Künstlerin Sigi Brüns und Online-Kurator Paul Kroker laden zu einer Ausstellung der besonderen Art ein

Weltenwanderer

Langwedel-Etelsen. Im Projekt von Sigi Brüns und Paul Kroker verschwinden die ohnehin zunehmend erodierenden Grenzen zwischen analoger und digitaler Welt noch weiter. Sigi Brüns ist Künstlerin aus Bremen, die in ihren Werken sowohl mit Computer und Digitalkamera als auch klassischen Methoden arbeitet.
04.05.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von David Rosengart

Langwedel-Etelsen. Im Projekt von Sigi Brüns und Paul Kroker verschwinden die ohnehin zunehmend erodierenden Grenzen zwischen analoger und digitaler Welt noch weiter. Sigi Brüns ist Künstlerin aus Bremen, die in ihren Werken sowohl mit Computer und Digitalkamera als auch klassischen Methoden arbeitet. Paul Kroker ist Vorstand von Kultur im Norden (Kuno). Der Verein hat sich der Förderung von Kunst in allen Darstellungsformen verschrieben – und setzt dabei auch auf eine breite Darstellung im Internet. So gibt Online-Kurator Paul Kroker bekannten und auch weniger bekannten Kunstschaffenden die Chance, sich einem großen und potenziell internationalen Publikum zu präsentieren.

„Wir trafen uns auf einer Ausstellung von mir und die Idee hat mir sofort gefallen“, erinnert sich Künstlerin Sigi Brüns. Es folgte eine intensive Zusammenarbeit, die beide Seiten loben. Drei Monate lang war die Ausstellung „Ateliers“ der Bremerin auf der Internetseite des Langwedeler Vereins zu sehen (www.kunoweb.de). Insgesamt konnten die Seitenbesucher vier Ateliers virtuell besuchen. Drei davon spiegelten die unterschiedlichen Schritte des künstlerischen Entstehungsprozesses wider. Auf diversen sozialen Medien verbreitete Videos erläuterten die ausgestellten Teilstücke zudem.

Im vierten Atelier war zunächst vor allem eines vorzufinden: Leere. Das vierte Digitalarchiv war offen für all die Arbeiten, der binnen der dreimonatigen Ausstellungszeit wöchentlich entstanden sind – das konnten die Website-Besucher in Echtzeit verfolgen. „Da gab es schon einen gewissen Druck“, schildert Künstlerin Brüns. „Gleichzeitig gab es aber auch keine räumlichen Grenzen und der ständige Wechsel zwischen Digitalem und Analogem gibt dem eigenen Schaffen eine ganz neue Ebene.“ Sigi Brüns fokussiert sich aktuell vor allem auf digitale Prints, Siebdrucke und Malereien, die teils auf digitaler Fotografie fundieren. Jedes einzelne Werk bedarf der vollen Aufmerksamkeit des Betrachters, die Vielschichtigkeit der Bilder und Drucke ist nur bei großer Aufmerksamkeit zu durchdringen. Oft ist ein im Alltag entstandenes Foto Grundlage der Arbeiten, die dann mit Folien und Drucken stark verfälscht werden. Das Objekt wird so mit künstlerischer Finesse ins Abstrakte verformt – und das birgt reichlich Entdeckungsmöglichkeiten für den Kunstliebhaber.

Doch nun geht es von der vornehmlich virtuellen Welt in die analoge, die wirklich greifbare Welt: Vom 5. bis 7. Mai sind mehr als 120 Exponate im ehemaligen Etelser Käsewerk (Etelser Bahnhofstraße 6) zu sehen. So finden analog und digital gefertigte Kunststücke, die digital bereits bestaunt werden konnten, nun wieder ihren Weg in die analoge Welt.

Eine echte Weltenwanderung. Die Vernissage am Freitag, 5. Mai, beginnt um 19 Uhr und wird musikalisch vom kolumbianischen Duo Yolanda Arias (Gesang) und Joaquin Buitrago (Gitarre) aus Bremen begleitet. Am Sonnabend und Sonntag ist die Ausstellung im Käsewerk jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

„Der Zuspruch und die Klickzahlen sind – für unseren Durchschnitt – sehr zufriedenstellend. Gerade die begleitenden Online-Videos auf den sozialen Medien kamen sehr gut an“, zieht Online-Kurator Paul Kroker eine durchaus positive Bilanz. Aber gerade bei älteren Kunstschaffenden stoße der digitale Ansatz durchaus auf Skepsis: „Bei Künstlern, die schon im etwas gesetzteren Alter sind, wird sehr oft gleich abgewunken“, sagt Kroker.

Doch Kuno und jüngere Künstler wollen weiterhin auf die Weltenwanderung setzen. Demnächst verstärkt eine Erasmus-Praktikantin aus Istanbul die Avantgardisten des Ausstellens. „Sie wird dann weitere Online-Kanäle wie Twitter bespielen.“

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