Pferdekrematorium in Blender

Emotionale Debatte

Ein Ehepaar aus Schwäbisch Hall möchte in der Gemeinde Blender gerne ein Pferdekrematorium errichten. Es wäre das Zweite in Deutschland. Die Idee hat aber nicht nur Befürworter.
15.11.2018, 17:00
Lesedauer: 2 Min
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Emotionale Debatte
Von Onno Kutscher

Blenders Bürgermeister Andreas Meyer war am Ende sichtlich um eine sachliche Diskussion bemüht. Das gelang ihm aber kaum noch. Immer wieder gab es Zwischenrufe, laute Kommentare und Bemerkungen einiger Besucher der Informationsveranstaltung zum geplanten Pferdekrematorium in Blender. Rund 90 Gäste waren der Einladung der Gemeinde ins Schützenhaus Holtum-Marsch gefolgt. Und eines wurde am Mittwochabend deutlich: Nicht jeder freut sich über die geplante Ansiedlung des Krematoriums im Gewerbegebiet Holtum-Marsch.

Es wäre deutschlandweit das zweite Pferdekrematorium überhaupt. Verantwortlich für diese Pläne zeichnet, wie berichtet, das Ehepaar Sandra und Jochen Lutz aus Schwäbisch Hall, wo es auch das erste Pferdekrematorium in Deutschland seit 2017 betreibt, mit dem Namen "dank & treu". Das Ehepaar Lutz war, neben dem Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg und Frank Bielefeld, Wirtschaftsförderer der Samtgemeinde Thedinghausen, ebenfalls vor Ort, um sich den Fragen der Besucher zu stellen. Und die hatten einige parat.

Betreiber-Ehepaar stellt Projekt vor

Das Ehepaar Lutz stellte das Projekt zu Beginn der Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger noch einmal vor. So erklärte Sandra Lutz, dass die Einäscherung eines Pferdes, je nach Größe, sechs bis acht Stunden dauern würde. Und ihr Ehemann ergänzte: „Daher werden maximal ein Pferd oder zwei kleine Ponys pro Tag eingeäschert“, sagte er. Zum Vergleich: In ihrem Betrieb in Schwäbisch Hall werden im Schnitt zwei bis drei Pferde pro Woche eingeäschert, erklärten beide.

Aber wenn Tiere verbrannt werden, dann entsteht auch Rauch. Das ist es, was einigen Anwohnern wohl besonders Sorgen bereitet. „Wie giftig ist der Rauch?“, wollte eine Besucherin wissen. Jochen Lutz erklärte, dass im Betrieb modernste Filtertechnik eingesetzt werde. Das sogenannte Rauchgas werde abgesaugt und zur Reinigung der Nachbrennkammer zugeführt. Nach der Abkühlung folge die zweite Filterstufe, bevor das gereinigte Rauchgas den Schornstein verlässt. Wie viel Prozent der giftigen Stoffe dann noch im Rauchgas seien, war dann eine weitere Frage. „Eine Prozentzahl kann ich nicht nennen, aber wir befinden uns unter dem vorgegebenen Grenzwert“, sagte Jochen Lutz und bezog sich auf seine Erfahrungen in Schwäbisch Hall.

Planungen stehen am Anfang

Dass solch ein Projekt ohne die Einhaltung gesetzlicher Pflichten überhaupt nicht realisiert werden darf, das erklärte wiederum Jörg Biermann vom Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg, in diesem Fall die Genehmigungsbehörde. „Es ist unter anderem die Pflicht des Betreibers, den Stand der Technik einzuhalten. Aber auch die Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen gehört dazu“, sagte Biermann. Er erklärte den Anwesenden außerdem den Verfahrensablauf. Da stehe an erster Stelle der Antrag. „Und den gibt es noch gar nicht. Wir befinden uns also noch ganz am Anfang der Planungen“, sagte er und nahm damit auch einigen Besuchern Wind aus den Segeln, die der Meinung waren, alles sei schon beschlossen. Erst nach dem Bauantrag, der öffentlichen Bekanntmachung des Vorhabens, der Beteiligung anderer Behörden und der Bürger sowie einem Erörterungstermin komme es zu einer Entscheidung. Und Frank Bielefeld ergänzte: „Der Betrieb muss natürlich Vorschriften einhalten. Ist das nicht der Fall, dann kann auch die Gemeinde dagegen vorgehen.“

Anwohner äußern Bedenken

Auch Bedenken wegen möglicher Ruhestörungen wurden angebracht. Jochen Lutz versicherte allerdings, dass keine Geräusche nach außen dringen würden. „Es gibt natürlich Autoverkehr, aber vom Betrieb geht kein Lärm aus“, sagte er.

Ein Besucher machte schließlich noch moralische Bedenken geltend. So sei es doch verwerflich, ein Krematorium neben den Ortsteilen Adolfshausen und Jerusalem zu errichten. Das müsse letztlich jeder selbst beurteilen, entgegnete Bielefeld.

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