Wahl des Achimer Stadtrats

Gute Laune bei den Grünen

Vorerst gibt es drei Einzelkämpfer im neuen Achimer Stadtrat. Gut möglich also, dass sie mit anderen Ratsleuten oder Fraktionen Gruppen bilden, um mehr bewegen zu können.
13.09.2021, 15:38
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Gute Laune bei den Grünen
Von Kai Purschke
Gute Laune bei den Grünen

Anstoßen auf den Erfolg konnten die Achimer Grünen am Wahlabend – sie verzeichneten Zuwächse und freuen sich über sieben Ratssitze.

Björn Hake

Machtwechsel im Achimer Stadtrat: Die CDU ist nun die stärkste Fraktion, sie bekommt künftig zwölf Sitze, hatten die Christdemokraten bei der Kommunalwahl doch 30,4 Prozent der Stimmen holen können. Trotz leichter Verluste gegenüber dem Jahr 2016 reichte das Ergebnis, um die SPD vom Thron verdrängen zu können, die mit 29,01 Prozent nun elf Sitze bekommen wird. Als Gewinner dürfen sich die Grünen fühlen, die gegenüber 2016 ihr Ergebnis um mehr als vier Prozentpunkte verbessern konnten und dafür mit sieben Sitzen belohnt werden. Als vierte Fraktion zieht die FDP in den neuen Rat ein, drei Sitze bekommt sie für ihre 8,08 Prozent. Erstmals wird nun auch die Alternative für Deutschland (AfD) Politik im Achimer Rat machen (5,13 Prozent), zwei Sitze entfallen auf sie. Die Wählergemeinschaft Achim (WGA) dagegen muss sich von ihrer Fraktionsstärke verabschieden, bekommt für ihre 3,98 Prozent nur noch einen Sitz statt drei – ebenso erhalten die Freien Wähler und die Linke je einen Sitz im Rat.

Die beste Laune dürften an diesem Wahlabend die Achimer Grünen gehabt haben, die zum einen die Bürgermeisterwahl (siehe Seite 2) ohne eigenen Kandidaten ganz entspannt verfolgen und sich zudem über Stimmenzuwächse freuen konnten. Dementsprechend zufrieden war ihr Vorsitzender Dennis Reimers dann auch am Tag danach. "Insbesondere weil wir uns zuvor komplett neu aufgestellt hatten", sagte er und erklärte, dass das Ergebnis der Grünen auch deshalb bemerkenswert sei, weil sie ohne ihre "Zugpferde" Silke Thomas und Peter Bartram angetreten waren. "Aber mit Saskia Zwilling (685 Direktstimmen) und Marcel Ditzfeld (434 Direktstimmen) haben gerade die jungen Leute am meisten Stimmen geholt", freute er sich. Ebenso darüber, dass es Dorothee Danèl (186 Listenstimmen) "aus dem Stand heraus in den Rat geschafft hat". Sie war über das Mentoring-Programm "Frauen in die Politik" zu den Grünen gestoßen, die nun mit vier Frauen und drei Männern im Rat vertreten sind. "Auch das ist super: 57 Prozent Frauenanteil", frohlockte Reimers.

Weniger super schaute die Laune am Montag bei Wilfried Hirschmann, Vorsitzender der SPD Achim, aus. Die Genossen hatten gehofft, dass sie im Stadtrat weiterhin die erste Geige spielen, was nicht geklappt hat. Und auch, dass ihre Bürgermeisterkandidatin Cornelia Schneider-Pungs knapp die Stichwahl verfehlt hat, wurmte die Sozialdemokraten. Angesprochen auf den Ratsneuling AfD sagte Hirschmann, dass er den Einzug der Partei persönlich bedauere, aber dass dies der Wählerwille sei. Die SPD müsse und wolle daher "die Leute abholen" und sie unter anderem mit ehrlichen Argumenten überzeugen. Cornelia Schneider-Pungs mit 1918 Direktstimmen, Herfried Meyer (779 Direktstimmen) und Kathrin Bock, die es als Neuling auf 324  Direktstimmen brachte, holten die meisten Stimmen für die SPD. 

