Lola Shamukhitdinova sammelt zentralasiatische Kopfbedeckungen / Online-Ausstellung bis Ende September Zwischen Tradition und Mode

Achim. Fein gestickt, mit unterschiedlichsten Mustern und zumeist farbenfroh kommen sie daher, die zentralasiatischen Kappen und Mützen aus der Sammlung von Lola Shamukhitdinova. Die gebürtige Usbekin, die 2010 nach Deutschland gekommen ist und in Achim lebt, hat in den vergangenen Jahren bereits mehr als 70 dieser traditionellen Kopfbedeckungen zusammengetragen.
27.07.2016, 00:00
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Zwischen Tradition und Mode
Von Marius Merle

Achim. Fein gestickt, mit unterschiedlichsten Mustern und zumeist farbenfroh kommen sie daher, die zentralasiatischen Kappen und Mützen aus der Sammlung von Lola Shamukhitdinova. Die gebürtige Usbekin, die 2010 nach Deutschland gekommen ist und in Achim lebt, hat in den vergangenen Jahren bereits mehr als 70 dieser traditionellen Kopfbedeckungen zusammengetragen. Eine Auswahl dieser Stücke kann aktuell noch bis Ende September im Rahmen einer Online-Ausstellung von Kultur im Norden (Kuno) mit der jeweiligen Geschichte angesehen werden.

Dass überhaupt eine Sammlung mit den Kappen und Mützen, die je nach Herkunft unter anderem als Duppi, Kalpok oder Kallapusch bezeichnet werden, zustande gekommen sei, ist laut Shamukhitdinova eher unerwartet gekommen. Schon von klein an kenne sie sie aus ihrer Heimat, aber das wirkliche Interesse sei erst durch ihre Forschungsarbeit geweckt worden. Die 52-Jährige hat ihr Studium an der Textilhochschule der Hauptstadt Usbekistans absolviert, wo sie auch Dozentin und Leiterin des Lehrstuhls für Textildesign wurde. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin des Projekts „Modernity of Tradition“ an der Technischen Universität Dortmund.

„Die ersten Duppis habe ich von der eigenen Familie, etwa von meiner Tochter, aus der Heimat bekommen“, erzählt Shamukhitdinova. Durch Stücke von weiteren Verwandten wuchs ihre Sammlung in der Folge stets weiter an. „Ein wirkliches Kunststück ist ein Duppi aus blauem Samt mit weißen Kunstperlen, dass ich von meiner Tante habe. Sie ist jetzt 71 Jahre alt und hat es als Zehnjährige getragen“, sagt die Wissenschaftlerin, die durch ihre Arbeit dann persönlich mit vielen Handarbeitern in Zentralasien in Kontakt gekommen sei. „Und da habe ich natürlich auch immer mal wieder ein Exemplar von ihnen gekauft“, erzählt sie. So habe sich Stück für Stück das geografische Einzugsgebiet ihrer Kollektion erweitert. Obwohl die meisten Exemplare ihrer Sammlung noch aus ihrer Heimat Usbekistan stammen, zählen inzwischen auch unter anderem welche aus Kirgistan, Armenien oder Kasachstan dazu. Das älteste Objekt der Sammlung ist knapp 100 Jahre alt.

„Das Alter interessiert mich aber eigentlich nicht so sehr, sondern vielmehr unter anderem das Potenzial dieser Kopfbedeckungen in der heutigen Zeit“, sagt Shamukhitdinova. Denn während es früher üblich gewesen sei, dass die Kappen und Mützen zu Hause für die Familie und Verwandte hergestellt wurden, haben mit der Zeit auch Designer die Duppis für sich entdeckt. „Das Element einer traditionellen Tracht wurde zu einem Element der Mode“, lässt die Wahl-Achimerin wissen. In den 1950er und 1960er Jahren seien die Kopfbedeckungen bei jungen Frauen bereits sehr modern gewesen, bevor sie danach eine Zeit lang fast nur von Männern und Kindern getragen wurde – etwa bei rituellen Festlichkeiten oder Familienfeiern. „Durch die Designer ist es nun auch für Frauen seit etwa fünf Jahren wieder modern geworden“, erzählt Shamukhitdinova.

Und seitdem sich Usbekistan in den vergangenen zehn Jahren auch immer mehr zu einem touristischen Gebiet entwickelt hat, das insbesondere für Kulturtouristen interessant sei, haben die traditionellen Kopfbedeckungen auch den Weg in die ganze Welt gefunden. „Sie sind als Souvenir sehr beliebt, worunter leider die Qualität der Exemplare insgesamt oftmals leidet“, befindet die 52-Jährige. Da viel und billig hergestellt werden müsse, werde nicht mehr sauber und mit so guten Materialien gearbeitet. Hinter einem Duppi stecke sehr viel Handarbeit, außerdem sei zum Formen sehr viel Kraft nötig.

Mit ihren unterschiedlichen Mustern verweisen die Kappen sowohl auf den Stand der Träger, das Geschlecht, die Herkunft und die religiöse Zugehörigkeit. Eine exakte geografische Zuordnung sei aufgrund diverser Merkmale und des verwendeten Stoffes laut Shamukhitdinova daher durchaus möglich, aber oftmals schwer zu recherchieren, wie sie bereits selbst herausfinden musste. „Manches kann auch ich nicht richtig zuordnen“, sagt die Expertin. Aber eben diese Vielfalt an verschiedenen Varianten dieser Kopfbedeckungen sei es auch, die sie letztlich zum Sammeln animiert habe.


Die Online-Ausstellung „
my duppis “ mit einigen Exemplaren der Sammlung von Lola Shamukhitdinova kann auf der Internetseite www.kunoweb.de bis zum 23. September angesehen werden.

„Mich interessiert das Potenzial dieser Kopfbedeckungen in der heutigen Zeit.“ Lola Shamukhitdinova
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