Stadt-Land-Spielt in Achim

Von Prototypen und Klassikern

Anlässlich der Aktion „Stadt-Land-Spielt“ hatte der Achimer Brettspiele-Club zum Zocken und Ausprobieren geladen. Gespielt werden konnten dabei auch einige Spiele, die noch gar nicht auf dem Markt sind.
08.09.2019, 18:33
Lesedauer: 2 Min
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Von Prototypen und Klassikern
Von Marius Merle

„Die wandelnden Türme“ – so lautet der Titel eines Gesellschaftsspieles, das es so noch nirgends zu kaufen gibt. Gespielt werden konnte es am Sonntag im Laurentius-Haus in Achim trotzdem. Der Achimer Brettspiele-Club (ABC) hatte anlässlich des Aktionstages „Stadt-Land-Spielt!“ alle Interessierten eingeladen, sich an der vielfältigen Spielauswahl vor Ort zu bedienen und nach Lust und Laune mit Würfeln, Karten, Spielsteinen und allen sonst denkbaren Spielutensilien ein paar vergnügliche Stunden zu verbringen. Und da mit Michael Kiesling und Andreas Spies auch zwei Spieleautoren vor Ort waren, die einige Prototypen im Gepäck hatten, durften die Besucher auch Spiele kennenlernen, auf die andere Freunde der Gesellschaftsspiele noch warten müssen.

Doch das ist nicht nur für die Spieler etwas Besonderes, sondern auch für die Entwickler. Denn: „Man kann ein Spiel gar nicht oft genug ausprobieren“, erzählte Kiesling. Die ehrlichen Rückmeldungen von Leuten, die die eigene Spielidee ausprobieren, seien in der Entwicklungsphase sehr wichtig. Dafür sind oftmals auch gar nicht viele Worte im Nachhinein nötig. „Man merkt es schon an den Emotionen während des Spiels, wie es ankommt“, weiß der erfahrende Spieleautor aus Achim, der schon dreimal den begehrten Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ gewinnen konnte – letztmals für „Azul“ 2018. Eine Weiterentwicklung von diesem Spiel hatte er ebenfalls als Prototyp dabei, wobei Kiesling verriet, dass diese sehr bald auch auf dem Markt erscheinen werde.

Spies brachte drei neue Spieleprototypen mit nach Achim. „Die sind so gut wie fertig, die müssen nur noch zu den Verlagen“, kündigte der Entwickler den nächsten Schritt an. Im Trend seien aktuell besonders „einfache Spiele“, die nur etwa 15 bis 20 Minuten pro Runde dauern. Letztlich einen Verlag zu finden, der das Spiel herausbringt, könne aber mitunter schwierig sein. Denn Spies schätzt, dass jährlich weltweit rund 1200 neue Spiele auf den Markt drängen. Ganz so groß war die Auswahl für die Besucher im Laurentius-Haus nun nicht, aber trotzdem hatten sie die Qual der Wahl. Und so wurde an einem Tisch etwa eine Air-Hockey-Variante gespielt, während an einem anderen vier Spieler in „Azul“ vertieft waren und wiederum andere versuchten sich an einem der Prototypen. Im Obergeschoss ging es derweil sogar um etwas mehr als nur den Spaß an der Freude. Dort bot der ABC ein Qualifikationsturnier zur deutschen Meisterschaft im Würfelspiel „Qwixx“ an.

Bernhard Schwartz vom Brettspiele-Club stand derweil in den Räumlichkeiten im Untergeschoss, wo neben Spielspaß auch noch ein Flohmarkt mit Gesellschaftsspielen lockte, bei Fragen zu Spielen Rede und Antwort und freute sich über das bunt gemischte Publikum. „Auch viele Familien kommen vorbei, allgemein werden Brettspiele wieder beliebter“, betonte er, dass auch die Jüngeren wieder mehr auf Klötzchen statt Spielkonsole setzen. Natürlich habe der ABC bei der Veranstaltung zu „Stadt-Land-Spielt!“ den Vorteil gegenüber anderen Veranstaltern, Spieleautoren vor Ort zu haben. „Das ist schon eine spannende Sache“, sagte Schwartz.

So können Spielebegeisterte auch erfahren, wie lang der Weg manchmal von der Idee bis zur Marktreife sein kann. „Die wandelnden Türme“ etwa, ein Gemeinschaftsprojekt von Kiesling und Kollegen Wolfgang Kramer, ist alles andere als eine neue Idee. „Das haben wir schon seit Jahren am Wickel“, erzählte Kiesling. Doch eine kleine, aber entscheidende Veränderung zuletzt habe erst dafür gesorgt, dass „wir zufrieden sind“. Nun gehen sie davon aus, bald auch einen Verlag für das Spiel finden zu können.

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