Baseball

Eine historische Wette

Sie sind bis heute das einzige Baseballteam, das es im Kreis Verden gab – die Wahnebergen Wombats. Im Jahr 1995 gingen die Beutelritter im Punktspielbetrieb an den Start. Ein Streifzug durch die Geschichte.
07.04.2020, 18:00
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Eine historische Wette
Von Maurice Reding
Eine historische Wette

Im Jahr 1995 gingen die Wahnebergen Wombats in der Bezirksliga an den Start. Der Zulauf war groß, sodass das Interesse über die Jahre stieg.

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Ein Fußballplatz im Kreis Verden im Jahr 1994. In der fünften Kreisklasse duellieren sich zwei Teams. So weit erst mal nichts ungewöhnliches. Nach den 90 Minuten geht die Partie noch in die allseits bekannte dritte Halbzeit. Die Spieler sitzen am Tresen und trinken noch ein Bier zusammen. Es wird über diverse Themen geschnackt. Mitten im Geschehen ist auch Harm-Dirk Hüppe. Er unterhält sich mit seinen Mannschaftskollegen und irgendwann kommen sie auf ein bestimmtes Thema: amerikanische Sportarten. Und hier bleiben sie hängen. Die Diskussion gipfelt anschließend in einer Wette: Hüppe soll innerhalb von sechs Jahren eine amerikanische Sportart im Kreis Verden etablieren und einen Verein gründen. Der geborene Wahneberger schlägt ein. Es ist quasi die Geburtsstunde der Wahnebergen Wombats, der bis heute einzigen Baseballmannschaft, die es im Kreis Verden gab.

Nachdem Hüppe die Wette eingeht, macht er sich direkt an die Arbeit. Welche amerikanische Sportart könnte im Kreis Verden etabliert werden? Er überlegt nicht lange. „Baseball empfand ich immer als interessante Sportart. Ich habe mir früher einige Filme angeguckt“, erzählt er. Aber wer spielt schon Baseball? Hüppe macht sich Gedanken, wen er alles fragen könnte. „Ich habe meinen Abiturjahrgang, Fußballkollegen und Freunde angesprochen. Und dann haben wir losgelegt“, erinnert sich der 52-Jährige.

120 Zuschauer bei Premierenspiel

Die Infrastruktur war gegeben. Auf dem hinteren Sportplatz an der Verdener Straße, den der SV Wahnebergen zur Verfügung stellte, sollten die Partien über die Bühne gehen. Im September 1994 hielten Hüppe und Co. eine Gründerversammlung ab – die Wahnebergen Wombats waren endgültig geboren. Die Mindestanzahl von 15 Spielern erfüllte der Verein ebenfalls.

Im April 1995 war es dann so weit: Die Wahnebergen Wombats gingen im Punktspielbetrieb in der Bezirksliga an den Start. Zu Gast auf dem „Field“ an der Verdener Straße waren die Bremen Dukes. Beachtliche 120 Zuschauer wollten sich die Premiere der Beutelratten nicht entgehen lassen. Die Wombats hatten in ihrem ersten Spiel jedoch keine Chance und unterlagen den Dukes mit 6:20. Generell sollte die erste Saison eine Spielzeit sein, in der Hüppe und seine Mannschaftskollegen viel Lehrgeld bezahlten. Die Wombats gewannen kein einziges Spiel. „Man muss aber auch betonen, dass wir sehr blauäugig an die Sache herangegangen sind. Das war mehr Learning by doing“, sagt Hüppe. Trotzdem gelang der Mannschaft beim Pröti-Cup in Lingen mit dem dritten Platz ein Überraschungserfolg.

Im Jahr 1996 fanden die Wombats mit Thorsten Poek einen Trainer. Bis dahin fungierte Hüppe als Spielertrainer. Nach der Installierung von Poek als Coach übernahm Hüppe den Posten des Mannschaftsbetreuers. In dieser Konstellation ging es Schritt für Schritt nach vorne. Die Beutelratten fuhren die ersten Siege ein und liefen erstmals in eigenen Trikots auf. Die Erfolge sprachen sich in Niedersachsen und Bremen herum, die Partien waren dementsprechend gut besucht. Noch im gleichen Jahr folgte ein Platzumbau.

Zwischen Landes- und Bezirksliga

Wer ein Baseballteam an den Start bringt, muss aber auch in der Jugendarbeit aktiv sein. So sieht es der Niedersächsische Baseball und Softball Verband (NBSV) vor. Deswegen nahmen die Wombats an einem Ferienspaßprogramm teil und arbeiteten mit Schulen zusammen. Trotzdem bekamen Hüppe und Co. nie eine Jugendmannschaft zusammen. „Das war einfach schwierig“, sagt Hüppe.

