Bauprojekt in Blender Kaum Gegenwind für Pferdekrematorium

Noch ist das geplante Pferdekrematorium in Blender nicht genehmigt. Nun trafen sich Kritiker des Projektes und die Betreiber aus Schwäbisch Hall beim Erörterungstermin und tauschten sich aus.
16.04.2019, 15:53
Lesedauer: 3 Min
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Kaum Gegenwind für Pferdekrematorium
Von Onno Kutscher

„Jetzt haben wir extra so einen großen Raum organisiert und kaum einer kommt.“ Christina Freifrau von Mirbach klang fast schon etwas enttäuscht, als sie am Dienstagvormittag auf die vielen leeren Plätze im Verdener Kreistagssaal schaute. Die Überraschung der stellvertretenden Leiterin des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg war nicht ganz unbegründet, schließlich ging es bei dem Erörterungstermin um das geplante Pferdekrematorium in Blender. Ein Projekt, das, zumindest hatte es im Vorfeld den Anschein, sehr kritisch gesehen wird. Zuletzt waren im November 2018 rund 100 Besucher zu einer Infoveranstaltung ins Schützenhaus Holtum-Marsch gekommen. Die Stimmung war seinerzeit durchaus aufgeheizt (wir berichteten).

Ganz anderes stellte sich die Situation am Dienstagvormittag dar. Stark vertreten waren da vor allem die beteiligten Behörden, von interessierten Bürgern fehlte aber fast jede Spur. Nur eine Handvoll Besucher war anwesend. Zu denen, die es sich aber nicht nehmen lassen wollten, weitere Fragen an die Köpfe hinter dem Projekt zu stellen, gehörten zwei Anwohner, die im Vorfeld eine Sammeleinwendung eingereicht hatten. Diese war von 29 Bürgerinnen und Bürgern unterschrieben worden. Sie alle sehen den geplanten Bau des Pferdekrematoriums kritisch.

Asche im Garten vergraben

Verantwortlich für das Projekt zeichnet das Ehepaar Sandra und Jochen Lutz aus Schwäbisch Hall. Dort betreiben sie unter dem Firmennamen "dank & treu" bereits ein Pferdekrematorium – es ist das bisher einzige seiner Art in Deutschland. Beide nutzten erneut die Möglichkeit, um ihr Projekt kurz vorzustellen. So erklärte Sandra Lutz, dass die Einäscherung eines Pferdes, je nach Größe, vier bis acht Stunden dauern würde. Und ihr Ehemann ergänzte: "Daher werden maximal ein Pferd oder zwei kleine Ponys pro Tag eingeäschert."

Zum Vergleich: In ihrem Betrieb in Schwäbisch Hall werden im Schnitt drei bis fünf Pferde pro Woche eingeäschert. Was die Menschen mit der Asche dann machen würden, sei ganz unterschiedlich. „Einige vergraben sie im Garten, andere stellen sie an einen Platz, wo das Tier sonst oft war. Das kann dann jeder selbst für sich entscheiden.“

Gerade das Verbrennen von Tieren ist aber ein Punkt, der den Anwohnern wohl am meisten Sorge bereitet, denn wo Tiere verbrannt werden, da entsteht auch Rauch. „Wie viele Schadstoffe gelangen in die Umwelt?“, war daher auch eine der Fragen, die an die Antragsteller gerichtet wurde. Jochen Lutz erklärte, dass im Betrieb modernste Filtertechnik eingesetzt werde. Das sogenannte Rauchgas werde abgesaugt und zur Reinigung der Nachbrennkammer zugeführt.

Nach der Abkühlung folge die zweite Filterstufe, bevor das gereinigte Rauchgas den Schornstein verlässt. „Wir halten uns an die rechtlichen Vorgaben und befinden uns unter dem vorgegebenen Grenzwert“, sagte er. Ob die Grenzwerte nach Inbetriebnahme eingehalten werden, das überprüft dann schließlich das Gewerbeaufsichtsamt Celle. Der erste Test erfolge spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme des Pferdekrematoriums und dann alle drei Jahre, hieß es von einer Vertreterin der Behörde.

Geruch soll es nicht geben

Auch eine mögliche Geruchsbelästigung war ein Thema, das am Dienstag angesprochen wurde. „Ich kann versichern, dass es durch das Pferdekrematorium keine Geruchsbelästigung geben wird“, sagte Jochen Lutz und verwies dabei auf die Erfahrungen, die er in Schwäbisch Hall gesammelt hat. Ein Geruchsgutachten habe für das Projekt in Blender nicht erstellt werden müssen, da es vom Gewerbeaufsichtsamt nicht gefordert wurde.

Und schließlich stand auch die Frage nach einem Bedarf für solch ein Unternehmen im Raum. „Ich glaube nicht, dass es zukunftsfähig ist“, sagte ein Besucher. Dem widersprach das Ehepaar Lutz. „Wir wissen sehr wohl, dass es eine Nachfrage gibt. Wir holen etwa zweimal in der Woche aus dem nördlichen Raum tote Pferde und bringen sie nach Schwäbisch Hall. Zuletzt waren wir in Bremen. Wenn wir den Bedarf nicht sehen würden, würden wir hier auch nicht bauen wollen“, erklärte Sandra Lutz. Insgesamt rund 2,2 Millionen Euro investiert das Ehepaar in den Standort im Gewerbegebiet in dem Ortsteil Holtum-Marsch.

Nach einem Scheitern des Projektes, das noch vom Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg genehmigt werden muss, sieht es nicht aus. Zumindest machte es am Dienstag nicht den Anschein. Sandra und Jochen Lutz betonten daher auch noch einmal, dass sie sich ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn wünschen würden und der sachliche Umgang aller Beteiligten beim Erörterungstermin zeigte, dass das auch möglich scheint.

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