Volleyball 2. Bundesliga Punkt gegen Bitterfeld ist balsam für die Seele des TV Baden

Der TV Baden hat gegen den VC Bitterfeld-Wolfen einen ersehnten Punkt geholt. Für Trainer Werner Kernebeck ist dieser Zähler nicht nur für das spielende Personal wichtig.
01.02.2021, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Punkt gegen Bitterfeld ist balsam für die Seele des TV Baden
Von Florian Cordes

Es wäre definitiv besser, diesen Gedanken gar nicht erst aufkommen zu lassen. Vermeiden lässt es sich aber nicht. Man mag sich gar nicht vorstellen, was am Sonnabend in der Lahofhalle los gewesen wäre, gäbe es diese verdammte Pandemie nicht. Wer schon einmal ein Fünfsatzmatch des TV Baden live verfolgt hat, der kennt diese Stimmung: Die Bässe wummern aus den Lautsprecherboxen, die Fans peitschen das Team vor jedem Aufschlag mit lauten Rufen an. Klatschpappen werden derart malträtiert, sodass ihnen droht, das Spielende nicht mehr zu erleben.

Nun herrschte im Heimspiel gegen den VC Bitterfeld-Wolfen einmal mehr Ruhe auf der Tribüne der Lahofhalle. Nur eine Sache erinnerte an die Vor-Pandemie-Stimmung: Die Bässe aus den Lautsprechern wummerten in Richtung Spielfeld. Geisterspiele sind seit November Alltag in der 2. Volleyball-Bundesliga. Die Fans des TVB können ihre Mannschaft wegen der Auflagen nur von zu Hause per Livestream verfolgen und unterstützen. Fakt ist: Die Anhänger des TVB hätten dem Fünfsatzkrimi, den die Badener nur knapp mit 2:3 verloren haben, die ganz besondere Würze verpasst.

Angesprochen auf das Fehlen der Zuschauer bei solch einem spektakulären und gleichzeitig dramatischen Aufeinandertreffen, blitzte im Blick von Werner Kernebeck durchaus ein wenig Wehmut auf. „Das war in der Tat so ein richtiges Baden-Spiel“, sagte der Coach des TVB mit Hinblick auf den Verlauf der Begegnung. Diese „Baden-Spiele“ hat es in der Vergangenheit zuhauf gegeben – inklusive der Stimmung im Lahof. Doch was macht sie? Es sind vor allem die Partien, in denen die Kernebeck-Crew auch in solchen Situationen zurückschlägt und Spannung aufbaut, in denen ihnen das Spiel scheinbar entgleitet.

Diese Willensstärke haben die Badener gegen Bitterfeld-Wolfen gleich mehrfach gezeigt: In Satz zwei bogen sie einen 17:21-Rückstand noch um. Nach dem schwachen dritten Durchgang, den der VC Bitterfeld-Wolfen mühelos mit 25:14 gewann, kamen die Gastgeber umso stärker zurück und dominierten Satz Nummer vier. Und auch im Tiebreak legten sie nach einem 8:11 noch einmal eine Aufholjagd ein – für den Sieg hat es dennoch nicht gereicht.

Insgesamt verpasste die knappe Niederlage dem Trainer des TV Baden ein sehr gutes Gefühl. Schließlich haben die Badener in dieser Saison schon einige Partien klar verloren. Es sei enorm wichtig gewesen, dass es gegen den VC Bitterfeld-Wolfen nun wieder zu solch einem packenden Duell kam, meinte Werner Kernebeck – obwohl es am Ende „nur“ ein Zähler und nicht mehr wurde. „Dieser Punkt ist gut für die Seele“, sagte Kernebeck. Oder anders ausgedrückt: Er ist Balsam für das Gemüt.

Das galt zum einen für die Männer, die gegen den VC Bitterfeld-Wolfen auf dem Feld standen oder auf der Auswechselbank auf ihren Einsatz warteten. Denn über allzu viele Punktgewinne freute sich die Mannschaft in dieser Saison noch nicht. Werner Kernebeck vergaß im Moment des Teilerfolges aber auch das Team hinter dem Team nicht. Jene Menschen, die in Baden den Spielbetrieb oder die Liveübertragungen im Internet während dieser von Corona geprägten Saison ebenso möglich machen. Auch all die Helfer hätten den Punkt herbeigesehnt und sich verdient.

Tatkräftig mitgeholfen, dass sich in der Lahofhalle trotz zweieinhalbstündiger Spielzeit eine kurzweilige Partie entwickelte und der Punkt für die Seele gewonnen wurde, hatte Alexander Decker. Der 22-jährige Außenangreifer war einer der besten Badener und wurde zu Recht zum wertvollsten Spieler des TVB ernannt. So richtig freuen konnte er sich zunächst aber nicht. Lieber hätte er sicher das Spiel und nicht die persönliche Auszeichnung gewonnen. Genau dieser Ehrgeiz, den Decker an den Tag legte, imponierte Kernebeck.

Alexander Decker, der zu Saisonbeginn noch beim TV Baden II eingeplant war, hat seit seinem Comeback in der ersten Mannschaft nicht zum ersten Mal überzeugt. Mittlerweile erreicht er durchaus wieder das Niveau, das er während der Premieren-Saison in der 2. Liga des TV Baden regelmäßig gezeigt hat. Kein Wunder, dass Kernebeck auch aus diesem Grund nach dem Spiel gegen Bitterfeld-Wolfen glücklich war: „Wir sind einfach froh, dass wir Alex haben.“

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