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FC Verden 04 ist zurück auf dem Platz

Der Fußball-Landesligist FC Verden 04 ist auf den Platz zurückgekehrt und hat seine erste Einheit nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie absolviert. Noch war alles aber etwas ungewohnt.
13.05.2020, 16:32
Lesedauer: 3 Min
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FC Verden 04 ist zurück auf dem Platz
Von Patrick Hilmes
FC Verden 04 ist zurück auf dem Platz

Endlich die Kugel wieder am Fuß: Die Verdener Fußballer haben am Dienstagabend ihre erste Trainingseinheit nach 60 Tagen absolviert.

Björn Hake

Corona hat alles verändert. Und auch wenn jetzt langsam die Fußballer zurück auf die Plätze kehren dürfen, um wieder zu trainieren, es bleibt dabei: Es ist alles ein bisschen anders. So war es auch am Dienstagabend beim Landesligisten FC Verden 04, der nun seine erste Trainingseinheit seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie absolviert hat.

Alles ein bisschen anders

In der Regel fahren alle Spieler und Trainer beim Vereinsheim vor und begeben sich in die Umkleiden. Nach und nach wird es voller, alle begrüßen sich, klatschen sich ab, ziehen sich um, schnacken dabei und dann geht es raus auf den Platz. Nicht so am Dienstag. In Corona-Zeiten bleiben die Umkleiden und Duschen bis auf Weiteres geschlossen, oder wie im Verdener Fall für den eigentlichen Zweck gesperrt. Den Weg zum Vereinsheim fuhren die meisten dennoch und dort mussten sich alle in die Schlange einreihen – mit Abstand natürlich. Der Grund: Bei der letzten Einheit vor der Corona-Krise wurden die Trainingsklamotten et cetera in den Kabinen gelassen. Nun musste jeder einzeln rein, seine Sachen zusammensuchen und sobald der eine wieder draußen war, durfte der nächste rein. Angesichts von 15 Spielern, die bei der ersten Verdener Einheit dabei waren, frisst das schon eine gewisse Zeit. „Das hat allein schon fast eine halbe Stunde gedauert, das war schon komisch“, erzählte Verdens Außenverteidiger Steen Burford. Alle Verdener Spieler, die das Training zeitlich einrichten konnten, waren auch zugegen. Keiner blieb aufgrund von Bedenken bezüglich einer möglichen Ansteckung mit Sars-CoV-2 der Einheit fern. „Wir haben den Jungs das natürlich freigestellt, jeder kann für sich selber entscheiden. Aber das war bei keinem ein Thema“, versicherte Chef-Coach Frank Neubarth.

Dennoch ging es mit einem etwas komischen Gefühl auf den Platz, nachdem sich alle bei ihren Autos umgezogen hatten. Da das vorgeschriebene Hygienekonzept nur beim Verdener Kunstrasenplatz umsetzbar ist, geht es für den Landesligisten fortan zunächst immer auf das künstliche Grün. Wird das Eingangstor passiert, gibt es zu seiner Linken in den orangenen Containern die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Geradeaus auf dem Rasenstück trainierte die zweite Mannschaft des FCV. Rechts herum befindet sich der Kunststoffteppich. Den kurzen Weg zurückgelegt und dann durften die Verdener das tun, was sie 60 Tage lang nicht durften: Sie betraten einen Fußballplatz, um auf ihm gemeinsam zu trainieren. „Das war eine Erleichterung. Das war eine Art Freiheitsgefühl, wieder den Ball am Fuß zu haben“, freute sich Burford über die Rückkehr.

Doch eine Rückkehr zur Normalität ist noch nicht möglich, Kontakt und somit Zweikämpfe sind weiterhin verboten. Abstand halten heißt das Gebot. „Das Training ist sehr anders. Ich habe danach noch kurz reflektiert und im Grunde habe ich nur drei, vier Leute so richtig auf dem Platz gesehen, da man ja durch den Abstand sehr verbreitet auf dem Platz ist“, schilderte Burford seine Eindrücke. Die Abstandsregeln sorgen wiederum dafür, dass sich auch die Coaches umstellen müssen. „Mannschaftsspiele, kurze, kleine Spiele, so was geht halt nicht. Ist aber okay, man muss sich erst mal daran gewöhnen. Und Laufeinheiten gehen natürlich immer, haben die Jungs aber nicht so gerne (lacht). Gleich nach acht Wochen gegen die Kugel zu treten, ist aber auch nicht so das Ideale. Es geht erst mal darum, wieder reinzukommen“, erzählte ein gut aufgelegter Frank Neubarth. Auch dem Chef-Coach ist eine große Erleichterung anzumerken, wieder trainieren zu können. „Ein gutes Gefühl überhaupt die Jungs wiederzusehen, wieder miteinander zu sprechen, wieder gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Natürlich geht das mit dem Fußballspielen noch nicht in Vollendung, aber für den Anfang ist das so schon richtig gut. Es ist einfach schön, wieder etwas mit dem Ball machen zu können. Ich kann mir das gar nicht vorstellen – so lange ohne Ball in dem Alter wie die Jungs – das wäre für mich furchtbar gewesen.“

Hauptsache wieder Fußball

Doch noch etwas ist ungewohnt. Was die Fußballer auch nicht kennen: Es gibt derzeit kein definiertes Ziel, auf das sie hinarbeiten. Wie die Saison 2019/2020 gewertet oder ob sie gar weitergespielt wird, das befindet sich noch immer in der Schwebe. „Das erschwert die ganze Sache natürlich. Als Fußballer arbeitet man meistens auf ein Ziel hin. Im Moment herrscht noch Ungewissheit, auch wenn ich von einem Abbruch ausgehe. Eine normale Motivation ist entsprechend schwierig und in den kommenden Wochen sicherlich eine große Herausforderung für den Trainer“, betont Steen Burford. Für Frank Neubarth stellt das aber kein Problem dar: „Ja, es fehlt der Fixpunkt. Aber nichtsdestotrotz spielen wir alle gerne Fußball.“ Dem kann auch Burford nur zustimmen: „Alle teilen ja die Leidenschaft Fußball, einfach kicken, einfach mal wieder die Pille am Fuß haben.“

Und das konnten sie nun endlich wieder tun, auch wenn alles noch etwas anders ist und auch wenn das Wetter am Dienstag nicht mitspielte. „Unter diesen Umständen ist das egal“, betonte Neubarth. Für die Fußballer ist das Wichtigste: Sie sind zurück auf dem Platz.

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