Dorfentwicklung Konjunkturbeitrag für den ländlichen Raum

Der Dörverdener Rat entscheidet bald final über den Dorfentwicklungsplan. Private Vorhaben wie die Sanierung der äußeren Hülle von historischen oder ortsbildprägenden Gebäude werden gefördert.
21.09.2022, 16:46
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Konjunkturbeitrag für den ländlichen Raum
Von Jörn Dirk Zweibrock

Das Regiebuch wird von den Regieassistenten geführt und dient ihnen als Gedächtnisstütze während der Proben. So ähnlich wie in der Theaterwelt verhält es sich auch bei der Dorfentwicklung. Der Dorfentwicklungsplan stellt als "Regiebuch" den Handlungsrahmen für die künftige Entwicklung der Dorfregion Aller-Wölpe dar und gibt Empfehlungen für öffentliche Vorhaben in der Dorfregion – einschließlich Prioritätensetzung.

Bei der öffentlichen Ratssitzung am Donnerstag, 29. September, um 19 Uhr im Dörverdener Kulturgut Ehmken Hoff soll der Dorfentwicklungsplan für die Dorfregion Aller-Wölpe nun final beschlossen werden. Über die Umsetzung der darin enthaltenen öffentlichen Vorhaben sowie die Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel wird jedoch gesondert politisch entschieden.

Die Dorfregion Aller-Wölpe besteht aus den Aller-Anrainern Westen und Hülsen sowie aus der Stadt Rethem und der Gemeinde Frankenfeld. Sie schlängelt sich also kreisübergreifend am blauen Band, der Aller, entlang. 2021 wurde die Dorfregion in das Förderprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen. 

Bei verschiedenen Veranstaltungen, sei es in Präsenz oder online, haben die Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Monaten viele Ideen eingebracht. Begleitet wird der Prozess von einer Lenkungsgruppe, in der auch Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern, Hülsens Ortvorsteherin Doris Köhler und der Westener Ortsvorsteher Michael Kappel sitzen.

Förderung bis zu 40 Prozent

Private Eigentümer können für Vorhaben an ihren historischen, ortsbildprägenden oder landwirtschaftlichen Gebäuden (Fassaden-, Dach-, Fenster oder Türensanierungen) eine Förderung von bis zu 40 Prozent der Netto-Investitionssumme im Zuge der Dorfentwicklung erhalten. Neben der Sanierung der äußeren Gebäudehülle werden auch Freiflächengestaltungen (Pflasterung, Einfriedung und Pflanzungen) gefördert. Es bestehen je nach Projekt unterschiedliche Förderhöchstsummen zwischen 50.000 und 150.000 Euro.

Bei gemeinnützigen Vereinen können hingegen bis zu 75 Prozent der Netto-Investitionssumme gefördert werden. Ergänzend können auch Eigenleistungen anerkannt werden.

Um sie im Folgejahr, also noch 2023, umsetzen zu können, müssen geplante Vorhaben bis zum Antragsstichtag am 30. September dieses Jahres beim Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) beantragt werden. Die Förderphase dauert mehrere Jahre an. 

Der Projektsteckbrief enthält viele Vorschläge für öffentliche und private Vorhaben. Die Errichtung eines Cafés im Hülsener Schafstallviertel oder der Ausbau des ehemaligen Rathauses in Hülsen zu einer "Kultur- und Geschichtswerkstatt" sind zwei davon. Weitere Beispiele für Projekte im Zuge der Dorfentwicklung wären auch die Errichtung einer offenen Werkstatt in Westen oder die Entstehung einer Verkaufsstelle für regionale Lebensmittel in Hülsen.

800 Dörfer im Förderprogramm

Beim Dorfentwicklungsplan handelt es sich um ein informelles Instrument der kommunalen Planung, das keine Rechtswirksamkeit wie beispielsweise eine Satzung erzeugt. Für die Anerkennung durch das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg (ArL) ist erforderlich, dass der Entwurf des Dorfentwicklungsplanes von den Räten der beteiligten Kommunen zustimmend zur Kenntnis genommen wird. Nach der Anerkennung durch die Behörde bildet der Plan dann die Grundlage für die Förderung öffentlicher und privater Vorhaben im Zuge der Dorfentwicklung. 

In Niedersachsen befinden sich derzeit mehr als 800 Dörfer in der Dorfentwicklung, die als eines der zentralen und beliebtesten Förderinstrumente für die ländlichen Räume gilt. "Dorfentwicklung ist mehr als Gestaltung, Dorfentwicklung ist auch ein Konjunkturbeitrag für die ländlichen Räume", betont Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) immer wieder. 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+