Frei und kostenlos zugänglich

Warum es in Achim bald mehr öffentliche Toiletten geben könnte

Achim beteiligt sich an einem Projekt der Mittelweser-Touristik: der freundlichen Toilette. Die Betriebe in der Innenstadt sollen dadurch ermuntert werden, ihre Toiletten kostenlos zugänglich zu machen.
14.01.2020, 20:34
Lesedauer: 3 Min
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Warum es in Achim bald mehr öffentliche Toiletten geben könnte
Von Elina Hoepken
Warum es in Achim bald mehr öffentliche Toiletten geben könnte

Das kleine Häuschen am Baumplatz ist derzeit noch eine der wenigen öffentlichen Toiletten in der Achimer Innenstadt.

Björn Hake

Drei öffentliche Toiletten gibt derzeit im Innenstadtbereich in Achim – eine auf dem Baumplatz, eine in der Marktpassage und eine im Achimer Rathaus. Aus Sicht von Anneke Luig vom Stadtmarketing ist das zu wenig, zumal zwei der drei Toiletten eben nur zu den jeweiligen Öffnungszeiten der Gebäude genutzt werden können. Aus diesem Grund will sich die Stadt an einem Projekt beteiligen, das gemeinsam mit den übrigen Kommunen der Mittelweser und der Mittelweser-Touristik ins Leben gerufen worden ist: die freundliche Toilette.

„Unsere Toilette ist für Sie kostenfrei“ prangt in roten Buchstaben auf dem gelben Aufkleber, den sich nach Hoffnung von Luig möglichst viele Betriebe im Bereich der Innenstadt in ihre Fenster kleben sollen. Der Aufkleber dient den Besuchern der Innenstadt als Leitsystem und Hinweis, dass in dem jeweiligen Ladenlokal die Toilette umsonst aufgesucht werden darf. „Das Projekt ist angelehnt an die bundesweite Aktion ,nette Toilette'“, erklärt Luig. Allerdings mit einer Einschränkung: Bei der „freundlichen Toilette“, wie sie in Achim umgesetzt werden soll, erhalten die beteiligten Betriebe keine Aufwandsentschädigung. „Eine Beteiligung an der schon länger bestehenden Aktion 'nette Toilette' wäre für uns als Stadt mit einem hohen bürokratischen und natürlich auch finanziellen Aufwand verbunden“, erklärt Luig.

Ein „Zeichen der Gastfreundschaft“

Dennoch ist sie überzeugt, dass sich eine Teilnahme für die Geschäfte und Gastronomiebetriebe lohnen könnte. „Es besuchen Menschen das Geschäft, die es vorher möglicherweise noch nie betreten haben“, sagt sie. „Sie können so Angebot, Sortiment und Service kennenlernen, was sie ohne den Toilettenbesuch vielleicht gar nicht entdeckt hätten. Und im Idealfall werden dann aus Nicht-Kunden bald Kunden.“ Die „freundliche Toilette“ sei somit ein Zeichen der Gastfreundschaft.

Freundliche Toilette in Achim

Diese Aufkleber soll zeigen, dass die Toilette kostenlos genutzt werden kann.

Foto: Björn Hake

Insgesamt 87 Betriebe aus dem „erweiterten Innenstadtbereich“ hat die Stadt Anfang vergangener Woche angeschrieben und für das Projekt geworben. „Alle Teilnehmer der Aktion werden auf den Webseiten der Mittelweser-Touristik und der Stadt Achim gelistet“ erklärt Luig. Die entsprechende Seite soll auch über einen QR-Code auf den Aufklebern erreichbar sein. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Aktion gut angenommen wird“, sagt Luig. In der kommenden Woche wolle sie selbst einmal durch die Innenstadt gehen und schauen, ob im einen oder anderen Fenster schon der Aufkleber angebracht ist.

Mehr Arbeit und Dreck

Möglicherweise wird sie dann schon bei der Alten Feuerwache am Bibliotheksplatz fündig. Zumindest könnte Betreiber Christian Detert sich nach eigenen Angaben vorstellen, die Aktion zu unterstützen. „Wir haben unsere Toilette schon während des Weihnachtsmarktes für alle geöffnet und werden das natürlich auch weiterhin machen“, sagt Detert. Auch wenn das für die Gastronomen natürlich mit zusätzlicher Arbeit verbunden ist. „Wenn man ehrlich ist, bedeutet es für uns zusätzlichen Dreck und zusätzliche Kosten.“ Dass auf diesem Weg auch neue Kunden gewonnen werden können, kann er sich indes für seinen Gastronomiebetrieb kaum vorstellen.

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„Die Leute, die wegen des Aufklebers zu uns kommen, haben dann in der Regel schon irgendwo anders gegessen oder wollen sich im Winter nur ein bisschen aufwärmen“, sagt er. „Als Unternehmen von dieser Aktion einen Mehrwert zu erwarten, ist Unsinn.“ Nichtsdestotrotz würde er das Projekt in Achim unterstützen. „Wenn man von den Besuchern zumindest ein ,Danke' dafür bekommt, dass sie die Toilette kostenlos nutzen durften, macht das den Aufwand schon wieder ein bisschen wett.“

Auch Uwe Rohde vom Geschäft „Incorio Lederdesign“ hält die Aktion prinzipiell für unterstützenswert. Für ihn persönlich sei es in der Praxis allerdings vermutlich nicht umsetzbar. „Von den Räumlichkeiten her ist es bei mir eher schwierig“, erklärt Rohde. Er werde allerdings – wie bisher – keinem Kunden verwehren, in seinem Geschäft die Toilette zu benutzen, wolle allerdings nicht aktiv dafür werben. Eine Zusage hat Anneke Luig allerdings nach eigenen Angaben bereits bekommen – die Friedrich Lindhorst GmbH habe ihr geschrieben, dass sie das Projekt gerne unterstützen wolle. Nun hofft Luig, dass noch viele Betriebe diesem Beispiel folgen werden.

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