Erkältung lässt sich mit einfachen Mitteln bekämpfen / Bei Grippe den Arzt aufsuchen Vorbeugung durch Vitamine

Landkreis. Husten, Schnupfen, Heiserkeit - die Erkältungswelle rollt. Wir haben Experten gefragt, wie man sich vor Ansteckung schützen kann und was zu tun ist, wenn Viren oder Bakterien bereits zugeschlagen haben. Zwei Ärzte und zwei Apothekerinnen, der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Bernhard Krüger, und der Verdener Heilpraktiker Bernd Stegmann geben Tipps.
28.10.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Krekemeyer

Landkreis. Husten, Schnupfen, Heiserkeit - die Erkältungswelle rollt. Wir haben Experten gefragt, wie man sich vor Ansteckung schützen kann und was zu tun ist, wenn Viren oder Bakterien bereits zugeschlagen haben. Zwei Ärzte und zwei Apothekerinnen, der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Bernhard Krüger, und der Verdener Heilpraktiker Bernd Stegmann geben Tipps.

Vor der Umfrage unter den Fachleuten verrieten uns Passanten in der Fußgängerzone ihre Hausmittel gegen Erkältung und Grippe (Seite 3) - und siehe da: Laien wie Experten empfehlen zur Vorbeugung gleichermaßen, vor allem auf eine vitaminreiche Ernährung zu achten. Durch frisch zubereitetes saisonales Obst und Gemüse könne der Vitamin-C-Bedarf gedeckt werden, so der Achimer Allgemeinmediziner Georg Kramann. "Das meiste, was an Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln zu kaufen ist, kann man sich sparen", sagt er.

Vera Neumann von der Hansa-Apotheke in Achim meint, dass ein generell gesunder Mensch zur Vorbeugung keine Medikamente und chemische Substanzen brauche. Wichtig sei es vielmehr, viel zu trinken. Warme Getränke und Lutschbonbons für den Hals hielten die Schleimhäute feucht und verhinderten, dass sich vermehrt Krankheitserreger ansiedeln.

Bernhard Krüger rät außerdem dringend zur Bewegung. Wer sich viel an der frischen Luft aufhalte, habe gute Chancen, gesund durch den Winter zu kommen. Der Naturmediziner Bernd Stegmann stimmt dem zu. Für eine "grundsätzliche Stärkung des Immunsystems" sei körperliche Betätigung unabdingbar.

Wen es aber doch erwischt hat, sollte nach übereinstimmender Empfehlung der Fachleute bestimmte Regeln beachten. Krüger beispielsweise weist darauf hin, möglichst in die Armbeuge statt in die Hand zu niesen. So könne man vermeiden, andere Menschen anzustecken. "Erkältungen werden durch Tröpfcheninfektion übertragen", sagt der Verdener Allgemeinmediziner Dieter Frohne vorsichtshalber für alle, die das noch nicht wissen. "Es ist außerdem sinnvoll, sich häufiger als sonst die Hände zu waschen", betonen Krüger und Frohne übereinstimmend.

"Typische Symptome einer Erkältung sind Schnupfen, Husten, Heiserkeit", sagt Bernhard Krüger. Ines Mühlhäuser von der Nordertor-Apotheke in Verden meint, dass eine Erkältung in den meisten Fällen auch ohne Besuch beim Arzt in den Griff zu bekommen sei. Ausnahmen: "Bei kleinen Kindern und anderen Personen, die den sogenannten Risikogruppen zuzurechnen sind, sollte man bei einer schweren Erkältung mit Fieber besser einen Arzt aufsuchen", so die Apothekerin. Zur Risikogruppe zählen unter anderem chronisch Kranke, Schwangere und Menschen, die das 60. Lebensjahr überschritten haben.

"Bei einer Erkältung kann man als Mediziner nur symptomorientiert handeln", meint der Achimer Arzt Kramann. Sein Verdener Kollege Frohne führt aus, dass man zunächst mit pflanzlichen Husten- und Schleimlösern behandeln könne. Vera Neumann rät ihren Kunden zu Thymianprodukten. Thymian sei in Tablettenform, als Saft oder als Tee zu erhalten und wirke in Verbindung mit viel Flüssigkeit als natürlicher Schleimlöser. Bei Husten, der sich bereits festgesetzt habe, oder wenn die Bronchien in Mitleidenschaft gezogen seien, gebe es auch stärkere Mittel, die Linderung verschaffen und das Abhusten erleichtern, erzählen die Mediziner.

"Meinen Patienten sage ich darüber hinaus immer: Seid geduldig", erzählt Georg Kramer. Wer könne, solle sich schonen, um seinem Körper die Chance zu geben, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Bernd Stegmann: "Auch wenn das im Arbeitsleben oftmals mit Schwierigkeiten verbunden ist, sollte man versuchen, Stress zu minimieren". Wenn ein Mensch insgesamt unter starker Belastung stehe, würde es mit der Genesung wesentlich länger dauern.

Um Zeit geht es auch bei dem Tipp, den die beiden Apothekerinnen für alle Erkälteten haben: Inhalieren. Diese Methode trägt auch nach Auffassung von Bernhard Krüger zu einer schnelleren Gesundung bei: "Wenn die Schleimhäute angeschwollen sind, macht Inhalieren die Atemwege freier."

Bei der Straßenumfrage umstritten waren die vorbeugenden Grippeschutzimpfungen, und auch unter den Fachleuten gibt es dazu verschiedene Meinungen. Bernhard Krüger hebt zunächst hervor, dass grundsätzlich zwischen einer "bloßen Erkältung" und einer Grippe unterschieden werden müsse. Während bei einer Erkältung die Symptome relativ einfach bekämpft werden könnten, sei eine Grippe eine ernstzunehmende Erkrankung. Bestimmte Personengruppen sollten sich daher besser impfen lassen.

Dieter Frohne empfiehlt die Impfung sowohl den Risikogruppen als auch allen, die häufig in Kontakt mit anderen Menschen kommen. Darunter fielen beispielsweise Erzieherinnen oder Lehrer und Verkäufer im Einzelhandel. Diese seien nicht nur besonders gefährdet, selbst zu erkranken, sondern würden auch in kurzer Zeit viele weitere Menschen anstecken können.

Ähnlich sieht es die Achimer Apothekerin Neumann. Sie selbst allerdings lasse sich nicht impfen, weil sie noch nie an Grippe erkrankt sei. Heilpraktiker Bernd Stegmann steht der Schutzimpfung kritisch gegenüber. Zu ihm kämen immer wieder Patienten, die erst durch die Impfung an Grippe erkrankt seien. Das sei zwar nicht die Regel, doch die Gefahr bestehe. Letztendlich müsse jeder für sich entscheiden, ob er sich impfen lasse oder nicht.

Siehe auch Umfrage Seite 3

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