Impfung beim Hausarzt

Piksen im Akkord

Martina Köhler hat bereits fast 60 Patienten in der Arztpraxis Dörverden gegen Corona geimpft. Für die Menschen bedeute das weniger Stress und Aufregung als im Impfzentrum.
12.04.2021, 15:00
Lesedauer: 3 Min
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Piksen im Akkord
Von Jörn Dirk Zweibrock
Piksen im Akkord

Impft seit Osterdienstag in Dörverden: Martina Köhler (l.).

Björn Hake

Martina Köhler sitzt vor ihrem Computer und geht die Patientenlisten durch. „Eigentlich habe ich für diese Woche acht Phiolen bestellt, aber nur sechs bekommen. Das ist ein Viertel weniger von dem, was ich bestellt habe.“ Also muss die promovierte Medizinerin umdisponieren. „Organisation ist alles, ohne würde hier alles über Kopf gehen“, erzählt die Impfärztin. Seit Anfang Februar arbeitet Martina Köhler nun schon im Impfzentrum an der Lindhooper Straße in Verden, seit Osterdienstag impft die angestellte Ärztin auch die Patienten in der Arztpraxis in Dörverden.

Ihrer Ansicht nach sei der Stresspegel für die Impflinge in der Praxis geringer, „hier kennen sie die Räumlichkeiten, die Ärzte und Schwestern und werden nicht von Bundeswehrsoldaten in ein Containerzentrum begleitet“. 56 Patienten hat die Medizinerin in der vergangenen Woche schon gegen Corona geimpft. „Da hatte ich acht Phiolen zur Verfügung. Eine ergibt sechs bis sieben Impfdosen“, rechnet Köhler vor. Für das Impfen schaufelt sie sich extra einen Nachmittag und bei Bedarf auch den folgenden Vormittag frei. Bedeutet, sie bestellt ihre Patienten um oder lässt sie von ihren Kollegen behandeln. Maximal 42 Patienten kann Martina Köhler also in dieser Woche die lang ersehnte Impfung verpassen.

„Ich bestelle jeweils eine Woche vorher mit einem Spezialrezept bei unserer Zentralapotheke“, erläutert die Hausärztin. Auf die Menge und den Impfstoff habe sie jedoch persönlich keinen Einfluss. Warum hat sich Martina Köhler eigentlich im Winter als Impfärztin bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gemeldet? „Ich möchte einfach, dass es vorwärts geht, dass wir endlich aus dieser Pandemie rauskommen“, erläutert sie ihre Intention, zu impfen. Das bedeutet natürlich hin und wieder auch Überstunden für sie. Freitagnachmittags sowie am Wochenende wird sie immer noch im Impfzentrum des Landkreises Verden eingesetzt. „Zuerst habe ich in einem mobilen Team gearbeitet und die Bewohner in den Pflegeheimen durchgeimpft“, erinnert sich Köhler an ihre Anfänge als Impfärztin. Später habe sie dann ihre Wochenenden in der Turnhalle verbracht und dort Erzieher und Grundschullehrer geimpft. Mittlerweile seien über 30 Impfärzte im Kreisverdener Impfzentrum tätig, neben den heimischen übrigens auch Bremer.

„Weil ich mit der ganzen Logistik und Administration bereits vertraut war, habe ich das Impfen bei uns in der Dörverdener Praxis federführend übernommen“, erzählt die Impfärztin. Ihr Kollege Friedhelm Gorski habe sie mit Hausbesuchen bei Menschen der ersten Priorisierungsgruppe unterstützt. „Wenn Sie Sprechstunde haben, können Sie nicht parallel impfen“, betont die Impfärztin einmal mehr, dass die Vor- und Nachbereitung nun einmal alles sei. Grundlage für die Terminvergabe sei natürlich die vom RKI (Robert Koch-Institut) erstellte Priorisierungsliste. „Die Schwestern rufen erst die Patienten an, später finden dann die Impftermine bei mir im Zehn-Minuten-Takt statt“, erzählt die Ärztin.

Die Dörverdener Impflinge, die sich nun seit einer Woche beim Hausarzt gegen Corona impfen lassen können, sind natürlich hocherfreut, dass sie für den kleinen Piks nun nicht mehr ganz in die Kreisstadt fahren müssen. Statt im Containerbau sitzen sie nun ihrer Hausärztin im vertrauten Sprechzimmer gegenüber und gehen gemeinsam mit ihr den Anamnesebogen und die Einwilligungserklärung durch. Parallel dazu beklebt Martina Köhler schon den Impfpass und trägt darauf die Chargennummer ein. Während des Impfens stehen der Ärztin jeweils zwei Schwestern zur Seite, für die Impflinge vertraute Gesichter, die sie bereits von der Tetanus- oder Grippeschutzimpfung kennen. Während eine die Spritze aufzieht, kümmert sich die andere um die Administration. Den Impfstoff spritzt Martina Köhler ihren Patienten allerdings fast immer noch persönlich - Impfen ist schließlich Chefsache. „Nach der Impfung beobachten wir unsere Patienten noch jeweils eine Viertelstunde, bevor sie dann am Ausgang ihren Zweittermin erhalten“, erläutert Köhler das Prozedere. „Ohne unsere medizinischen Fachangestellten wäre das alles nicht machbar“, lobt die Impfkoordinatorin aus der Dörverdener Praxis das Personal.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung in Verden ist mittlerweile jeder Vertragsarzt berechtigt, zu impfen. Wo er letztendlich den Impfstoff bestellt - ob über die eigene Bestellapotheke oder den Großhandel - bleibe ihm selbst überlassen. Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, bewirbt die KV ausdrücklich das Impfen beim Hausarzt. Martina Köhler zufolge müssen sich die interessierten Mediziner dafür über ein Impfportal anmelden.

Nach dem Impfen im Akkord beginnt für die Dörverdener Impfärztin dann die für Außenstehende nicht sichtbare Nachbereitung. „Bis 23.59 Uhr muss ich der Kassenärztlichen Vereinigung die Anzahl der Geimpften, und wie viele Menschen davon unter 60 Jahre alt waren, übermitteln.“ Martina Köhler ist übrigens der Auffassung, dass schnellstmöglich auch Betriebsärzte mit in die Impfkampagne einbezogen werden sollten. Denn: „Wir müssen endlich mit dem Impfen vorankommen.“ Dass sie ihren Teil dazu beitragen kann, erfüllt die Dörverdener Hausärztin mit großem Glück, „ich freue mich, dass ich dabei sein kann“.

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