikel“, erinnert sich der Coach an die Situation, die seine Mannschaft meisterte. Die Badener bekamen im richtigen Moment die Kurve und drifteten nicht mehr von der Siegerstraße ab.

Im Grunde hatte Kernebeck sein Team schon vor dem Spiel in die richtige Bahn gelenkt. „Ich habe den Jungs vor dem Anpfiff gesagt, dass gewinnen gar nicht so schwer ist“, erzählte der Trainer. „Natürlich geht das nicht von alleine, aber wenn man alles abfordert, dann schon.“ Das sei seinem Team gelungen, weshalb der Trainer auch „super erleichtert“ war. Wichtig sei ihm zudem, dass es diesmal seine Mannschaft war, die keinen Satz abgegeben hat. „Dieses 3:0 ist ein gutes Zeichen.“ Aus diesem Resultat würden seine Spieler noch mehr Selbstvertrauen ziehen können, als aus einem 3:1- oder 3:2-Erfolg.

Am liebsten würden die Badener nun am kommenden Wochenende gleich weiterpunkten. Daraus dürfte jedoch nichts werden. Angesetzt ist das Heimspiel gegen den USC Braunschweig, den aktuellen Vorletzten der 2. Bundesliga Nord. Aufgrund behördlicher Anordnung ist dem USC aber seit November das Training untersagt. Daher wurden bereits vier Spiele der Braunschweiger abgesetzte und werden neu terminiert. Kerne­beck rechnet fest damit, dass dies nun auch mit dem Duell des TVB gegen Braunschweig geschieht. „Wobei es natürlich schön wäre, gleich weitermachen zu können“, findet der TVB-Coach.

Die wahrscheinliche Spielverlegung sollte am Sonntag jedoch keine große Rolle einnehmen. Größer war die Freude darüber, die rund 450 Kilometer auf der Autobahn mit drei Punkten im Gepäck zurücklegen zu dürfen – und mit dem Wissen, dass zu Hause gut gelaunte Fans warten.

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