Parteiloser Bewerber

„Auf der Baustelle gibt es kein Sie“

Volker Meyer (49) will Dörverdens amtierenden Bürgermeister Alexander von Seggern im September herausfordern. Bevor seine Kandidatur fix ist, benötigt er allerdings noch Unterstützungs-Unterschriften.
23.04.2021, 17:18
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„Auf der Baustelle gibt es kein Sie“
Von Jörn Dirk Zweibrock
„Auf der Baustelle gibt es kein Sie“

Will das Dörverdener Rathaus erobern: Volker Meyer aus Stedorf.

Björn Hake

Er bringe alles mit. „Alles bis auf Verwaltungserfahrung und Erfahrung in der politischen Gremienarbeit“, sagt der 49-jährige Volker Meyer aus Stedorf. Der Familienvater (zwei Töchter) versteht sich ein wenig als Gegenpol zum amtierenden Bürgermeister Alexander von Seggern (parteilos) und will ihm nun die zweite Amtszeit im Dörverdener Rathaus streitig machen. Meyer, Geschäftsführer einer Projektentwicklungsfirma für Immobilien, will als parteiloser Kandidat bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 12. September, antreten.

Unterstützt wird er bislang von den Dörverdener Sozialdemokraten, die sich auf ihrer Mitgliederversammlung bereits mit großer Mehrheit für ihn ausgesprochen haben. Weil der Stedorfer nicht als SPD-Mitglied antritt, benötigt er für seine Kandidatur insgesamt 110 Unterstützungs-Unterschriften. Warum gerade 110? Ganz einfach - dabei handelt es sich Gemeindewahlleiter Günter Ebenthal zufolge um die fünffache Anzahl der aktuellen Ratsmitglieder. Weil das Gemeindeparlament derzeit 22 Köpfe zählt, muss Meyer folglich 110 Unterschriften für sich sammeln. Die Abgabefrist für die Liste endet am 26. Juli um Punkt 18 Uhr. Volker Meyer und der SPD-Vorstand um Jens Künzler und Rolf Lühning haben keinen Zweifel daran, dass der 49-Jährige auf die Anzahl der erforderlichen Unterstützungs-Unterschriften kommt. Außerdem wolle er in den kommenden Wochen das Gespräch mit den anderen Ratsparteien, CDU-Fraktion sowie Gruppe Grüne/Linke, suchen und gemeinsame Schnittmengen ausloten.

Meyer, der nach eigenen Aussagen auf die SPD zugegangen ist, betont, dass die Gemeinde Dörverden endlich einmal „einen Schub“ benötige. Seiner Ansicht nach hätte der Gewerbe- und Industriepark Barme längst in Betrieb genommen werden müssen. „Wir sind seit 2004 dabei, dieses Vorhaben zu verwirklichen, dass es sich dabei um kein Zweijahres-Projekt handelt, sollte jedem klar sein, aber 17 Jahre sind eindeutig zu lange“, moniert der Stedorfer. Nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmechaniker ist er im Unternehmen des Ankerinvestors tätig gewesen. Mit der richtigen Ansprache und mit Diplomatie komme man im Leben weiter, ist er überzeugt.

Durch Fortbildungen, abends und am Wochenende, habe er sich sein kaufmännisches Wissen bis zum Betriebswirt angeeignet. „In Bremerhaven haben wir gerade 88 Wohnungen und ein Hotel gebaut“, erzählt der geprüfte Immobilienfachwirt und ergänzt: „Auf der Baustelle gibt es kein Sie. Wenn es nötig ist, fahre ich auch schon mal den Radlader weg.“ Kein Wunder, dass sein politischer Fokus auch auf der Entwicklung neuer Baugebiete im Aller-Weser-Dreieck liegt. Auch die Planungen für das neue gemeinsame Feuerwehrgerätehaus für Dörverden und Stedorf hätten ihm persönlich einfach zu lange gedauert. „Auch das Rathaus befindet sich im Sanierungsstau“, wettert der Stedorfer.

Seit Jahrzehnten engagiert sich der tief in der Gemeinde Dörverden verwurzelte Meyer in verschiedenen Vereinen, besonders hervorzuheben sind hierbei die DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) und natürlich sein über alles geliebter Stedorfer Schützenverein, dessen Vize-Vorsitzender er ist. „Für mich gehört es einfach dazu, auf einem 80. Geburtstag Platt zu schnacken“, betont Meyer. Gerade die Tatsache, dass er kein Zugezogener, sondern tief vor Ort verankert sei, habe für die SPD auch den Ausschlag gegeben, Volker Meyer zu unterstützen, betont Jens Künzler.

In seinem eigenen Waldstück pflanze er Jahr für Jahr 50 Bäume und erfülle somit „den Generationenvertrag“, erzählt Meyer, der Familienvater aus Stedorf. In seiner Freizeit gehe er gerne mit seinen Vierbeinern Cita und Wella Gassi, laufe oder fahre Rad. „Ich bin auch schon mal mit dem Motorrad bis zum Nordkap gedüst“, erzählt er. Als passionierter Lebensretter sei Wasser ohnehin sein Element. „Ich liebe es auch, mich einfach nur mit Freunden zu treffen und ausgiebig eine Runde zu schnacken“, sagt der waschechte Stedorfer. Als streitbar und durchsetzungsstark, kurzum als Macher-Typen, würden ihn seine Freunde beschreiben. Immer an seiner Seite: Ehefrau Tanja, die ihn unterstütze und ihm den Rücken freihalte. „Ohne sie würde es nicht gehen.“

Er wolle Bürgermeister für alle Bürger werden und nicht nur ein Verwaltungschef, betont Volker Meyer. Gerade weil er nicht aus der Verwaltung, sondern aus der Wirtschaft komme, verfüge er neben kaufmännischen Kenntnissen und Führungsqualitäten auch über andere Qualitäten.

Die Dörverdener SPD will jedenfalls in der Bevölkerung eine „Wechselstimmung“ ausgemacht haben. Kein hauptamtlicher Bürgermeister, der im Zuge der sogenannten Eingleisigkeit zugleich oberster Repräsentant und Verwaltungschef ist, wurde bislang im Aller-Weser-Dreieck wiedergewählt. Bisher haben sich SPD und CDU im Dörverdener Rathaus sprichwörtlich die Klinke in die Hand gegeben.

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