Workshop im Achimer Kasch

Warum der Schleier vielen fremd ist

Der Schleier und sein Einsatz in den verschiedensten Bereichen war Thema im Achimer Kasch. Unter Mitwirkung syrischer Flüchtlinge wurden vier szenische Darstellungen aufgeführt.
24.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von GISELA ENDERS
Warum der Schleier vielen fremd ist

Mit verschiedensten Vermummungstechniken setzten sich die Workshop-Teilnehmer mit dem Thema Verschleierung auseinander. Die Mini-Aufführung beinhaltete vier szenische Darstellungen.

Björn Hake

Gesicht zu zeigen gehört zu unserer Gesellschaft, Verschleierte erscheinen als verschworene Gemeinschaft und werden oft als Bedrohung wahrgenommen von denen, die nichts zu verbergen haben. Am Montagabend nutzten Mitglieder des Bremer Theater-Kollektivs „Gefährliche Liebschaften“ unter der Leitung von Silvan Stephan, Ehrenamtliche des Treffs „F“ unter Mitwirkung von GamMa-Schülern und syrische Flüchtlinge die Bühne des Kasch, um das Thema in einem anderen Kontext zu beleuchten.

„Als Alternative zu den verschiedenen Willkommens-Cafés in der Region haben wir allen Geflüchteten die Teilnahme am Treff ,F’ angeboten, der an jedem Montagabend ab 19 Uhr hier im Hause stattfindet“, erklärte Franziska Faust, zuständig für den Bereich Theater im Kasch. Mit der Einbindung berufstätiger jüngerer Ehrenamtlicher und der Aufarbeitung konkreter Themen sollten eine stetige Weiterentwicklung des zunächst niedrigschwelligen Angebotes erreicht und die kulturelle und sprachliche Verständigung ausgebaut werden. „Der Schleier, der in so vielen Bereichen seinen Einsatz findet, wird heute unser Thema sein.“

Der Mini-Aufführung von vier szenischen Darstellungen zum Thema war nur eine sehr kurze Zeit der Vorbereitung vorausgegangen. Lediglich zwei Workshop-Tage mit jeweils vier Stunden standen den jungen Mimen, unter ihnen drei Syrer, zur Verfügung. Sie nutzten die Zeit für Skizzen, Entwürfe und Gespräche, schufen sowohl fantasievolle als auch Angst einflößende Kreationen, entwickelten Ideen zu deren Präsentation und setzten diese teilweise tänzerisch um.

Die Zusammenarbeit habe super geklappt, freute sich Silvan Stephan, viele Anregungen und interessante Sichtweisen der Beteiligten hätten die Proben bereichert. Freude am gemeinsamen Spiel äußerten dann auch Houria (27) und ihr Mann Karro (25 Jahre alt), die seit vier Monaten als Archäologie-Studenten in der Weserstadt leben und bereits jetzt über erstaunlich gute Deutschkenntnisse verfügen. Kurz vor Beginn des Theaterabends wurden alle Mitwirkenden jedoch von plötzlich auftretendem Lampenfieber geplagt und baten um Verständnis für ihren Wunsch nach einer nochmaligen Probe.

Unter den Zuschauern im Kinosaal des Kulturhauses Alter Schützenhof befanden sich an diesem Abend auch Mitglieder eines Religionskurses des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums, die gemeinsam mit Lehrerin Sabine Zabel ihren Blick auf das Miteinander der Kulturen vertiefen wollten.

Nach einem möglichen Engagement in der Flüchtlingsarbeit gefragt, reagierten die Schüler jedoch zurückhaltend. „Uns bleibt neben der Arbeit für die Schule kaum noch Zeit“, berichteten die Elftklässler Johanna Hornemann und Benjamin Weresczynski. „Wir möchten uns aber anschauen, wie die Flüchtlinge hier leben und wie sie miteinander umgehen“.

Obwohl Schleier und Masken auch in Deutschland in vielen Bereichen zum Alltag gehören – man denke dabei an Hochzeiten, den Schutz der Imker vor Bienen, die Arbeit der Feuerwehr und alemannische Fastnachtsmasken – sorgen Verhüllungen, die das Wesen des Menschen verbergen, immer wieder für Unmut, Abwehr und auch Aggressionen. Diese Erfahrung mussten auch die Mitglieder des Workshops machen, die sich in ihrer Verkleidung als Captain America, als komplett Vermummter oder mit Jakobiner-Mütze behütet und Tuch vor dem Mund auf den Marktplatz gewagt hatten. „Die Leute haben vielfach vor sich hingeschimpft“, wussten sie zu berichten, Passanten hätten nicht auf einfache Fragen oder Bitten reagiert und auch schon mal die Straßenseite gewechselt.

Franziska Faust zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Abends und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Im Anschluss an die Bühnenpräsentation bestand Gelegenheit, sich im gemeinsamen Gespräch zum Thema auszutauschen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+