Interview mit Kim Friedrichs

„Wie geil ist das denn, bitteschön?!“

Sie ist ein Gesicht von RTL Nord, in der Region bestens bekannt: Kim Friedrichs, die einst ihr Abitur in Achim machte und hier viele Jahre gelebt hat. Nun kehrt sie als Gesicht der Fachausstellung zurück.
18.09.2019, 17:34
Lesedauer: 5 Min
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„Wie geil ist das denn, bitteschön?!“
Von Kai Purschke
„Wie geil ist das denn, bitteschön?!“

TV-Moderatorin und -Reporterin Kim Friedrichs, die in Achim gelebt hat, freut sich auf DJ Ötzi, aufs Bayernzelt und die Achimer Fachausstellung.

Unternehmergemeinschaft Achim / FR
Als Sie den Anruf aus Achim mit der Anfrage, ob Sie die Moderation auf der Fachausstellung (afa) 2020 übernehmen möchten, bekommen haben – wie haben Sie da reagiert?

Kim Friedrichs: Ich war hellauf begeistert. Ulrik Borcherdt (von So Light, Anm. d. Redaktion) rief mich an und ich kannte ihn vorher nicht. Sie hatten ein lokales Gesicht gesucht und es ist ja eher selten, dass jemand aus einer kleinen Stadt im Fernsehen landet. Dazu kam, dass ich mir schon immer auch privat Gedanken über Achim gemacht habe, das zwischen Dodenhof, dem Weserpark und der Waterfront zerrieben wird. Dass etwas in dieser Stadt in Bewegung gesetzt werden soll, hat es mir angetan. Zumal ich noch oft in Achim bei meinen Eltern zu Besuch bin, die Kinder und der Hund plantschen in der Weser oder ich esse im Atrium. Wir haben ja auch noch viele Freunde in Achim.

Also mussten Sie nicht erst überredet werden?

Ganz im Gegenteil. Als ich mich später dann mit Ulrik und Ingo Freitag (Vorsitzender der Unternehmergemeinschaft Achim, Anm. d. Redaktion) getroffen habe, sprudelten schon erste Ideen zum Rahmenprogramm in mir hoch. Ich war gleich Feuer und Flamme, schon als ich hörte, dass DJ Ötzi und das Bayernzelt nach Achim kommen. Sagen wir doch, wie es ist: Wie geil ist das denn, bitteschön?! Da darf man ausflippen. Daher, dass ich durch meinen Job viele Leute kenne, die spannende Berufe oder Hobbys haben, kann das Rahmenprogramm der afa davon profitieren.

Inwiefern denn?

Weil die Messe ganz weit weg von einer schnöden Fachausstellung sein soll und wird. Es wird beispielsweise spontane Fotoshootings geben, Kinderschminken oder Rennspaß – es soll eine Messe für die ganze Familie sein. Da kann ich dann ganz locker durchs Programm führen, die Leute befragen. Es werden ganz tolle Ideen bewegt gerade und ich mache mir auch Gedanken, da mir Achim nicht egal ist. Ich hatte hier eine tolle Schulzeit und bin bis heute mit vielen Achimern gut befreundet, die alle gerne hier leben. Nun geht es darum, etwas Dampf reinzubekommen.

Den braucht es auch über 2020 hinaus, die Unternehmergemeinschaft hat ja schon damit geliebäugelt, dass Sie dauerhaft das Gesicht der afa sein könnten...

...und das würde mich sehr freuen. Aber erstmal sollten wir alle gucken, wie es funktioniert, schließlich ist bisher alles Theorie. Aber ich könnte mir solch ein Engagement vorstellen, denn mir liegen solche Aktion am Herzen, bei denen ich helfen kann. Und wenn es dann noch ein Honorar dafür gibt, umso schöner. Ich freue mich wirklich auf die Messe. Achim hat sich das verdient.

Werden Sie für die Zeit der Fachausstellung vom 15. bis 17. Mai 2020 mit ihrer ganzen Familie anreisen und halten Ihre Eltern ein Zimmer für Sie frei oder geht's ins Hotel?

Da ich für meinen Sender DJ Ötzi interviewen möchte, werde ich schon früher anreisen, mein Mann und die Kinder kommen nach oder meine Eltern holen sie. Bei denen sind Zimmer frei für uns. Die Kinder nicht mitzubringen, das könnte ich mir nicht erlauben. Wir haben viele Freunde und die sind alle ganz heiß darauf, die Kinder zu sehen. Außerdem möchten die auch unbedingt auf die afa.

Sie haben damals in Achim Ihre ersten journalistischen Gehversuche unternommen und Entwicklungen in der Stadt begleitet. Mit welchen Eindrücken schauen sie aufs heutige Achim oder was erzählen Ihre Eltern Ihnen?