Kommunalwahlen und Bürgermeisterwahl 2021 in Achim

Auch die Achimer CDU verfolgte am Sonntagabend gemeinsam die Kommunal- und Bürgermeisterwahlen in Achim (von links): Ju?rgen Striedieck und Martin Puls.

Foto: Björn Hake

Fast ein Drittel aller Kandidatenstimmen bei der CDU entfielen auf Bürgermeisterbewerberin Nadine Fischer (2217 Direktstimmen), die somit auf jeden Fall einen Ratssitz sicher hätte, sollte es in der Stichwahl mit dem Chefsessel im Rathaus nicht klappen. Als weitere Stimmenmagnete entpuppten sich die derzeitige Fraktionsvorsitzende Isabel Gottschewsky (1102 Direktstimmen), Annameta Rippich (664 Direktstimmen), Rüdiger Dürr (603 Direktstimmen) und Volker Wrede (579 Direktstimmen). CDU-Ehrenvorsitzender Dürr fasste den Wahlausgang zusammen: "Ich male einen lächelnden Smiley dahinter". Die CDU habe Nadine Fischer in die Stichwahl bekommen und dürfe als größte Ratsfraktion den Posten des Ratsvorsitzenden besetzen. "Das ist für die Außendarstellung auch nicht zu verachten", sagte Dürr, der die eigene Fraktion als "spannende Mischung" aus erfahrenen Kräften und Ratsneulingen einstuft. Er rechnet damit, dass es noch Gruppierungen geben könnte, da man es als Einzelkämpfer im Rat schwer habe. 

Mit Blick auf die Wählergemeinschaft Achim (WGA) hat allerlei politische Beobachter verwundert, dass sowohl Wolfgang Heckel als auch Michael Heckel es nicht wieder in den Stadtrat geschafft haben. Sie verpassten ihr großes Ziel ebenso wie Wolfgang Mindermann, der erneut als parteiloser Einzelbewerber ins Rennen gegangen war. Die FDP erhält mit drei Sitzen weiter ihre Fraktionsstärke, wobei Gero Hocker, der in zwei Wochen ja auch bei der Bundestagswahl antritt, mit 337 Direktstimmen den meisten Zuspruch bekam. 

Wie Claudia von Kiedrowski von der Achimer Stadtverwaltung mitgeteilt hat, waren neben rund 300 Wahlhelfern in den Wahllokalen etwa 70 Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit der Auszahlung der Briefwahl beschäftigt. Weitere Beschäftigte waren im Rathaus für die Erfassung der Ergebnisse, für die Abgabe der Wahlunterlagen und für andere Aufgaben im Einsatz.

Zur Sache

Die vorläufige Achimer Rat:

CDU (12): Nadine Fischer, Annameta Rippich, Rüdiger Dürr, Seman Papazoglu, Martin Puls, Antonia Heise, Isabel Gottschewsky, Volker Wrede, Katja Otten, Jürgen Striedieck, Hans-Michael Paulat, Rafal Korpethei.

SPD (11): Herfried Meyer, Kathrin Nock, Werner Meinken, Werner-Dieter Wippler, Fritz-Heiner Hepke, Cornelia Schneider-Pungs, Petra Geisler, Özgür Görmez, Wilfried Hirschmann, Paul Brandt, Helmut Masemann.

Bündnis 90/Die Grünen (7): Ute Barth-Hajen, Jürgen Kenning, Dorothee Danèl, Saskia Zwilling, Marcel Ditzfeld, Michael Schröter, Christine Vornholt.

FDP (3): Gero Hocker, Roland Kern, Hans Jakob Baum.

AfD (2): Martin Hanssen, Sebastian Dahlweg.

Die Linke (1): Jan-Oliver Kornau.

Freie Wähler (1): Marcel Dominic Bandowski.

WGA (1): Johann Meyer.

Der 39. Sitz im Rat ist mit dem Bürgermeisteramt verbunden.

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