Sandtrockenrasen Achim Wegenetz weiter umstritten

Eigentlich hatte sich die Politik mehrheitlich für ein öffentliches Wegenetz am Ellisee ausgesprochen. Doch jetzt meldet sich die Jagdgenossenschaft zu Wort und ist alles andere als überzeugt von den Plänen.
24.07.2019, 15:51
Lesedauer: 3 Min
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Wegenetz weiter umstritten
Von Elina Hoepken

Es könnte alles so schön sein. Die Achimer Politik hatte im Mai nach vielem Hin und Her endlich mehrheitlich beschlossen, ein öffentliches Wegenetz im Naturschutzgebiet „Sandtrockenrasen Achim“ einzurichten. Und nun kann die Verwaltung sogar die frohe Kunde überbringen, dass auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Verden das geplante Konzept für genehmigungsfähig hält. Wie berichtet, mussten die Wege für die Öffentlichkeit neu ausgewiesen werden, nachdem das Areal unter EU-Schutz gestellt worden war. Derzeit laufen noch die Detailverhandlungen mit den Grundstückseigentümern über die Nutzungsvereinbarungen und die Grundstückskaufverträge. Bis zum Ende der Herbstferien sollen jedoch auch diese abgeschlossen sein.

Jagen nur eingeschränkt möglich

So weit, so gut. Aber alle sind eben nach wie vor nicht zufrieden mit den bisherigen Plänen. In einem Brief an Bürgermeister Rainer Ditzfeld beklagt sich jetzt die Jagdgenossenschaft Bierden über das vorgesehene Wegekonzept. „Da in erster Linie Naturschutzbelange, Belange der Jagdgenossenschaft und Belange des Jagdschutzes hierdurch gravierend eingeschränkt werden, war das Ergebnis seitens der Jagdgenossenschaft Bierden so nicht hinnehmbar“, schreibt der Vorsitzende Friedhelm Mindermann. Durch die öffentliche Wegenutzung sei – unabhängig vom formalen Jagdrecht, das schon immer bestanden hat und auch zukünftig weiter bestehen wird – das Jagen im Naturschutzgebiet nicht oder nur noch sehr eingeschränkt möglich.

Daher hat die Jagdgenossenschaft der Verwaltung nun eine Alternative zum bisher angestrebten Wegenetz unterbreitet, die sich auf die heute schon im Besitz der Stadt Achim befindlichen Wegeparzellen beschränkt. Das Problem: Dieser Vorschlag entspricht exakt einer von der Politik bereits diskutierten und verworfenen Variante. Also alles wieder auf Anfang? „Für den Fall, dass der Kompromissvorschlag vollständig umgesetzt werden soll, müsste die aktuelle und intensiv diskutierte Beschlussfassung angepasst werden“, schreibt die Verwaltung in einer Mitteilungsvorlage, die in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am 20. August auf der Agenda steht.

„Die bisherige mehrheitliche Sichtweise, das Naturschutzgebiet für die Öffentlichkeit ,erlebbar‘ zu machen, würde damit nur noch sehr beschränkt Berücksichtigung finden.“ Und das ist eigentlich nicht das, was die Politik fokussiert hatte. „Die Verwaltung geht davon aus, dass dies nicht beabsichtigt ist“, heißt es daher auch in der Mitteilungsvorlage. Die Stadt hat deshalb nun ihrerseits einen Kompromissvorschlag vorgebracht. Dieser sieht vor, über eine zeitliche Einschränkung der Wegenutzung – beispielsweise von 6 bis 22 Uhr – nachzudenken.

Aus Sicht der Jagdgenossenschaft sei jedoch ein Wegenetz über die bereits im Besitz der Stadt befindlichen Parzellen „für das Erleben des dortigen Naturraumes“ durchaus ausreichend. Den Jägern sei der Schutz und die Förderung der standortheimischen, wildlebenden Pflanzen und Tiere, zu der auch das heimische Wild gehört, sehr wichtig. „Bereits jetzt sind in dem Gebiet Rehwild, Fuchs und Fasan vorzufinden“, erklärt Mindermann. „Darum ist aber auch die Förderung der Ruhe und Ungestörtheit dieses Gebietes unabdingbar.“

Anleinpflicht für Hunde

Und es gibt aus Sicht der Jagdgenossenschaft noch ein weiteres Problem: So habe man mit dem örtlichen Jagdpächter aus Achim-Bierden im Jahr 2016 einen neuen Pachtvertrag über neun Jahre abgeschlossen, in dem die Fläche des Naturschutzgebietes inbegriffen ist. „Um die Jagdverpachtung aus Sicht der Jagdgenossenschaft im gesamten Bierdener Jagdrevier weiterhin für mögliche Bewerber einigermaßen attraktiv zu erhalten, ist es notwendig, auch das Wild in diesem Gebiet zu schützen“, schreibt Mindermann. Das sei jedoch nur möglich, wenn keine Wege kreuz und quer durch das Naturschutzgebiet verliefen. Das Gebiet sei schließlich der einzige Rückzugsraum für Wild zwischen Eisenbahnlinie und der Bierdener Marsch.

Der einzige Kompromiss, auf den sich die Achimer Verwaltung und die Jagdgenossenschaft nun bisher einigen konnten, ist der, an den Wegen Hinweisschilder zur Anleinpflicht von Hunden anzubringen. Darüber hinaus wurde vereinbart, den Vorschlag der Jagdgenossenschaft noch einmal im Ausschuss vorzulegen.

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