Das Jahr 1998 war das erfolgreichste der Wombats. Die Mannschaft hatte sich so gut zusammengefunden, dass am Ende der Saison der erstmalige Aufstieg in die Landesliga stand. Das Interesse war sogar so groß, dass der Verein eine zweite Mannschaft für die Bezirksliga meldete. „Wir hatten damals 33 Spieler. Das war unsere beste Zeit.“

Ein Jahr später stiegen die Wombats wieder aus der Landesliga ab. Das bedeutete auch das Ende der zweiten Mannschaft. Lediglich ein Rumpfteam war noch übrig geblieben. Das sorgte jedoch für Aufsehen: Nach dem Abstieg aus der Landesliga feierten die Wombats im Jahr 2000 den direkten Wiederaufstieg in die Landesliga. Doch auch das zweite Intermezzo war nur ein kurzes und endete im direkten Wiederabstieg. Es war ein Auf und Ab für die Wombats. Im Jahr 2003 setzten sie noch mal alles auf eine Karte und verstärkten sich mit Spielern aus Falkenberg. Die Rechnung ging auf: Meisterschaft in der Bezirksliga und der abermalige Aufstieg in die Landesliga.

Auf diesen verzichteten die Wombats jedoch – und das aus gleich mehreren Gründen. „Wir haben keine Mannschaft mehr zusammenbekommen. Am Ende standen uns nur noch neun Spieler zur Verfügung. Viele sind aus Studiengründen weggezogen“, bedauert Hüppe die damalige Situation. Außerdem wäre es für die Wombats keine Freude gewesen, wenn sie mit einem kleinen Team in der Landesliga angetreten wären, erzählt Hüppe. Was auch noch hinzukam: Die Beutelritter erfüllten die Vorgaben des NBSV in Sachen Jugendarbeit nicht. „Das haben wir einfach nicht hingekriegt. Wir hatten zwar einen ordentlichen Etat, aber man muss ja auch Verbandsgebühren und andere Sachen bezahlen. Wir haben selbst viel Geld reingesteckt. Dann braucht man ja noch zwei Fußballfelder für ein Baseballspiel. Es hat am Ende einfach nicht gereicht“, erzählt Hüppe. Schweren Herzens entschieden sich die Verantwortlichen drei Tage vor dem ersten Landesliga-Spiel, die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden.

Bevor sich die Wahnebergen Wombats auflösten, folgte noch ein letztes Highlight: In einem Abschiedsspiel trafen die Wombats 2004 auf die Bremen Dukes – und damit auf jenen Gegner, gegen den sie ihr erstes Spiel bestritten hatten. Der Platz wurde anschließend wieder dem SV Wahnebergen überlassen und die Baseball-Sparte aufgelöst.

Comeback bei Jubiläumsfeier?

Für Harm-Dirk Hüppe war das aber noch nicht das endgültige Ende. Er half kurze Zeit später beim Aufbau der Barrien Green Bears mit. „Ich habe dort dann ein bisschen den Trainer gemacht“, erzählt er. Ob es ihn in den Fingern gejuckt hat, noch mal im Kreis Verden ein Baseballteam an den Start zu bringen? „Geträumt hat man schon davon. Es ist ein schöner Sport. Aber von der Zeit her kriegt man das nicht mehr hin. Außerdem sind die Verbandsstrukturen zu streng, um noch mal so loszulegen, wie wir es damals getan haben“, sieht Hüppe die Situation realistisch. Zudem sei die Sportart in Deutschland einfach nicht angekommen. „In Amerika ist Baseball gängiger als hierzulande“, sagt Hüppe, der seit Juni vergangenen Jahres Erster Stadtrat in Twistringen ist.

Einer, der ebenfalls am Aufbau der Wahnebergen Wombats beteiligt war, ist Matthias Schmidt. „Malte Schacht, Harm-Dirk Hüppe und ich haben uns damals ein paar Bälle zugeworfen. Die Idee ist ja dann bekanntlich aus einer Bierlaune entstanden“, erinnert er sich. Schmidt war sogar der erste Pitcher des Vereins, verließ die Mannschaft aber nach ein paar Jahren wieder. Von der Mannschaft seien nur wenige dem Baseball nach Auflösung des Vereins treu geblieben. „Einer von uns fliegt regelmäßig nach Florida in die USA, um dort zu spielen“, sagt Schmidt, der Co-Trainer der Fußballer des SV Wahnebergen ist. Im kommenden Jahr wird der Verein 100 Jahre alt. Und vielleicht kommt es dann ja sogar zu einem Comeback der Wombats. Auszuschließen ist das bei so einer Entstehungsgeschichte nicht.

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