Volleyball 2. Bundesliga

Einmal auf links gedreht

Der TV Baden soll am 20. September mit einem Heimspiel gegen den SV Warnemünde in die Saison starten. Die Fans, die an diesem Tag in die Halle dürfen, müssen sich allerdings mit Veränderungen anfreunden.
21.08.2020, 18:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Einmal auf links gedreht
Von Florian Cordes
Einmal auf links gedreht

Dicht zusammensitzende Zuschauer bei einem Heimspiel des TV Baden – dieses Bild wird es in der neuen Zweitliga-Saison in der Lahofhalle erst einmal nicht geben.

Björn Hake

Das Gesicht von Werner Kernebeck während der Heimspiele des TV Baden zu sehen, ist für die Zuschauer kaum möglich. Schließlich blickt der Trainer des Zweitligisten aufs Feld, steht dadurch mit dem Rücken zum Publikum. Gleiches gilt für die Ersatzspieler. Künftig können die Fans das Mienenspiel des TVB-Coaches aber besser beobachten. Denn wegen der Corona-Auflagen wird es bei den Auftritten des TV Baden in der Lahofhalle einige Veränderungen geben. Der Verein hat ein Konzept erarbeitet, damit der Spielbetrieb auch in Baden wieder aufgenommen werden kann. Wie das genau aussieht, soll sich am 20. September zeigen. An diesem Tag will der TVB seine Saison mit einem Heimspiel gegen den SV Warnemünde eröffnen.

Eine Sache wird dem Stammpublikum sofort ins Auge springen, wenn es die Lahofhalle betritt: Ein Inhalt des Konzeptes ist, dass das Spielfeld quasi auf links gedreht wird, um größere Abstände zu schaffen. „Der Stuhlschiedsrichter wird mit dem Rücken zu den Zuschauern stehen. Die Auswechselspieler werden wiederum auf der Kabinenseite sitzen“, erklärt Badens Manager Peter-Michael Sagajewski den Seitentausch der Protagonisten.

Nicht nur, dass die Auswechselspieler auf der Tribünenseite auf ihren Einsatz gewartet haben, war in den vergangenen Jahren in der Lahohalle so etwas wie ein festgeschriebenes Gesetz. Fester Bestandteil der Spieltage war auch eine Zehn-Minuten-Pause zwischen den Sätzen zwei und drei. Diese nutzten Sagajewski und Co. gerne, um den Eventcharakter bei den TVB-Heimspielen noch mehr hervorzuheben. Um den Fans die Wartezeit zum nächsten Aufschlag zu verkürzen, gab es Vorführungen oder Gewinnspiele. „Doch die Zehn-Minuten-Pause fällt fürs Erste weg“, bedauert Sagajewski. „Dass die Showeinlagen ausfallen müssen, tut schon weh.“

Bloß keine Geisterspiele

Ein anderer Aspekt macht den Manager hingegen wieder glücklich. „Wir werden Zuschauer in die Halle lassen“, kündigt er an. Fans auf der Tribüne lassen die aktuellen Corona-Verordnungen zu. Wie viele Fans schlussendlich in die Lahofhalle Zutritt erhalten, wird sich noch zeigen. Eine genaue Ziffer konnte Peter-Michael Sagajewski noch nicht nennen. „Wovon ich überhaupt nicht träumen will, sind Geisterspiele“, sagt er allerdings. Peter-Michael Sagajewski weiß, dass die Atmosphäre in der Lahofhalle, die in den vergangenen Jahren so häufig zum Tollhaus geworden ist, in Corona-Zeiten eine andere sein wird. Eine „gespenstische Stimmung“ vor komplett leeren Rängen möchte der Manager jedoch keinesfalls erleben. Gleiches gilt für die Mannschaft. Sagajewski geht jedoch davon aus, dass das Team mit der ungewohnten Atmosphäre gut umzugehen wisse: „Ich denke nicht, dass die Jungs davon großartig beeinträchtigt werden. Sie werden sich voll und ganz auf die Spiele konzentrieren. Wir gehen jetzt ins dritte Zweitliga-Jahr. Da haben sich viele Dinge eingespielt.“

Damit der Aufschlag in die Saison 2020/2021 gelingt, musste der TVB aber nicht nur ein vereinseigenes Konzept erarbeiten, welches von den zuständigen Behörden genehmigt werden musste. Die Grundlage für einen national einheitlichen Spielbetrieb hat der Dachverband Volleyball Bundesliga (VBL) geliefert – und zwar mit dem „Konzept zur Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs“. Ganz oben steht: die Reduzierung von Infektionsrisiken. Aus diesem Grund sollen strenge Abstands- und Verhaltensregeln in den Hallen gelten. Weiter sieht das 65 Seiten umfassende VBL-Konzept vor, dass es verschiedene Zonen in den Sportstätten geben soll. Damit wird das Ziel verfolgt, dass sich nicht zu viele Menschen begegnen. Zudem will die VBL mit ihrem Schreiben vergleichbare Bedingungen für Aktive, bestmöglichen Schutz für alle Beteiligten und Regeln für die Zulassung von Zuschauern schaffen.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Grundlage vorhanden ist, um die notwendigen Genehmigungen vor Ort einzuholen und den Spielbetrieb im September starten zu können. Ich möchte aber an alle Beteiligten appellieren, im Umgang mit der Zulassung von Zuschauern vorsichtig, bedacht und wohl überlegt vorzugehen und sich langsam an die jeweils vorgegebenen Maximalwerte heranzutasten“, wird VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung auf der Internetseite der VBL zitiert.

Keine 100-prozentige Sicherheit

Die VBL erklärt darüber hinaus, dass das Papier keine 100-prozentige Sicherheit für Vereine und Aktive bieten könne. „Es wurde erarbeitet, um die Aufnahme des Spielbetriebs in der VBL unter Berücksichtigung der anhaltenden Covid-19-Pandemie sicherzustellen“, heißt es vonseiten des Dachverbands. Jung ergänzt: „Da der Verlauf der Corona-Pandemie trotz aller risikominimierender Maßnahmen unvorhersehbar ist, werden wir mit dem Konzept auf Sicht fahren und im Saisonverlauf prüfen, ob Anpassungen in die eine oder andere Richtung notwendig oder möglich sind.“

Fakt ist aber: Spieler und Fans müssen sich zunächst mit Veränderungen anfreunden. Und in Baden wird ein Teil des Konzepts dem Stammpublikum sofort ins Auge springen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+