Bei der Kreisvolkshochschule Verden beginnt in wenigen Tagen ein neuer, elfmonatiger Vorbereitungslehrgang Z-Kurs: Studieren ohne Abitur

Achim·Verden. Ob sie das Psychologie-Studium tatsächlich hinkriegt, mit Familie, weiß Kathrin Bergmann heute noch nicht. Aber das interessiert sie derzeit auch noch wenig. Jetzt ist erst mal die Hochschul-Zulassung an der Reihe, der sogenannte Z-Kurs.
04.02.2011, 05:00
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Von Ulrich Tatje

Achim·Verden. Ob sie das Psychologie-Studium tatsächlich hinkriegt, mit Familie, weiß Kathrin Bergmann heute noch nicht. Aber das interessiert sie derzeit auch noch wenig. Jetzt ist erst mal die Hochschul-Zulassung an der Reihe, der sogenannte Z-Kurs.

Denn Kathrin Bergmann hat vor vielen Jahren das Gymnasium nach der zehnten Klasse verlassen und dann Krankenschwester gelernt. Jahrelang hat sie in ihrem Beruf gearbeitet, zum Teil auch als Stationsleiterin. Dann ist sie Mutter geworden, drei Mal. Inzwischen sind die Kinder elf, acht und fünf Jahre alt. Jetzt möchte sich Kathrin Bergmann ihren alten Traum erfüllen und Psychologie studieren.

"Das hat mich schon immer interessiert", sagt die Kirchlintelerin. Selbst, wenn es mit dem Studium nichts wird - schließlich muss sie den Numerus Clausus von 1,6 schaffen - sie wäre schon allein stolz, den Z-Kurs gemacht und bestanden zu haben, sagt Bergmann. Und sie habe gerne gelernt, sagt sie. Jede Woche habe sie sich aufs Neue auf die Aufgaben gefreut, die ihr die Dozenten per Internet zugeschickt haben.

Die Z-Prüfung berechtigt zum Studium eines gewünschten Faches an einer niedersächsischen Hochschule. Voraussetzungen sind eine Berufsausbildung plus mindestens zwei Jahre Berufserfahrung oder eine mindestens fünfjährige hauptberufliche Tätigkeit. Dazu gehört auch die Kindererziehung.

Auch Nongnooch Hanussek erfüllt die Voraussetzungen. Die gebürtige Thailänderin hat an der Universität in Bangkok bereits begonnen, Betriebswirtschaft zu studieren. Auf einer Deutschlandreise lernte sie ihren späteren Mann kennen und wechselte nach ihrer Rückkehr nach Thailand ihr Studienfach. Nach drei Semestern Germanistik siedelte sie nach Achim über.

Ihre Tochter ist mittlerweile neun Jahre alt. Im Februar vergangenen Jahres hat Hanussek, die als Verkäuferin bei einem Lebensmitteldiscounter arbeitet, den Z-Kurs begonnen. Denn ihr thailändisches Abitur wird in Deutschland nicht anerkennt. Lebensmitteltechnologie möchte sie studieren und später in einem Labor arbeiten. "Ich koche und backe gerne und möchte wissen, wie das funktioniert", erklärt Nongnooch Hanussek. Außerdem, fügt sie hinzu, sei sie jetzt die einzige aus ihrem thailändischen Freundeskreis, die noch kein Studium absolviert habe.

Elf Monate dauert der Vorbereitungskurs bei der Kreisvolkshochschule (KVHS) Verden. Auf dem Stundenplan stehen Deutsch, Englisch und Mathematik sowie allgemeine Studierfähigkeit. Seit einiger Zeit hat die KVHS Verden ihren Unterricht fast vollständig auf online umgestellt. Anwesenheitspflicht besteht nur noch einmal im Monat an einem Sonnabend in Achim. Deshalb haben im Februar vergangenen Jahres auch Z-Kandidaten aus Norderstedt und Hameln angefangen. Ein Dutzend Erwachsene, die studieren möchten. Fünf haben sich jetzt zur Prüfung angemeldet. Zunächst gibt es schriftliche und mündliche Prüfungen in den vier allgemeinen Fächern. Von März bis Mai haben die Z-Kursler dann Zeit, sich auf die Prüfung in ihrem Wunsch-Studienfach vorzubereiten. "Ich muss solch ein dickes Buch durcharbeiten", berichtet Kathrin Bermann von ihrem Psychologie-Vorbereitungstreffen an der Universität Osnabrück und deutet mit Daumen und Zeigefinger an, dass der Wälzer mindestens 600 Seiten stark ist. Früher habe

sie immer Frauen belächelt, die jenseits der 40 noch was Neues anfangen, sagt Kathrin Bergmann. Jetzt ist sie selber eine von ihnen.

Was man braucht, um den elfmonatigen Z-Kurs zu schaffen? "Auf jeden Fall Motivation und Disziplin", sagen Bergmann und Hanussek, und ein gutes Zeitmanagement, ergänzt Christiane Stürmann von der KVHS. Die Familie sollte natürlich auch hinter dem Projekt stehen. "Mein Mann war begeistert, als ich mich angemeldet habe", erinnert sich die Kirchlintelerin. Er habe ihr auch viel geholfen, vor allem bei Mathematik, Bergmanns Schwachstelle.

Die schriftlichen Prüfungen (die Aufgaben werden zentral gestellt) haben die Z-Kursler hinter sich, die Noten sind noch nicht bekannt. Nach dem Mündlichen in 14 Tagen geht's an die Vorbereitung auf die Fachprüfung.

Kathrin Bergmann hat ihr Ziel klar vor Augen: "Ich würde, sollte ich durchfallen, auf jeden Fall wiederholen." Wie viel Zeit jeder investieren muss, hängt von den individuellen Voraussetzungen ab. Mit 15 Stunden pro Woche, weiß Christiane Stürmann aus Erfahrung, müsse aber wohl jeder mindestens rechnen. "Wenn man was will", meint Nongnooch Hanussek zu den Erfolgsaussichten, "dann wird man es auch schaffen."

Der nächste Z-Kurs der Kreisvolkshochschule Verden beginnt am 19. Februar. In einer Informationsveranstaltung am Sonnabend, 12. Februar, ab 10 Uhr in den KVHS-Räumen im Cato-Gymnasium in Achim (Raum 08) werden der Lehrgang vorgestellt und Fragen dazu beantwortet.

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