Hecki-Kaffee aus Dörverden

Bohnen stehen unter Dampf

Die Firma Heckmann röstet in Hülsen ihren eigenen Kaffee – mit einem Dampfverfahren. Mit seinen bislang zwei Sorten "Hecki" möchte Entwickler Heinz Heckmann in den regionalen Markt einsteigen.
05.07.2018, 06:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Penth
Bohnen stehen unter Dampf

Ließ sich von Heinz Heckmann das besondere Röstverfahren hinter dem Hecki-Kaffee erklären: die Kreisverdener Landtagsabgeordnete Dörte
Liebetruth.

Björn Hake

Dörverden-Hülsen. Wie Erdnüsse sehen sie aus. Die tiefbraune Farbe und der aromatische, bittere Geruch fehlen ihnen. Noch zumindest. Die rohen Kaffeebohnen liegen nahe der metallenen Maschine, um später erhitzt und geröstet zu werden. Gemahlen und in heißem Wasser aufgelöst, werden sie ihren von vielen heiß geliebten Geschmack entfalten. Zu ihrem Aroma kommen die Bohnen nicht etwa auf dem Betriebsgelände einer Großrösterei, sondern bei Heckmann in Dörverden-Hülsen. Das Maschinenbauunternehmen macht nun nämlich auch Kaffee (wir berichteten). "Hecki" heißt der, in Anlehnung an Firmengründer Heinz Heckmann, der das Röstverfahren entwickelt hat. Über dieses informierte sich die Kreisverdener SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth kürzlich zum Auftakt ihrer "Tour der Ideen", die sie durch den Landkreis Verden führt. Dabei sucht die Politikerin das Gespräch mit Betrieben, kommunalen Einrichtungen und Bürgern.

Der charakteristische Kaffeegeruch erfüllt die Industriehalle, die bis auf die Röst- und Verpackungsmaschine beinahe leer ist. Ein Kran an der Decke befördert die Bohnen mit Namen Arabica in einen metallenen Trichter. Von dort aus geht es in den ringsum verschlossenen Röster, in seinem Inneren umströmt heißer Gasstrom die Samen der Kaffeepflanze. Das Verfahren mit heißer Luft in einem versiegelten Behälter hat Heinz Heckmann entwickelt und zum Patent angemeldet. Anders als bei herkömmlichen Methoden gelangt während der Röstung kein Sauerstoff an die Bohnen. "Das ergibt ein intensiveres Aroma", erklärt Elke Lange, verantwortlich für die Vermarktung und den Vertrieb.

Dass Heinz Heckmann einmal unter die Kaffeeproduzenten gehen würde, war dem Zufall geschuldet. "Anfangs wollte ich nur die Anlage verkaufen, nicht den Kaffee", sagt er und lacht. Der 76-Jährige hat die Unternehmensgruppe, zu der fünf Unternehmen in Deutschland und ein Betrieb in Polen gehören, zwar schon vor einigen Jahren in die Hände seines Sohnes Henning gelegt, doch das hält ihn nicht davon ab, an neuen Ideen zu arbeiten.

So wie an der Röstmaschine, mit der Heckmann in Serie gehen wollte. Als das Interesse nicht wie erhofft war, nutzte er den Prototyp schließlich selbst. Zuerst gab es Proberöstungen in der Niederlassung in Verden. Dann nahm die Maschine ihren Platz in der vor einem Jahr eingeweihten Halle auf dem Firmengelände in Dörverden ein. Es folgten Testphasen. "Das Fließband war noch nicht ganz perfekt", sagt Lange, "jetzt läuft es stabil."

Zu haben ist der Kaffee in den Sorten "Crema" und "Espresso", sich auszeichnend durch die unterschiedliche Röstdauer der Bohnen, bereits über den Online-Shop (www.hecki-kaffee.de) sowie bei Rosenbrock in Dörverden. Bislang waren das die einzigen Wege, um an den Kaffee aus dem Hause Heckmann zu kommen, von dem eine dritte, stärkere Sorte in Planung ist. Im vergangenen viertel Jahr hat die kleine Rösterei so bereits 500 Kilogramm Hecki-Kaffee verkauft – "ganz ohne Werbung", wie Lange stolz anmerkt.

Nun soll es richtig losgehen. Angedacht ist, dass Hofläden und Cafés in der Umgebung die regionale Kaffeemarke führen. Auch auf dem Betriebsgelände im Hülsener Industriegebiet soll sich der Kaffeegeruch an den Wochenenden ausbreiten. Eine Tür führt von der Halle mit der Röstmaschine in einen leeren, großzügig geschnittenen Raum, in den ein Café einziehen soll. Der Holzboden ist hell, Sonnenstrahlen fallen durch die Fensterfront, die den Blick ins Grüne freigibt. Ein separat angelegter Weg schlängelt sich von der Hauptstraße zu dem Gebäude, "damit die Besucher nicht über das Betriebsgelände zum Café müssen", wie Elke Lange erklärt. Die Firma Heckmann möchte den Betrieb des Cafés, das an Wochenenden Kuchen und selbstverständlich den Hecki-Kaffee servieren soll, extern vergeben. Im Herbst wird die Rösterei zu einem Tag der offenen Tür einladen – und es in dem Café bereits nach frisch aufgebrühtem Hecki-Kaffee riechen.

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