Pandemie Der Druck ist aus dem Kessel

Der weiße Fleck auf der Testlandkarte verschwindet. Künftig können sich die Bürger aus dem Aller-Weser-Dreieck in der Physiotherapie-Praxis Cordes in Dörverden testen lassen.
08.12.2021, 16:35
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Der Druck ist aus dem Kessel
Von Jörn Dirk Zweibrock

Nicht lange schnacken – einfach machen und den Menschen helfen. Dies ist die Devise von Notfallsanitäter Oliver Bender, der in Cluvenhagen das Unternehmen Help2do betreibt, und der Dörverdener Physiotherapeutin Anja Cordes. Gemeinsam heben sie ein Testzentrum in der bislang unterversorgten Gemeinde Dörverden aus der Taufe. Es geht am Donnerstag, 16. Dezember, im Anbau der Praxis an der Großen Straßen 79c in Dörverden an den Start. Die Öffnungszeiten werden noch bekannt gegeben.

Nachdem sowohl der DRK-Kreisverband das ehemalige Testzentrum im Kultursaal an der Berliner Straße nicht reaktivieren wollte und auch die Central-Apotheke keine Kapazitäten für einen Testbetrieb sah, nehmen sich nun also Bender und Cordes dieser Sache an. "Wir sind hier an der Front. Viele Patienten sind es leid, dass es in Dörverden bislang keine Chance gab, sich testen zu lassen und sie für einen Abstrich extra nach Verden oder Hoya fahren mussten", erzählt Cordes. Die Menschen wollten einfach nicht bei Wind und Winter in langen Schlangen draußen vor Apotheken oder Testzentren stehen. Folglich sei es in den vergangenen Tagen auch in ihrer Praxis immer wieder zu Terminabsagen gekommen.

3G oder 2G-plus – in der Physiotherapie werde gerade zwischen medizinisch verordneten Rezepten, die unter die 3G-Regelung fielen, sowie privat bezahlten Kursen, für die 2G-plus gelte, unterschieden, bringt die Dörverdenerin ein wenig Licht in den Verordnungs-Dschungel. 

Im Januar, wenn der Anbau an der Praxis bezugsfertig ist, will Cordes das Testzentrum dann von der Großen Straße (Bundesstraße 215) in den Kultursaal verlagern. Aufgrund der vorhandenen Parkplätze handelt es sich also insgesamt um zwei sehr verkehrsgünstig zu erreichende Standorte im Kernort Dörverden.

Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern hatte sich in den vergangenen Tagen intensiv darum bemüht, eine Testinfrastruktur im Grundzentrum aufzubauen und dafür gemeinsam mit dem Landkreis Verden, der für die Zulassung der Testzentren verantwortlich ist, Gespräche mit privaten Anbietern geführt. Auch die Dörverdener Sozialdemokraten hatten die fehlende Testinfrastruktur aufs Tapet gebracht.

Cordes sucht derzeit noch weiteres Personal wie medizinische Fachangestellte oder Rettungshelfer für den Testbetrieb in Dörverden, will aber auch ihr Praxis-Team, sprich die Physiotherapeuten, Übungsleiter und Rezeptionsfachkräfte, einbinden und von Oliver Benders Unternehmen Help2do ein bis zwei Tage lang professionell schulen lassen. Aus welcher Motivation heraus handelt sie? "Ich möchte einfach etwas für die Leute tun und Druck aus dem Kessel nehmen", betont sie.

Auch Oliver Bender aus Cluvenhagen freut sich immer, wenn er helfen kann. Eigentlich wollte der Notfallsanitäter, der mit seinem Unternehmen deutschlandweit Ersthelfer schult, gar nicht wieder in den Testbetrieb einsteigen – zu groß sei doch der zeitliche und bürokratische Aufwand. "Meine Frau sagt immer: Du kannst doch die Menschen nicht einfach hängen lassen", erzählt der Vater einer kleinen Tochter. Das größte Problem derzeit sei, Personal für die Testzentren zu gewinnen, beklagt Bender.

An diesem Freitag eröffnet er neben seinen Kreisverdener Zentren auch ein weiteres Testzentrum am Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen.

Ähnlich kreative Wege wie Anja Cordes geht auch Hotelier Sven Thöle aus Bücken, der in den Umkleidekabinen des Fitnessbereiches ein Testzentrum eingerichtet hat.

Seit Mitte November hat wieder jeder Bürger Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Antigen-Schnelltest (PoC-Test) pro Woche, im Volksmund auch Bürgertest genannt.

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