Heisenhof

Bunker-Pilze und Fassaden-Kiwis

Der neue Eigentümer des Heisenhofs will aus dem Gutsgelände eine Permakultur-Landwirtschaft machen. Alles hängt nun von der Entscheidung des Landkreises ab.
09.04.2021, 17:37
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Bunker-Pilze und Fassaden-Kiwis
Von Jörn Dirk Zweibrock
Bunker-Pilze und Fassaden-Kiwis

Hemdsärmelig: Christian Droop (Mitte) und Jonas Gampe (r.) tauschen sich mit Vertretern des Netzwerkes Orca aus.

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Es tut sich was auf dem Heisenhof-Gelände. Pardon, den Begriff Heisenhof nimmt der neue Eigentümer Christian Droop lieber nicht in den Mund, stattdessen läuft sein ambitioniertes Permakultur-Projekt (dauerhafte Kultivierung) unter dem Arbeitstitel „Kreislauf-Hof“. Nachdem auf dem Außengelände in den vergangenen Monaten durch örtliche Betriebe kräftig Kahlschlag gemacht wurde, wird auf dem Areal nun ein mehrjähriges artenreiches Grundgerüst angelegt. Permakultur-Designer Jonas Gampe aus Unterfranken und sein Team verwandeln das Gelände gerade in ein „essbares Ökosystem“. Begleitet werden sie dabei vom allgemeinen Netzwerk Orca. Rund 80 Tonnen Pilze und 40 Tonnen Gemüse will Droop dort künftig in der Hauptertragszeit ernten. Droop möchte in Drübber an der Bundesstraße 215 einen Betrieb mit Modellcharakter aufbauen und Pionierarbeit auf dem Gebiet der Permakultur im landwirtschaftlichen Bereich leisten. Für die Umgestaltung des Außengeländes und die Herrichtung der bestehenden Gebäude für landwirtschaftliche Nutzzwecke ist er nach eigener Aussage bereit, zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro in die Hand zu nehmen.

Für das rund 2,4 Hektar große Areal strebt er eine privilegierte Nutzung, sprich eine Landwirtschaft im Vollerwerb, an. 15 Vollzeitkräfte sollen seinen Kreislauf-Hof in Zukunft bewirtschaften. Ob das Projekt Kreislauf-Hof tatsächlich als Landwirtschaft klassifiziert wird, wird derzeit noch vom Landkreis Verden geprüft. Faktoren wie die Flächengröße, die Qualifikation der Bewirtschafter und natürlich auch die Wirtschaftlichkeit spielen dabei eine Rolle. Droop hofft, dass er bald die ersehnte Baugenehmigung erhält und somit die auf ihn als neuen Eigentümer übertragene Abrissverfügung umgehen kann.

Die großfruchtigen Esskastanien sind bereits gepflanzt, Gemüse-, und Kräuterbeete sollen ebenso folgen wie Obstbäume. Permakultur-Landwirtschaft komme ohne jegliche Spritz- und Düngemittel aus, betont Garten-Landschaftsbau-Techniker Jonas Gampe. Dabei handele es sich nicht nur um eine ökologische, sondern auch um eine besonders ökonomische Form der Landwirtschaft. „Der Permakultur-Standard ist besser als jedes Ökosiegel“, erklärt Gampe und erläutert, dass die geernteten Produkte langfristig im guteigenen Hofladen oder eben auf Bio-Märkten in der Region verkauft werden sollen.

Als weiteres Standbein will Droop eine Pilzzucht auf Gut Ramdohr, der eigentliche Name des Heisenhofs, etablieren. Sowohl im Außenbereich an geimpften Stämmen als auch im Bunker unter dem früheren Offizierswohnheim (auf Stroh und Holzhäckseln) sollen Shiitake, Trüffel, Kräuter- und Austernseitling gezüchtet werden. Droop kalkuliert mit 40 Tonnen „Bunker-Pilzen“ pro Saison. Die Saatzucht, Pilzbeimpfung und -vermehrung sowie das Pilzlabor finden dort ebenfalls Platz. „Im Obergeschoss wollen wir Zimmer für Saisonkräfte und Auszubildende einrichten“, erläutert Christian Droop seine Pläne. Außerdem sei neben der Dachbegrünung noch eine „essbare Fassadenbegrünung“ - sprich der Anbau von Kiwis an der Südfassade - angedacht.

„Wir wollen vorhandene Ressourcen wie Regenwasser nutzen“, erzählt der Planer für Permakultur-Gestaltung. Das Rückhaltebecken ist bereits ausgehoben. Die überall auf dem Gelände verstreuten Ziegelsteinhaufen sollen künftig unter anderem Eidechsen als Kleinbiotope dienen. „Auf dem Gelände können sich in den nächsten Jahren bis zu 20.000 verschiedene Tier- und Wildpflanzenarten ansiedeln“, mutmaßt Gampe.

Bis die Nussbäume zum ersten Mal richtig tragen, werden jedenfalls noch einige Jahre ins Land ziehen. Droop plant jedenfalls langfristig - ganz im Sinne der dauerhaften Kultivierung - betont aber: „Je früher wir Umsatz machen können, desto früher trägt sich unser Kreislauf-Hof auch.“ Mit Vertretern der Landwirtschaftskammer habe er sich bereits zum Vorort-Termin in Drübber getroffen. Droop, der den Heisenhof für 100.000 Euro bei einer Auktion in Rostock ersteigert hat, hofft nun, dass er auch die Genehmigungsbehörde, also den Landkreis, hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit seines Permakultur-Projektes überzeugen kann.

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