Die Verkehrssituation hat sich schon spürbar verschlechtert, das nervt auch meine Eltern, die an einer Ausweichstrecke wohnen. Und ich merke es auch: Von Hamburg zu meinen Eltern brauche ich eine Stunde, auf der Verdener Straße stehe ich dann aber noch mal eine halbe Stunde. Die Fußgängerzone und der Bereich rund ums Rathaus, da hat sich schon einiges eingespielt, auch die Stadtbücherei ist toll. Aber ich persönlich habe das Gefühl, dass in den Läden sehr viel weniger los ist als früher. Achim hat nunmal eine schwierige Lage zwischen den Centern, die überdachtes Einkaufen und kostenlose Parkplätze bieten. Daher müsste in der Innenstadt etwas passieren: eine überdachte Fußgängerzone, Parkplätze und größere Läden.

Für Ihre Tätigkeit als RTL-Nord-Reporterin kommen Sie vor allem auch in Niedersachsen viel herum, lernen Land und Leute kennen. Wie würden Sie im Vergleich den typischen Achimer beschreiben?

Ich habe in Achim auch viele Jahre gekellnert, daher weiß ich ganz gut Bescheid, glaube ich. Der Achimer ist sympathisch, bodenständig und vor allem: Er ruht in sich. Anfangs ist er vielleicht ein bisschen verschlossen, aber insgesamt ein sehr liebevoller Mensch. Allerdings nicht wie ein Rheinländer, der einen gleich anspringt. Achimer sind unaufgeregt, ohne langweilig zu sein. Ich jedenfalls mag die Achimer und bin ja eigentlich selbst einer.

Vor allem sind Sie ein waschechtes Küstenkind. Könnten Sie sich daher mentalitätsmäßig auch einen Job im Süden der Republik vorstellen?

Meine allerbeste Freundin lebt bei Stuttgart und die besuche ich gerne, ebenso bin ich gerne dort. Ich merke aber immer, dass ich sehr norddeutsch bin, das heißt: extrem bodenständig und unkompliziert. So sind alle Norddeutschen, auch wenn die meisten wohl weniger reden als ich. Wenn wir uns für einen Dreh ankündigen, lassen die Menschen im Norden mich immer gerne in ihre Ecken lunschen, daraus können dann auch mal Freundschaften entstehen. Die sind auch überhaupt nicht überdreht, wenn das Fernsehen kommt. Im Norden fühle ich mich daher sehr wohl.

Wie wohl ist Ihnen denn in den sozialen Netzwerken, wo Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ja auch gerne mal Opfer von Beleidigungen werden, weil die Hemmschwelle durch die Anonymität so gering ist?

Weit vor den sozialen Netzwerken hatte ich mal einen Stalker, aber bei Facebook und Co. habe ich bisher noch keine schlimmen Erfahrungen gemacht. Ich habe ein RTL-Nord-Profil, da stelle ich auch mal Fotos oder Videos aus dem Familienurlaub ein, aber man kann meine Kinder nie erkennen und eine gewisse Grenze versuche ich auch nie zu überschreiten. Privat bleibt schon privat. Das handhaben andere Mütter anders, es muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Aber neben all der berechtigten Kritik an Social Media, es kann auch sehr viel Gutes bewirken. Menschen, die keine Chance auf Öffentlichkeit hätten, können dort um Hilfe bitten. Können aufmerksam machen. Gerade erst habe ich einen Spendenaufruf für einen kleinen, schwerkranken jungen geteilt und natürlich auch selbst gespendet. Und generell kann ich sagen, dass ich eigentlich noch nie böse angegangen wurde.

Woran könnte das liegen?

Vielleicht ist meine Reichweite zu gering. Selten verirren sich Menschen auf mein Profil, die 'zufällig' darauf stoßen. Vielleicht bietet das, was ich vor der Kamera mache, aber auch nicht genügend Angriffsfläche. Denn es geht da ja auch um Spaß und ein bisschen Schadenfreude und das, was ich vor der Kamera ausprobiere, geht auch mal schief. Ich freue mich aber sehr über nette Kommentare oder Mails – wie die einer krebskranken Frau, die mir mal geschrieben hat, dass sie ihre Alltagsleiden etwas vergessen kann, wenn Sie meine Sendung schaut und diese ihr ein Lächeln ins Gesicht zaubere. Auch gibt es positives, schriftliches Feedback von Leuten, die sich bei einem Dreh vorher nicht getraut haben, mich vor Ort persönlich anzusprechen. Das ist sehr schön, denn ich bin insgesamt ein harmoniebedürftiger Mensch. Ich freue mich, wenn es allen gut geht.

Das Gespräch führte Kai Purschke.

Info

Zur Person

Kim Friedrichs (38),

ist Moderatorin und TV-Reporterin für RTL Nord. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt inzwischen in der Nähe von Hamburg. Geboren wurde sie in Wilhelmshaven. Von ihrem 14. bis 24. Lebensjahr wohnte sie mit ihren Eltern in Achim, machte am Cato ihr Abitur, zog zwischenzeitlich weg und mit 27 Jahren wieder zurück nach Achim, ehe sie die Stadt vor sieben Jahren verließ. Dennoch ist sie regelmäßig in Achim, wo ihre Eltern wohnen.

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