Einkaufsservice

Gelebte Nächstenliebe

Das Netzwerk „Dörverden hilft“ versorgt Menschen aus den Risikogruppen mit Lebensmitteln. Das Engagement in den Ortschaften ist groß.
22.01.2021, 17:13
Lesedauer: 3 Min
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Gelebte Nächstenliebe
Von Jörn Dirk Zweibrock
Gelebte Nächstenliebe

Bringt schon mal den Einkauf vorbei: Burckhard Lohmann ist Koordinator von Stedorf und sorgt dafür, dass Reiserückkehrerin Cornelia Quade versorgt wird.

Björn Hake

Mit einer prall gefüllten Einkaufstasche biegt Einkäuferin Antje Malkus in die Stedorfer Sackgasse. An der Haustür wartet schon Cornelia Quade. Ihre Kinder können es kaum erwarten, bis sie die Tasche mit den Lebensmitteln endlich in der heimischen Küche auspacken dürfen. Ihre Mutter studiert derweil den Kassenbon und überweist die Summe kurze Zeit später online an den Vollsortimenter im Kernort Dörverden. Die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen, ohne dass die Einkäuferin das Geld zuvor an der Supermarktkasse auslegen musste, empfindet die Mutter aus Stedorf als sehr angenehm.

Familie Quade befindet sich zur Zeit nach einem Familienbesuch im Ausland in häuslicher Quarantäne. Die Reiserückkehrer sind froh, dass es im Aller-Weser-Dreieck das Netzwerk „Dörverden hilft – zusammen gegen die Corona-Pandemie“ gibt. „Das ist eine ganz tolle Sache. Ich würde mir wünschen, dass dieses Angebot gerade von den älteren Mitbürgern noch mehr angenommen wird“, erzählt Cornelia Quade und bereitet inzwischen aus den mitgebrachten Zutaten ein leckeres Mittagessen für sich und ihre Kinder zu.

Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres, also während des ersten Lockdown, wurde das breit aufgestellte Netzwerk ins Leben gerufen. Es versteht sich als ein parteiübergreifendes Bündnis aus den Kirchengemeinden, Ortsvorstehern und Vereinen und arbeitet in enger Abstimmung mit dem Dörvedener Bürgermeister Alexander von Seggern. Rund 90 Einkäuferinnen und Einkäufer befinden sich aktuell in der Kartei des Netzwerks. „Wir sind in allen Ortschaften der Gemeinde Dörverden vertreten“, betont Stefan Bormann, Initiator des Netzwerks. Er freut sich immer über weitere freiwillige Helfer.

„Bei Ausbruch der Pandemie zeichnete sich sehr schnell Handlungsbedarf ab, um den Risikogruppen die Möglichkeit zu geben, zu Hause bleiben zu können, um sich selbst und andere zu schützen“, erläutert der Bundeswehroffizier. Besonders wichtig sei es ihm herauszustellen, dass es sich bei ,Dörverden hilft' um kein Einzelprojekt handele, sondern um eines, das mit sehr viel Engagement und Leidenschaft von vielen Bürgern aus allen Bereichen der Gemeinde mit Leben erfüllt werde. „Wir sind für die Bürger im Rahmen gelebter Nachbarschaftshilfe da, kaufen für sie ein oder fahren für sie zur Apotheke“, erläutert Bormann das Prinzip des gesellschaftlich breit aufgestellten Netzwerkes.

Am Virus erkrankte Menschen, Bürger, die sich momentan in Quarantäne befinden oder die Angehörigen der Risikogruppen können sich unter der Telefonnummer 0 42 34/94 21 51 bei der Zentralen Koordinationsstelle (ZK) melden. Die Koordinatoren in den verschiedenen Ortschaften der Einheitsgemeinde Dörverden erhalten dann eine E-Mail und stellen den gewünschten Kontakt zu den jeweiligen Einkäufern her.

Regionaler Koordinator für die Ortschaft Stedorf ist Burckhard Lohmann. Er hat Reiserückkehrerin Cornelia Quade zu Beginn ihrer häuslichen Quarantäne den Kontakt zu Einkäuferin Antje Malkus vermittelt. „Bei uns in Stedorf gibt es aktuell elf Einkäufer“, freut sich Lohmann über das Engagement der Menschen aus dem Norden Dörverdens.

Zu Beginn hatte Bormann in dem von ihm vorgelegten Konzept errechnet, dass in der Gemeinde Dörverden mit ihren rund 9000 Einwohnern je nach Pandemielage bis zu 1000 Einkäufe pro Woche notwendig werden könnten. So schlimm hat es das Aller-Weser-Dreieck bislang glücklicherweise aber doch nicht erwischt. Aktuell (Stand Freitag) gibt es in der Gemeinde Dörverden 26 nachweislich mit dem Virus infizierte Menschen.

„Das Konzept verbindet zahlreiche vorhandene Elemente und Akteure in der Gemeinde Dörverden und nutzt dabei existierende Strukturen. Es kann meines Erachtens auf Gemeinden oder Samtgemeinden bis 20.000 Einwohner übertragen werden“, sagt Bormann.

Die Struktur und Gliederung von „Dörverden hilft“ basiert auf dem Subsidiaritätsprinzip. Bedeutet, dass Hilfesuchende wie Familie Quade mittlerweile nicht mehr über die örtlichen Koordinatoren, sondern direkt mit den Einkäufern kommunizieren.

Cornelia Quade aus Stedorf ist jedenfalls froh, dass sie mittlerweile den Großteil ihrer häuslichen Quarantäne hinter sich hat und bald wieder selbst die Dinge des täglichen Bedarfs in Dörverden einkaufen kann. Damit ihre Stamm-Einkäuferin nicht zu oft raus musste, hatte ihr die Stedorferin gleich eine Liste für den Wocheneinkauf gemacht. Mit dem Ende der Quarantäne flexibilisiert sich dann auch der heimische Speiseplan endlich wieder.

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