Schwimmkurs

Wie die Seepferdchen

Die Stadt Achim hat zusammen mit dem DRK in den Winterferien erstmals einen Schwimmkursus für sozial benachteiligte Kinder angeboten. Die Resonanz darauf war sehr groß.
04.01.2019, 17:17
Lesedauer: 2 Min
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Wie die Seepferdchen
Von Elina Hoepken
Wie die Seepferdchen

Mit ein bisschen Hilfe wagt Helin den Sprung ins Wasser. Die Achtjährige hat beim Ferien-Schwimmkurs der Stadt ihr Seepferdchen gemacht.

Björn Hake

Das Grinsen bekommt Helin seit Donnerstag kaum noch aus dem Gesicht. Seit diesem Tag ist die Achtjährige nämlich ganz offiziell keine Nichtschwimmerin mehr. Ihr Badeanzug ziert von nun an das orange-rote Seepferdchen-Abzeichen. Und das trägt sie sichtlich mit Stolz. Ihre Prüfung hat Helin im Rahmen eines Ferien-Schwimmkurses gemacht, den die Stadt Achim gemeinsam mit dem DRK Verden in diesem Jahr in den Winterferien erstmals angeboten hat. Kinder mit Fluchterfahrung oder Kinder mit einer Bildungskarte sollen im Rahmen dieses Angebotes die Möglichkeit bekommen, sich spielerisch an das Wasser zu gewöhnen.

„Für uns ist das ein Pilotprojekt und ich bin selbst überrascht, wie viele Fortschritte die Kinder in so kurzer Zeit schon gemacht haben“, sagt Gesa Kaemena, zuständig für Kinder- und Jugendarbeit bei der Stadt Achim. Helin ist dafür nur ein Beispiel. „Wir haben beispielsweise auch einen Jungen in der Gruppe, der am ersten Tag große Angst vor dem Wasser hatte und mittlerweile wie selbstverständlich mit der Schwimmnudel ins Wasser geht“, berichtet Kaemena. Insgesamt besteht die Gruppe, die sich in den Ferien an vier Tagen trifft, aus zwölf Flüchtlingskindern – alle zwischen elf und sechs Jahren alt.

Auch Baderegeln müssen erlernt werden

„Es ist eine sehr durchmischte Gruppe. Vom Nichtschwimmer bis zum Träger des Bronze-Abzeichens ist alles dabei“, sagt Kaemena. Denn bei dem Projekt gehe es eben nicht nur darum, das Schwimmen überhaupt erst zu erlernen, sondern auch darum, Zeit miteinander zu verbringen. „Das Ganze hat insbesondere für die Kinder mit Fluchterfahrung zudem auch eine sprachliche Komponente“, erklärt Gesa Kaemena. Und so tummeln sich die zwölf Kinder an diesem Vormittag eben nicht nur im Wasser, sondern stehen auch gemeinsam vor der großen Tafel mit den Baderegeln. Hochkonzentriert werden diese von den Mädchen und Jungen studiert.

Für einige von ihnen wird es an diesem Vormittag noch sehr wichtig sein, ob sie die Regeln auch beherrschen. Vier der Kinder wollen im Rahmen des Kurses nämlich noch ihr Freischwimmer-Abzeichen erwerben. Die 200 Meter Schwimmen und das Tauchen haben sie schon erfolgreich hinter sich gebracht, aber auch die Kenntnis der Baderegeln gehört eben mit dazu. Und auch diese Aufgabe werden sie mit Bravour meistern. „Es ist schön zu sehen, mit wie viel Eifer alle dabei sind“, sagt Ingrid Bischoffs vom DRK in Verden, die den Schwimmkursus leitet. „Für mich steht natürlich an oberster Stelle, dass sie alle vernünftig schwimmen lernen.“

Fähigkeiten im Wasser besser einschätzen

Das sei, so Gesa Kaemena, auch die Intention gewesen, mit der die Stadt gemeinsam mit dem DRK das Projekt ins Leben gerufen hatte. Finanziert werden die drei Kurse, die neben den Winterferien auch in den diesjährigen Oster- und Herbstferien angeboten werden, von der Achimer Bürgerstiftung, der Kühn-Stiftung und der Lotto-Sport-Stiftung. „Im vergangenen Sommer gab es immer wieder Meldungen von schweren Badeunfällen“, erklärt Kaemena. Daher habe man sich entschlossen, sich dieses Problems anzunehmen. „Die Kinder sollen lernen, ihre Fähigkeiten im Wasser besser einschätzen zu können.“ Das gelte für Kinder, die noch gar nicht schwimmen können, ebenso wie für die, die schon erste Schwimmabzeichen gemacht haben.

Der Spaß ist den zwölf Teilnehmern im Wasser allen gleichermaßen anzusehen. Und auch darum soll es bei dem Angebot schließlich gehen. „Die Kinder sollen auch gemeinsam einfach eine schöne Zeit verbringen“, sagt Kaemena. Und so gibt es nach den zwei Stunden im Wasser für alle auch immer noch ein gemeinsames Mittagessen und Zeit zum Spielen oder Basteln.

Mit der bisherigen Resonanz auf das Angebot ist Kaemena mehr als zufrieden. „Wir hatten mehr Anmeldungen, als wir tatsächlich Kinder unterbringen konnten“, sagt sie.

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