Niedersächsische Rettungsmedaille Eichenlaub für Thomas Grupe

Im Sommer hat der Barmer Feuerwehrmann einen Menschen mit Handicap aus einem brennenden Haus getragen. Weil er damit sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt hat, bekommt er dafür jetzt eine hohe Auszeichnung.
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Eichenlaub für Thomas Grupe
Von Jörn Dirk Zweibrock

Thomas Grupe hat die Niedersächsische Rettungsmedaille schon getragen. Bei einer Versammlung zierte sie das Revers des Barmer Feuerwehrmannes. Kurz zuvor hatte Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern den Lebensretter damit im Rathaus ausgezeichnet. Grupe hatte im Sommer einen Mann mit Handicap aus einem brennenden Haus in Kirchweyhe gerettet (wir berichteten). „Die Urkunde ist kein Faksimile. Sie wurde eigenhändig von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius unterschreiben“, freute sich der Verwaltungschef bei der Verleihung an den Feuerwehrmann. Es war das erste Mal in seiner nunmehr sechsjährigen Amtszeit, dass von Seggern die Rettungsmedaille des Landes Niedersachsen an einen Bürger aus dem Aller-Weser-Dreieck überreichen durfte. Auf Vorschlag der Kommunen werden damit Lebensretter zwischen Küste und Harz ausgezeichnet.

Den Blumenstrauß reichte der Brandbekämpfer gleich an seine Lebensgefährtin Birgit Clausjohannes aus Felde in der Samtgemeinde Thedinghausen weiter. Sie sei bei seiner Heldentat schließlich auch mit dabei gewesen, betonte Grupe. Während einer Fahrradtour Anfang Juli durch Kirchweyhe machte Clausjohannes ihren Partner auf die Rauchwolken aus dem Dachstuhl des Mehrparteienhauses aufmerksam. „Da ist noch ein Mann drin, der kann nicht laufen“, rief ihm einer der Bewohner zu. Grupe zögerte nicht lange und begab sich unter Lebensgefahr auf die Suche nach dem schreienden Mann. Die Haare des Brandopfers waren zu diesem Zeitpunkt bereits angesenkt, seine Arme verbrannt.

Nachdem der Barmer Feuerwehrmann den Schwerverletzten ins Freie getragen hatte, wurde dieser sofort in eine Klinik gebracht. Grupe selbst zog sich bei seinem beherzten Einsatz eine Rauchvergiftung zu. Brandursache für das Feuer in dem Kirchweyher Mehrparteienhaus war damals laut Polizeiangaben eine brennende Zigarette. Die Polizeiinspektion Dipholz bezifferte den Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Seit über vier Jahrzehnten hält Grupe der Barmer Wehr die Treue. „Ich würde immer wieder helfen, das liegt bei uns einfach im Blut“, erzählt Grupe, der aus einer alteingesessenen Feuerwehr-Familie stammt. Nicht nur für den Dörverdener Bürgermeister ist Grupe ein Held. Für viele Menschen aus der Mittelweser-Region ist er zum Vorbild geworden und hat ein sichtbares Zeichen für Zivilcourage gesetzt. „Ich verneige mich vor dieser Tat“, betonte von Seggern, als er Grupe Urkunde und Medaille im Auftrag des niedersächsischen Innenministers aushändigte.

Dass die Landesmedaille keinesfalls inflationär vergeben wird und einen besonderen Stellenwert hat, beweist die Tatsache, dass sie seit 1953 noch gar nicht so oft vergeben wurde. Die Verleihung setzt übrigens voraus, dass sich der Retter beim Einsatz auch selbst in Lebensgefahr befunden hat. Wenn dies nicht der Fall war, kann hingegen eine öffentliche Belobigung ausgesprochen werden. „Die jahrzehntelangen Erfahrungen mit Lebensrettern haben gezeigt, dass diese oftmals ihre Zivilcourage als Selbstverständlichkeit empfinden. Gerade aber in der heutigen Zeit, in der viele Menschen eher weg- oder zuschauen statt zu helfen, ist der Einsatz für Menschen in Lebensgefahr nicht hoch genug zu bewerten und eine staatliche Anerkennung gerechtfertigt“, heißt es aus dem Innenministerium in Hannover.

Natürlich ist auch Birgit Clausjohannes mächtig stolz auf ihren Lebensgefährten. Ihre sonntägliche Fahrradtour führt beide noch öfter an der Brandstätte in Kirchweyhe vorbei. Die in Silber geprägte Rettungsmedaille, mit dem springenden Ross auf der Schauseite und dem Eichenlaubkranz auf der Rückseite, trägt der Floriansjünger aber nur zu besonderen Anlässen wie zu Jahreshauptversammlungen der Feuerwehr.

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