Bundesverdienstkreuz Büttenpapier aus der Staatskanzlei

Werner Osthoff ist für sein Engagement für die Kultur- und Heimatpflege in Hülsen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Er ist Mitglied in allen Vereinen des Dorfes.
25.05.2018, 18:12
Lesedauer: 3 Min
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Büttenpapier aus der Staatskanzlei
Von Jörn Dirk Zweibrock

Er ist ein bescheidener Mensch, macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Demütig, ja nahezu schon ehrfürchtig sei er geworden, als er zum ersten Mal den Brief aus Hannover in den Händen gehalten habe, erinnerte sich der 71-jährige Werner Osthoff aus Hülsen. Daraus ging hervor, dass er sich in die Reihe der Träger der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland eingereiht hat. "Zwei Mal in meinem Leben durfte ich bei so einer Verleihung dabei sein. Das war in den 1980er-Jahren bei Hermann Norden aus Holtum (Geest) und in den 1990er-Jahren bei Johann-Hinrich Lindhorst aus Kirchlinteln. Beide haben mein Leben eine Zeit lang begleitet und vor beiden hatte ich eine große Hochachtung – nicht nur wegen ihrer Menschlichkeit, sondern auch wegen ihrer ganz besonderen Lebensleistung", sagte Werner Osthoff. Und nun ist er also selbst im Besitz des Bundesverdienstkreuzes. Wer ihn kennt, weiß: Er hat diese Auszeichnung einfach verdient.

Mitglied in allen Vereinen

"Werner Osthoff engagiert sich seit Jahrzehnten tatkräftig und mit viel Eifer für das Vereinswesen sowie die Kultur- und Heimatpflege in der Dörverdener Ortschaft Hülsen", sagte Verdens Landrat Peter Bohlmann am Freitag bei der kleinen Feierstunde im Hülsener Schützenhaus. Es gibt wohl keinen Verein im Dorf, in dem der Geehrte nicht Mitglied ist und im Laufe der Jahre mindestens ein Amt innehatte. Sogar Leiter des Frauenchores sei er einmal gewesen. Und Verbindungsmann für den Tischtennis im Sportverein, Mitbegründer des Spielmannszugs, Vorsitzender des Schützenvereins, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft der schießsporttreibenden Vereine. Den Männergesangsverein und die Westener Kirchenstiftung nicht zu vergessen. Natürlich ist der zweifache Vater und inzwischen sechsfache Großvater auch Mitglied in der Hülsener Feuerwehr. "Dort war ich schließlich 30 Jahre lang Schreiber beim Knobeln", erzählte er lachend. Und wer hat die Theatergruppe des Ernteclubs reaktiviert? Natürlich Werner Osthoff. Warum steht die Hülsener Reithalle heute dort, wo sie steht? Weil Werner Osthoff damals mit dem Kreisbaudirektor im VW Käfer durch das Dorf gedüst ist und nach einem geeigneten Standort Ausschau gehalten hat.

"Unsere Mutter hat sich nie über die häufige Abwesenheit unseres Vaters beklagt, oder darüber, dass bei ihm so oft Vereinsdinge Vorrang vor allen anderen Dingen hatten. Im Gegenteil. Sie hat ihn immer unterstützt und ihm den Rücken freigehalten", sagte Osthoffs Sohn Stephan bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an seinen Vater. Und deshalb sei die hohe Auszeichnung auch eine Auszeichnung für seine Mutter Hannelore. Ihre bescheidene Antwort: "Es geht immer nur gemeinsam, im Team. Einer ist immer der Motor und zieht die anderen mit."

Das Baby des langjährigen Kämmerers und stellvertretenden Gemeindedirektors der Gemeinde Kirchlinteln ist allerdings der Kulturförderkreis. Von 1988 bis 2016 war Werner Osthoff dessen Vorsitzender. "Wir haben das Hülsener Schafstallviertel über die Dorferneuerung saniert", blickte er voller Stolz zurück. Das historische Ensemble ist inzwischen zu einem überregional bekannten Schmuckstück geworden. Stichwort Eigenleistung: Gemeinsam mit seiner Montagsgruppe, einer munteren Rentnerband, hat der Hülsener dort unzählige Stunden gearbeitet.

Im vergangenen Jahr haben sie in einem Schafstall gerade eine kleine Infostätte über den Kalibergbau in Hülsen und im Aller-Leine-Tal errichtet. Ausstellungen zum Thema Hauswirtschaft und Landwirtschaft sind die nächsten Projekte, die sich die rührige Combo auf die Fahnen geschrieben hat. "Das Schafstallviertel ist einmalig in Deutschland", ging auch Landrat Peter Bohlmann in seiner Laudatio auf Werner Osthoff auf die Bedeutung des denkmalgeschützten Ensembles ein.

Warum macht der 71-Jährige das eigentlich alles? Warum verbringt er einen Großteil seiner Freizeit auf Besprechungen, Vorstandssitzungen oder Vereinsfesten? "Eine Voraussetzung für ehrenamtliches Engagement ist meines Erachtens der Wunsch nach Geselligkeit. Und Geselligkeit haben uns unsere Eltern seit frühester Kindheit an vorgelebt. Diesen Wunsch nach Geselligkeit habe ich auch bei mir persönlich immer gespürt."

Geselligkeit ist seine Antriebsfeder

Inzwischen hat der Geehrte auch innerlich verarbeitet, dass er nun zum erlesenen Kreis der Träger des Bundesverdienstkreuzes gehört. "Mir haben wirklich die Knie geschlottert, als ich das Büttenpapier aus der Niedersächsischen Staatskanzlei gesehen habe", erinnerte sich Werner Osthoff. Und scherzte: "Ich habe erst noch meine Frau gefragt, ob Stephan Weil jetzt vielleicht doch nach Berlin geht und einen Nachfolger in Hannover sucht."

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