Heisenhof Die Katze im Sack gekauft

Der Frankfurter Anwalt Christian Droop will Gut Ramdohr in ein parkähnliches Gelände verwandeln. Ob dies allerdings ohne Bebauungsplan geschehen kann, ist fraglich.
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Die Katze im Sack gekauft
Von Jörn Dirk Zweibrock

Drei, zwei, eins – meins, mit diesem markanten Slogan hat früher ein Online-Auktionshaus für sich geworben. Auch in Rostock ist am Wochenende das Hämmerchen gefallen. Der Frankfurter Jurist Christian Droop hat den Zuschlag für Gut Ramdohr, besser bekannt als Heisenhof, bekommen. Hunderttausend Euro blättert er für die maroden Gebäude hin, das Mindestgebot lag bei 95 000 Euro (wir berichteten). Der Hesse hat sich bei der Versteigerung nach eigenen Worten gegen einen weiteren Bieter durchgesetzt. Obwohl er noch nie einen Fuß in das Objekt gesetzt habe, sei er zufrieden über den Erwerb der geschichtsträchtigen Immobilie im Süden von Dörverden. Droop hat somit also sprichwörtlich die Katze im Sack gekauft. Dem weiträumigen Grundstück will er nun sukzessive einen „parkähnlichen Charakter“ verleihen.

Mit botanischen Gärten kennt sich der 55-Jährige aus. Er ist gerade dabei, im rheinland-pfälzischen Hahnstätten ein ähnliches Projekt wie in der Gemeinde Dörverden zu realisieren. Der Internetpräsenz zufolge sollte der Botanische Garten Schloss Bieberstein bereits im Frühsommer des vergangenen Jahres seine Pforten öffnen. Dem ist allerdings nicht so. Statt Bildern mit begeisterten Besuchern werden dort stattdessen herbstliche Impressionen von der Garten-Baustelle beziehungsweise Fotos vom Frühjahrsputz im Kompost-Lager gepostet. Als neuer Eröffnungstermin wird mittlerweile Sommer 2020 anvisiert.

Droop, Geschäftsführer einer Projektentwicklungsgesellschaft auf privater Investoren-Initiative, hat das Konzept für die Errichtung eines botanischen Gartens in Abstimmung mit der dortigen Gemeinde entwickelt. In Zusammenarbeit mit zwei Gartenarchitekten sollen in Rheinland-Pfalz verschiedene Gartenformen (Barock-, Landschafts- und Felsengarten) entstehen. Die Teichanlage samt Seebühne für nationale und internationale Künstler wird im Netz als „Highlight“ beworben. Auch der Bau eines Abenteuer-Spielplatzes ist im Nutzungskonzept vorgesehen. „Die Initiatoren sind zuversichtlich, dass der botanische Garten auch die in Hahnstätten ansässigen Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe nachhaltig stärken wird“, ist dort zu lesen. Der Ort befindet sich übrigens in der Nähe des hessischen Limburg, wo einst ein Bischof mit seinem Protz-Bau für Schlagzeilen gesorgt hat.

„Ich mache öfter bei Auktionen mit“, sagt Droop den Verdener Nachrichten. Kaufen würde er allerdings fast nie. Doch was hat den Geschäftsführer einer land- und forstwirtschaftlichen GmbH letztlich dazu bewogen, für die mit den braunen Schatten der Vergangenheit belastete Immobilie zu bieten? Und das, ohne jemals persönlich vor Ort gewesen zu sein. Droop kennt den Heisenhof schließlich nur von Fotos oder Videos. „Es wäre viel zu schade, Gut Ramdohr verkommen oder abreißen zu lassen“, schwärmt er neben der schönen Fassade auch von der reizvollen Lage des Heisenhofes im Städte-Dreieck Hamburg-Bremen-Hannover. Pläne, seinen Wohnsitz in die Gemeinde Dörverden zu verlegen, hege er indes nicht. Dass der inzwischen verstorbene Anwalt Jürgen Rieger aus der ehemaligen Standortverwaltung der Bundeswehr früher einmal ein rechtsextremes Schulungszentrum machen wollte, ist dem Juristen durchaus bewusst. „Politisch motivierte Abrisspläne kann ich nachvollziehen“, erklärt Droop. Dennoch setzt er nun darauf, in Abstimmung mit dem Landkreis Verden und der für die Bauleitplanung zuständigen Gemeinde Dörverden ein neues Nutzungskonzept für das Areal zu entwickeln. Er wolle zeitnah mit einem Architekten-Team in Dörverden vorstellig werden.

Genauso wie der Landkreis die Abrissverfügung 2011 auf Barbara Meyer übertragen hat, leitet er sie nun auf Christian Droop als neuen Eigentümer über. „Nach meiner persönlichen Einschätzung – ohne rechtliche Prüfung – gehe ich davon aus, dass es ohne die Aufstellung eines Bebauungsplanes nicht gehen wird“, teilt Volker Lück, Leiter des Fachbereiches Bauen und Umwelt beim Landkreis Verden, mit. Heißt übersetzt, dass es sich bei dem Projekt demnach vermutlich nicht um eine privilegierte Nutzung (Land- oder Forstwirtschaft) handelt. Sollten sich allerdings die rechtlichen Grundlagen ändern, werde der Kreis auf die Durchsetzung der Abrissverfügung verzichten, versichert Lück.

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